Schüler sollen beim Thema Streuobst anbeißen

Schüler sollen beim Thema Streuobst anbeißen

Kindern die Natur näherbringen: Das ist ein Ziel des Naturparks Saar-Hunsrück. Das Projekt "Streuobst macht Schule" stellt Ideen bereit, um im Unterricht heimische Wiesen zu erkunden.

Hermeskeil "Wir wollen einen Virus einpflanzen, der hoffentlich lebenslang bleibt", sagt Gudrun Rau, Geschäftsführerin des Naturparks Saar-Hunsrück. Gemeint ist eines der Kernziele des Naturpark-Teams, Kinder für ihre Heimat und den Erhalt von Landschaft und Natur zu interessieren. "Wenn sie sich mit ihrer Heimat identifizieren", sagt Rau, "dann sind sie vielleicht später als Erwachsene auch bereit, ihre eigenen Dörfer mitzugestalten."
Und weil "Naturschutz durch Genuss" besonders gut funktioniere, habe sich der Naturpark ein ebenso wichtiges wie "schmackhaftes" Thema vorgenommen, um es für den Schulunterricht aufzubereiten. Unter dem Titel "Streuobst macht Schule" steht ab sofort ein Ordner mit Materialien bereit. Darin sollen Lehrer an weiterführenden Schulen Anregungen finden, wie sie das Thema Streuobstwiesen praxisnah in ihren Unterricht einbauen können.
Streuobstwiesen seien "Hotspots der biologischen Vielfalt", sagt Gudrun Rau. Sie prägten vielerorts die Landschaft des Naturparks, die vom Saargau bis in den Hunsrück reicht. Um die Kinder für den Erhalt dieser schützenswerten Biotope zu sensibilisieren, wurde das Lehrmaterial entwickelt.
"Es gibt einzelne Module zur Tierwelt, Insekten, Obstsorten und zum Artenschutz", erläutert Naturpark-Umweltreferentin Susanne Schmid. Sortiert nach den vier Jahreszeiten würden auch Themen wie die Obsternte oder der richtige Baumschnitt angesprochen. Zusätzlich gibt es viele praktische Anleitungen, beispielsweise zum Bau von Vogelnistkästen und zum Anlegen einer eigenen Streuobstwiese. Auf der Internetseite <%LINK auto="true" href="http://www.naturpark.org" text="www.naturpark.org" class="more"%> ist ein eigener Streuobst-Bereich eingerichtet. Dort gibt es ein Erklärvideo und alle Unterrichtshilfen zum Herunterladen. Entwickelt wurde auch ein Quiz. Mit Hilfe ihrer richtigen Antworten können die Kinder dabei Puzzle mit Naturmotiven zusammensetzen. Das Quiz können die Schulen bei der Naturpark-Geschäftsstelle in Hermeskeil ausleihen. Die Ordner für den Unterricht sollen an alle Einrichtungen im Gebiet verschickt werden.
"Das Ganze ist genau zugeschnitten auf unsere Region, ein Stück Heimatbildung", sagt Rau. Weil man aber Umweltbildung nicht "einfach von oben nach unten aufdrücken" wolle, habe man die Lehrer selbst einbezogen bei der Projektentstehung. Vertreter der Realschulen plus in Thalfang und Birkenfeld waren beteiligt. Einer davon ist Lars Degener, pädagogischer Koordinator an der Realschule plus in Birkenfeld, der von dem Projekt begeistert ist: "Es ist so gemacht, dass man es gleich umsetzen kann." Wichtig für die jüngeren Kollegen sei, dass sich die Module in den Biologie-Lehrplan für die siebte und achte Klasse problemlos integrieren ließen. Das Thema Streuobst mache sich "an unserer Ganztagsschule richtig gut", sei eine ideale Ergänzung zum Schulgarten und den schuleigenen Bienenvölkern.
Für die Praxis sei auch nicht unbedingt ein großer Ausflug zur Wiese nötig, sagt Gudrun Rau. "Man könnte auch erst mal bei Eltern oder Großeltern fragen, wer vielleicht alte Obstbäume im Garten hat." Unter den insgesamt 324 Dörfern im Naturpark gebe es aber natürlich auch viele Besitzer von Streuobstwiesen (siehe Info), die ihr Gelände gern für einen Besuch zur Verfügung stellten. Das Unterrichtsmaterial sei zwar für Schulen konzipiert, könne aber auch für Heimatvereine oder Gartenbauvereine interessant sein.
Gefördert wird das etwa 43 000 Euro teure Projekt durch EU-Leadermittel aus dem Topf der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf. Der Zuschuss beträgt etwa 39 200 Euro. Laut LAG-Geschäftsführer Jens Lauer ist die Unterstützung von Streuobst-Projekten landesweit ein Schwerpunktthema. Dafür stünden allen LAG landesweit insgesamt eine Million Euro an Fördermitteln zur Verfügung.Extra: GROßES GEBIET MIT VIELEN STREUOBSTWIESEN


Der Naturpark Saar-Hunsrück besteht seit 1980. Er erstreckt sich auf 200 000 Hektar über Rheinland-Pfalz und das Saarland. Das Gebiet umfasst sieben Landkreise: Bernkastel-Wittlich, Birkenfeld, Merzig-Wadern, Neunkirchen, Saarlouis, Trier-Saarburg und Sankt Wendel. Leitidee des Naturparks ist der Erhalt einzigartiger Landschaft, diese regional weiterzuentwickeln und unter Wahrung der Interessen von Naturschutz und Landschaftspflege einen nachhaltigen Tourismus zu fördern. Der Naturpark soll den Menschen als Erholungsraum dienen und ihre prägenden Kulturlandschaften schützen. Umweltbildung in Kindergärten und Schulen wie mit Hilfe des Projekts "Streuobst macht Schule" ist ebenfalls eine zentrale Aufgabe. Im Naturpark-Gebiet gibt es größere Streuobstwiesen unter anderem in Trier-Euren nahe der Eisenbahnstraße (Besitzer ist der Bund für Umwelt und Naturschutz), am Streuobsterlebnispfad in Mackenrodt (VG Birkenfeld) und im Saargau bei Fisch, Mannebach und Merzkirchen. In Gusenburg (VG Hermeskeil) gibt es eine Allee mit 134 alten Obstbäumen.