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Schüler müssen weiter aufs Mittagessen warten

Schüler müssen weiter aufs Mittagessen warten

Beuren braucht eine Grundschule mit Ganztagsangebot: Das ist die feste Überzeugung der Politiker aus sechs Hochwaldorten. Doch das klappt nur dann, wenn die magische Zahl von 36 erreicht wird. So viele verbindliche Anmeldungen von Kindern sind nötig, um beim Land die Einführung einer Ganztagsschule zu beantragen. Das Problem: Bislang ist das Interesse der Eltern noch mäßig.

Manuela Hemmes ist Sprecherin des Elternbeirats in der Beurener Grundschule und sagt ganz klar: "Persönlich bin ich sehr offen für eine Ganztagsschule. Es ist bedauerlich, dass es dafür bisher so wenig Interesse gibt. Um ehrlich zu sein, kann ich das Ergebnis auch nicht so ganz nachvollziehen." Hemmes spricht damit eine Umfrage an, die kürzlich unter den Eltern der Erst- und Drittklässler aus Beu-ren, Geisfeld, Hinzert-Pölert, Rascheid, Bescheid und Naurath gemacht wurde. Dazu kamen auch noch die Vorschulkinder im Beurener Kindergarten, in dem ebenfalls der Nachwuchs aus den sechs Hochwaldorten betreut wird. Denn um beim Land einen Antrag auf Einführung einer Ganztagsschule (GTS) zu stellen, ist eine Mindestzahl von 36 verbindlichen Anmeldungen nötig.

Allerdings hatten lediglich neun Eltern daran Interesse gezeigt. Damit sind die Vorgaben des Landes nicht erfüllt und es gibt keine Chance darauf, dass im Schuljahr 2013/14 ein Ganztagsangebot in Beuren startet. "Das kann frühestens im Schuljahr 2014/15 klappen", sagt Conny Haag, die Leiterin der Grundschule. Voraussetzung dafür ist aber, dass sich bis zu einer erneuten Abfrage im Oktober 2013 tatsächlich 36 Eltern finden, die ihr Kind in die GTS schicken wollen.
Flexibles Betreuungsangebot


Eine Erklärung für das bislang sehr geringe Interesse ist aus Haags Sicht das bestehende Modell an der Schule, an der momentan 86 Kinder unterrichtet werden. Nach Schulschluss um 12 Uhr können die Kinder bei Bedarf bis 15 Uhr bleiben und in der Schule Hausaufgaben machen oder spielen. Die Eltern können flexibel entscheiden, ob und an welchen Tagen sie dieses erweiterte Betreuungsangebot überhaupt in Anspruch nehmen wolle. "Das ist ein Vorteil, den viele Eltern schätzen", sagt Haag. Anders sieht es bei der Ganztagsschule aus. Dort ist die Teilnahme von montags bis donnerstags verpflichtend.

Doch der aktuelle Alltag in Beu-ren birgt auch seine Nachteile: Die Eltern müssen ihre Kinder nachmittags selbst abholen, während bei einer GTS die Heimfahrt mit dem Bus garantiert ist. Es fehlt ein didaktisches Konzept - etwa in Form von Kursen. Und es gibt vor allem einen "großen Knackpunkt", so Haag. Die Kinder bekommen an der Beurener Grundschule kein warmes Mittagessen.

Genau das ist bei der Argumentation von Manfred Köhl (SPD) ein ganz entscheidender Punkt. Der Beurener Ortsbürgermeister ist zugleich Vorsitzender des gemeinsamen Kindergarten-Zweckverbands der sechs Orte. Und dieses Gremium "drängt auf die Ganztagsschule", wie es Köhl formuliert. Im Kindergarten würden 60 Jungen und Mädchen ganztags betreut, wovon 40 am Mittagstisch teilnehmen. Beim Wechsel in die Schule würden die Kinder dann auf eine "für sie ungewohnte Situation" treffen, weil sie dann auf ein Mittagsessen verzichten müssen. Das sei unbefriedigend, ja sogar eine "Zumutung".

Wechsel nach Hermeskeil


Köhl weist darauf hin, dass seines Wissens schon zwei Kinder wegen der fehlenden GTS in Beu-ren von ihren Eltern in Hermeskeil angemeldet wurden. "Das ist ein alarmierendes Signal", betont Köhl. Er sehe die Gefahr, dass ohne Ganztagsangebot "nicht nur die Beurener Schule ins Hintertreffen gerät, sondern dass auch einen Nachteil für die Entwicklung der Gemeinden bedeuten kann". Dem stimmt der Geisfelder Ortschef Theo Palm (CDU) zu: "Es ist wichtig, dass wir bei den Eltern Überzeugungsarbeit für die Ganztagsschule leisten."
Schulelternsprecherin Hemmes hofft darauf, dass diese Bemühungen bis zu einer neuerlichen Umfrage im Herbst 2013 erfolgreich sind. Sie betont: "Es kann doch eigentlich nicht sein, dass das Ganztagsangebot im Kindergarten so gut angenommen wird und in der Grundschule dafür kein Bedarf mehr da sein soll."Extra

Die Grundschule Beuren steht - wie die in Reinsfeld, Gusenburg, Züsch und Hermeskeil - unter der Trägerschaft der Verbandsgemeinde (VG). Deren Bürgermeister Michael Hülpes betont, dass die VG-Gremien die Einrichtung einer GTS in Beuren befürworten. "Wir brauchen dafür aber dringend die verbindliche Anmeldung von 36 Kindern. Erst dann können wir mit dem Antragsverfahren beginnen." Im Grundschulgebäude gibt es zwar zwei Räume, die sich für eine Ausgabeküche und eine Mensa eignen würden. Wegen der hohen gesetzlichen Auflagen würde deren Einrichtung aber nach ersten Schätzungen rund 110 000 Euro kosten. Diesen Betrag müsste die VG allein schultern, wenn es beim bestehenden Betreuungsangebot bis 15 Uhr bleibt. "Das wäre für uns natürlich schon eine hohe finanzielle Belastung", sagt Hülpes. Deshalb steht diese Lösung zurzeit nicht zur Debatte. Kommt es hingegen zur Einführung einer GTS, würde das Land den Bau von Mensa und Küche mit einer Quote von 70 Prozent bezuschussen. ax