Schüler essen jetzt in der Drei-Sterne-Mensa

Schüler essen jetzt in der Drei-Sterne-Mensa

Sterneküchen gibt es nicht nur in feinen Restaurants. Auch die Mensa der Integrierten Gesamtschule Hermeskeil darf sich nun mit einer solchen Auszeichnung schmücken. Verliehen wurde sie im Rahmen eines Landeswettbewerbs, durch den Schulen ihr Essensangebot kontinuierlich verbessern sollen. In Hermeskeil mischen dabei auch die Schüler kräftig mit.

Hermeskeil. "Oh lecker, heute gibt es Käsespätzle", freut sich Max. Der Siebtklässler ist einer von fünf Essenswächtern, die an der Integrierten Gesamtschule Hermeskeil (IGS) im Auge behalten, was dort in der Mensa auf die Teller kommt. "Wir schauen zum Beispiel, ob es den Schülern schmeckt oder ob viele Reste zurückbleiben", erklärt Max' Kollegin Elena. Auch Vorschläge für den Speiseplan dürften sie machen: "Burritos mögen nur wenige, aber Spaghetti kommen gut an", weiß Max. Auch die Salatbar sei beliebt. "Da stehen immer viele an."
Ihre Beobachtungen geben die Essenswächter an Lehrerin Hedi Willems weiter. Sie ist die Verpflegungsbeauftragte im Kollegium und betreut das Projekt Mensa seit den Anfängen. Seit 2014 nimmt die IGS an einem Qualifizierungsprozess des Landes teil (siehe Extra) - und erhielt für ihre Fortschritte in Sachen gesundes Schulessen und Ernährungsbewusstsein bereits zwei Sterne. Die Auszeichnungen orientieren sich an dem berühmten Restaurantführer Michelin. Die höchste Stufe sind drei Sterne - und die hat die Mensa nun erreicht.
Fragen an prominenten Gast


Die Urkunde übergab Ernährungsministerin Ulrike Höfken (Grüne) bei einer Feierstunde mit Lehrern, Schülern und Vertretern der Politik an Schuldirektorin Christa Breidert. Zuvor stellte sich der Gast aus Mainz einigen Fragen der Essenswächter. Wie sie auf die Idee mit den Sternen gekommen sei, wollten die zum Beispiel wissen. "Wir wollten den Schulen einen zusätzlichen Anreiz geben, ihr Essen zu verbessern", erklärte Höfken. Außerdem gäben die beteiligten Schulen ihren Schülern auch "das Rüstzeug für einen nachhaltigen Lebensstil" mit. "Spaß und Genuss am gemeinsamen Essen" förderten zudem die soziale Kompetenz und die Wertschätzung für die Lebensmittel. Auf die Frage, ob sie denn selbst kochen könne, bot die Ministerin lachend an, dies bei Gelegenheit vor Ort zu beweisen.
Als Vertreter des Schulträgers ergriff der erste Kreisbeigeordnete Arnold Schmitt das Wort. Er erinnerte daran, dass der Kreis Trier-Saarburg in die IGS "viel investiert" habe, auch in die Mensa, "die richtig was kann". Der Kreis bemühe sich schon länger darum, bewusste Ernährung in den Schulen in den Vordergrund zu rücken: "Das wird uns auch in Zukunft das Geld wert sein." Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, überbrachte Glückwünsche und einen "kleinen Scheck für ein paar Kilo Tomaten". Stadtbürgermeister Mathias Queck wies darauf hin, dass schon in den Hermeskeiler Kindergärten auf "Frische und gesundes Essen" gesetzt werde. In der 2010 eröffneten IGS-Mensa werden täglich etwa 60 bis 90 Essen ausgegeben. Geachtet werde auf saisonale und regionale Produkte, zudem orientiere sich Köchin Lydia Willems an den Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, berichtet Essensbeauftragte Hedi Willems. Um gesundes Essen gehe es aber nicht allein. Wichtig sei auch, Lehrer und Schüler zu beteiligen. "Wir fragen regelmäßig nach, was verbessert werden kann." Die Schüler könnten zwischen zwei Menüs wählen, als Wahlhilfe gebe es "Anschauungsteller", sagt Willems. Und wenn "etwas Ausgefallenes" auf dem Plan stehe, wie neulich das als Weizenreis bekannte Ebly, dann lasse sie die Kinder erst probieren.
Kräuter aus dem Schulgarten


Wichtig für den dritten Stern war auch das "Ambiente", in dem die Kinder speisen. Laut Willems basteln Schüler selbst die Tischdekoration - aktuell sind es Papp-Clowns passend zur Fastnacht. Eine andere AG kümmere sich um den Schulgarten, in dem Kartoffeln oder Kräuter angebaut werden. Wissen über Lebensmittel zu vermitteln, stehe ebenso im Fokus. Mit ihrer siebten Klasse hat Hedi Willems eine Schautafel zur Bedeutung des Trinkwassers erstellt. In einem früheren Projekt wurden eine Woche lang die Essensreste gewogen: "Am Ende blieb deutlich weniger auf den Tellern zurück."
Der dritte Stern sei für sie "eine Ehre", sagen die fünf Essenswächter, die sich alle freiwillig für ihre Aufgabe gemeldet haben. Dennoch müsse man am Ball bleiben, mahnt Hedi Willems. Denn: Alle drei Jahre wird geprüft, ob die Mensa ihre Sterne weiterhin verdient.Extra

Im Beisein von Schulleiterin Christa Breidert, dem Kreisbeigeordneten Arnold Schmitt, VG-Bürgermeister Michael Hülpes, Projektbetreuerin Hedi Willems und Stadtbürgermeister Mathias Queck (von links) nehmen Schüler der IGS Hermeskeil den dritten Stern für ihre Mensa entgegen. TV-Fotos (2): Christa Weber. Foto: (h_hochw )

Vier Schulen in Rheinland-Pfalz sind von Ernährungsministerin Ulrike Höfken für die gute Qualität ihres Mittagessens ausgezeichnet worden. Den dritten Stern für ihre Mensa erhielten die IGS Hermeskeil, die Schule am Pulvermaar in Gillenfeld (Vulkaneifel), das Gymnasium Nackenheim und die Realschule plus Altenkirchen. Sie haben damit erfolgreich einen Qualifizierungsprozess im Rahmen der Landesinitiative "Rheinland-Pfalz isst besser" abgeschlossen. Darin bemühen sich seit 2014 landesweit 60 Schulen mit Hilfe von Ernährungsberatern des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum und der Vernetzungsstelle Schulverpflegung um ein ganzheitliches Verpflegungskonzept. Dazu gehören neben gutem Essen auch eine ansprechende Gestaltung der Mensa und Projekte zur Ernährungsbildung. cweb

Mehr von Volksfreund