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Schüler bannen Geschichte auf Karten im Internet

Schüler bannen Geschichte auf Karten im Internet

Die Europäische Union fördert die Erfassung von geschichtlichem Wissen, das im Internet auf Stadtplänen und Straßenkarten von Deutschland, England, Spanien und Rumänien aufbereitet wird. Rund 30 Schüler der Berufsbildenden Schule in Saarburg-Beurig nehmen daran erneut teil. An den Open-Street-Projekten arbeiten inzwischen weltweit mehr als eine Million Aktivisten.

Saarburg-Beurig. Freie Software, freie Daten und Tourismusförderung - dafür kämpft Pädagoge Manfred Reiter. Der frühere Fachlehrer für EDV und Betriebswirtschaftslehre an der Berufsbildenden Schule in Saarburg-Beurig und seine Mitstreiter haben mit ihren Open-Street- Projekten, an denen sich jeder Smartphone-Besitzer beteiligen kann, weltweit für Aufsehen gesorgt.
Jetzt soll Geschichte im Internet auf Karten anschaulich vermittelt werden. In diesem sechsten Projekt sind wieder rund 30 Schüler mit von der Partie. Ein Vertrag mit englischen, spanischen und rumänischen Pädagogen ist Grundlage zur Förderung durch das Comenius-Projekt der EU mit rund 20 000 Euro.
Das vorherige Projekt, in dem Straßen- und Stadtkarten mit höchster Auflösung und enormen Details erarbeitet wurden, ist von der Nationalen Agentur für EU- Programme mit Sitz in Bonn, die der Kultusministerkonferenz angeschlossen ist, mit höchstem Lob bedacht worden. "Uns ist geschrieben worden, dass die anfangs gesteckten Ziele bei weitem übertroffen wurden", freut sich Reiter.
Neue Daten über die Tourismusregion können unter www.openstreetmap.org genutzt werden. Der erste Beigeordnete der Stadt Saarburg, Norbert Jungblut, ist sicher: "Davon werden viele Touristen profitieren." "Weltweit werden Straßen und Gebäude erfasst", sagt Reiter stolz, denn aktuell können die Daten von ehemaligen Gebäudestandorten in der Katastrophenregion auf den Philippinen gut gebraucht werden. "Die Rettungskräfte wissen, wo sie nach Opfern suchen müssen", sagt der Aktivist.
Seit 2001 haben rund 100 Schüler der Berufsbildenden Schule an solchen Projekten teilgenommen. "Die Schüler werden offener und sehen die Welt mit anderen Augen", freut sich Schulleiterin Jutta Pohl. Es werden nicht nur Fremdsprachenkenntnisse verbessert, die jungen Leute sehen auch, wie Europa zusammenwächst.
Und jetzt wird www.geschichtskarten.openstreetmap.de weiterentwickelt. Als einer der ersten Datensätze werden die Stolpersteine in Saarburg erfasst. Sie erinnern an die Orte, wo einst Juden lebten, die von den Nazis verschleppt und umgebracht wurden. In Deutschland, England, Spanien und Rumänien werden Geschichtsdaten in die Karten einfließen, nicht nur von Kulturerbe-Stätten.
Ganz besonders haben die Aktivisten die Alten Kelten im Visier, denn sie waren schon vor Jahrtausenden Europäer. Das neue Projekt läuft bis ins Jahr 2015. Bis dahin werden sich Schüler aller vier beteiligten Länder mehrfach gegenseitig besucht haben. doth
Extra

Comenius ist ein 1995 eingerichtetes Programm der EU mit dem Ziel, die Zusammenarbeit von Schulen aller Stufen und Formen innerhalb der Europäischen Union sowie die Mobilität von Schülern und Lehrern zu fördern. Es ist seit 2007 Teil des EU-Programms für lebenslanges Lernen. Namensgeber für das Porgramm ist der Pädagoge Johann Amos Comenius (1592- 1670). doth