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Schule als literarische Inspirationsquelle

Schule als literarische Inspirationsquelle

Thomas Edelmann hat nie geplant, Lehrer zu werden. Heute unterrichtet er am Konzer Gymnasium und schreibt. Sein Debütroman ist gerade erschienen.

Konz "Mir ist noch nie ein Schüler begegnet, den ich nicht leiden kann. Aber jeden Tag begegnen mir Erwachsene, die ich nicht ertragen kann", sagt Thomas Edelmann nicht nur über seinen Alltag, sondern auch über sein Erstlingswerk. Im Schulroman "Jetzt gleich passiert's" geben sich nämlich liebevoll gezeichnete Schülerfiguren wie der kleine Gregori, der heimlich in die Freundin seines großen Bruders verliebt ist, und weniger sympathische Erwachsene, etwa der allmachtssüchtige Schulleiter Nowela, die Klinke in die Hand.
Seit Jahrzehnten ist Edelmann Mitglied eines vierköpfigen Literaturkreises, bei dem eigene Texte besprochen, gemeinsam bearbeitet und optimiert werden. So entstand in einer fünfjährigen Arbeitsphase auch die verschlungene, zunehmend krimihafte Romanhandlung, die sich um Schule und Theater und damit auch ein bisschen um sein eigenes Leben dreht. Er ist Fachleiter für Deutsch, also quasi Ausbilder für angehende Lehrer, und unterrichtet selbst Deutsch, Latein und Philosophie.
Seit 1998 leitet Edelmann nebenbei auch die Theater-AG des Gymnasiums Konz. Wie enthusiastisch er diese Aufgabe verfolgt, zeigt ein Blick an die eine Wand seines Arbeitszimmers, die nicht mit Büchern, sondern mit den eingerahmten Plakaten sämtlicher bisheriger Aufführungen behangen ist. Lehrer zu werden war nicht sein ursprünglicher Plan. Bis zur Promotion habe er sich keine Gedanken darüber gemacht, was aus ihm werden sollte. Die Schule wurde dann zum Zufalls- und Glückstreffer. "Jede einzelne Stunde, die ich halten darf, ist wie ein Geschenk. Kinder und Jugendliche sind neugierig und unverbogen. Sie sind zu Unkonventionellem bereit. Dadurch wird es nie langweilig". So entstehen auch Unterrichtseinheiten, in denen die Schüler eigene Gedichte aus Zeitungsschnipseln zusammenbauen, Radiofeatures aufnehmen und eigene Poetry-slam-Texte oder Drehbücher schreiben. Regelmäßige Theater- und Kinobesuche stehen dabei ebenso mit auf dem Programm wie eine Lektüreliste, die nicht nur eine beeindruckende Anzahl klassischer wie aktueller literarischer Werke umfasst, sondern auch solche von besonderer Komplexität, etwa der zweite Teil von Goethes Faust. Edelmann spricht mit absolut präziser, hörbuchtauglich sonorer Stimme und sitzt im Sessel seiner Wohnung. Um ihn herum stapeln sich die Bücher. Regelmäßig setzt er seine Brille auf, um sie gleich darauf wieder abzunehmen und damit Kreise in die Luft zu zeichnen. Immer wieder, absolut beseelt von einem Gedanken, brechen Begeisterung und Leidenschaft über ihn herein und vertreiben die angestrengte Konzentration. So werden etwa die alljährlich besuchten Salzburger Festspiele in die Wohnung getragen, wenn Edelmann imitiert, wie ein begeisterter Besucher dem italienischen Opernstar Cecilia Bartoli während einer Aufführung durch den ganzen Saal hindurch lautstark mit "Auguri! Auguri!"-Rufen zum Geburtstag gratulierte. Die liebsten Inszenierungen seien ihm nicht das klassisch russische Kitschballett oder eingestaubte Kostümdramen, sondern unkonventionelle Stücke wie eine Neuauflage von Büchners Woyzeck, in der die Hauptfigur als schuldiger Terrorist dargestellt wird. Entsetzte Zuschauer, zerstörte Interpretationsroutinen, Abbruch. "Ja, aber das ist Theater! Theater muss einen das Leben neu sehen lernen und nicht immer das bieten, was man erwartet." Genau das scheint auch das Motto für Thomas Edelmanns Unterrichtsgestaltung zu sein.
"Jetzt gleich passiert's" ist exklusiv in der Buchhandlung Kolibri in Konz erhältlich.
Thomas Edelmann wird am 24. Juni um 15 Uhr auf der Waldbühne im Roscheider Hof und am 26. Juni um 19 Uhr in der Buchhandlung Kolibri aus seinem Roman lesen. Die Lesung in der Buchhandlung ist ausverkauft.