Schwierige Balanceakte

KONZ. Das Jugendtreff-Gebäude in Roscheid sollte beides sein: Spielstätte für Kinder und Freiraum für Jugendlich. Aber seit Jahren werden die Klagen über Belästigungen und Verschmutzungen nicht leiser. Droht das "Projekt Jugendtreff" zu scheitern?

An den Außenwänden und den heruntergelassenen Jalousien prangen bunte Graffitti. Der Putz und die dahinter liegende Styroporschicht sind an zahlreichen Stellen beschädigt, und an einer Kante klafft eine große Lücke. Die einst einladende Eingangstür ist längst gegen eine "vandalenfeste" Metallkonstruktion ausgetauscht worden. Und der freie, saubere Vorplatz täuscht: Immer wieder kommt es im Sommer zu Gelagen, die leere Flaschen und weiträumig verteilte Scherben hinterlassen. Der Jugendtreff in Konz-Roscheid, noch hinter dem Roscheiderhof und in deutlichem Abstand zu jedem bewohnten Areal, ist seit Jahren ein Problem.Kein sonderlich attraktiver Wohnort

Jugendpfleger Dietmar Grundheber will die Probleme nicht herunterspielen. "Die Beschädigungen machen uns große Sorgen." Für Graffitti allerdings seien die Wände ausdrücklich freigegeben worden. Im Inneren sind die Räume, abgesehen vom verschmutzen Jugendraum, freilich tatsächlich durchaus wohnlich. Die Küche ist von einem Einrichtungshaus gestiftet worden und nimmt sich direkt nobel aus. Und der Versammlungsraum für Kinder ist so nüchtern und so ordentlich, wie eben normale Versammlungsräume sind. Gedacht ist das Gebäude für die Kinder und Jugendlichen, die im strukturarmen Wohngebiet Roscheid sonst keine Anlaufstelle finden. Der Höhenstadtteil ist für junge Menschen kein sonderlich attraktiver Wohnort. Das Haus der Jugend liegt zu Fuß unerreichbar im Stadtzentrum. Ein Vereinsleben, mit dem sich Jugendliche so einbinden lassen wie in anderen Stadtteilen, existiert allenfalls in Ansätzen. Darum hat die Stadt vor knapp zehn Jahren den Jugendtreff gebaut. Wie sich indes rasch zeigte, löst ein Haus allein keine Probleme. Zwei Abteilungen benutzen derzeit den Jugendtreff. Der Kinder-, Jugend-Förderverein Roscheid e. V. organisiert Veranstaltungen für Kindergruppen, die Jugendlichen werden vom pädagogischen Personal aus dem "Haus der Jugend betreut". Dreimal wöchentlich treffen sich zwischen 15 und 30 junge Menschen in einem Gebäude, das ihnen gezielt Freiräume gewährt, aber auch Verantwortung abverlangt. Damit hapert es. Bis jetzt ist es nicht dauerhaft gelungen, eine jugendliche Selbstverwaltung zu etablieren, die nach fröhlichen Abenden für Sauberkeit sorgt und überhaupt mutwillige Beschädigungen unterbindet. Darunter wiederum leiden die Kleineren. Kerstin Röhlich-Pause, Vorsitzende des Kinder-Jugend-Fördervereins in Roscheid, bezeichnet das Gebäude als "sehr sinnvolle Angelegenheit", macht auch eine Tendenz zur Besserung aus, betont indes auch vorsichtig, die Situation sei nicht so, wie sich der Verein das wünsche. Ihre Stellvertreterin Natalie Studler wird deutlicher: Angesichts der Beschädigungen, angesichts von Dreck und Scherben gehe das Interesse bei den Kindern immer weiter zurück. Und überhaupt: Sie würde ihre Kinder nicht allein zum Jugendtreff schicken. Für Dietmar Grundheber ist die Angelegenheit ein heikler Balanceakt zwischen Fordern und Gewährenlassen. Einerseits sei es notwendig, den Jugendlichen Freiräume zu geben, andererseits müsse auch die Verantwortung der jungen Menschen herausgefordert werden. In diesem Spannungsfeld bewege sich die Jugendarbeit. Jetzt habe man den Druck auf die Gruppe erhöht und auch darauf hingewiesen, dass das Haus im Extremfall für sie geschlossen werden könnte. Das freilich sei auch keine Lösung. "Die treffen sich in jedem Fall, wenn nicht hier, dann woanders."