Selbst Erben will gelernt sein

Im 35. Jahr ihres Bestehens hat die Theatergruppe der Kolpingsfamilie in Kell am See alle Register ihres komödiantischen Könnens gezogen. Es geht ums Erben, um Schein und Sein und um weniger glückliche Ehen. Wer hier wen reinlegt, kommt erst am Schluss heraus bei "Liewer e Mann wie gor kän Ärjer".

Kell am See. Oje, die Erbtante kommt zu Besuch. Lange hat Familie Fetzer nichts von ihrer amerikanischen Verwandtschaft gehört. Kann jetzt endlich geerbt werden? Das Stück "Liewer e Mann wie gor kän Ärjer" von Regina Rösch ist aus fünf Stücken ausgesucht worden, denn: "Es passte auf die Anzahl der Akteure und gefiel allen gut", sagt Marlen Endres, die nicht nur souffliert, sondern auf der Bühne auch tapeziert hat, damit das Chaos, in dem Familie Fetzer lebt, auch richtig chaotisch aussieht. Regie führten alle gemeinsam.Alle zwei Jahre inszeniert die Kolpingfamilie Kell ein Theaterstück. Immer geht es turbulent zu und gibt es interessante Wendungen. Diesmal haben die Hobbyschauspieler direkt nach der Kirmes im September mit der Probenarbeit begonnen. Für Cilly Erschens, der Darstellerin von Betty Fetzer, - eine Rolle, die es in sich hat - ist es die 15. Inszenierung: "Das mache ich rein aus Spaß an der Freude. Viele Leute kommen doch, weil sie uns auch privat kennen."Zum ersten Mal steht der 25-jährige Bastian Glessner auf der Bühne. Er gibt zu: "Das ist eine Herausforderung. Aber Texte lernen ist eine Sache der Übung." Gerade weil auch junge Leute mitspielen, kämen auch Jugendliche und junge Erwachsene ins Kolping-Theater.Die Silberne Hochzeit, eine Wette, wieviele Nadeln an einem verdorrten Weihnachtsbaum hängen bleiben, unbezahlte Rechnungen, die Hoffnung auf ein Erbe, zwei Ehemänner, die mehr von der Kneipe als ihren Frauen halten - all das spielt eine Rolle. Der Erbtante aus Amerika wird vorgespielt zu den "besseren Leit" zu gehören. Auf einmal müssen alle vornehm sein und es wird all das unterm Teppich herausgeholt, was daruntergekehrt worden war. Betty, die Dame des Hauses, ist jedoch pfiffiger als ihr Emil das zu träumen wagte. Wie es ausgeht mit der Erbtante, soll hier nicht verraten werden, denn am Samstag, 26. November, steht die Theatertruppe wieder um 19 Uhr im Saal des Friedlichen Landmanns in Kell auf der Bühne. Auch diese dritte Vorstellung ist mit 150 Zuschauern ausverkauft. Dorothée Reichert aus Kell sitzt in der ersten Reihe und ist begeistert: "Man kennt die Schauspieler ja, und ich finde, die Rollen passen zu den Leuten." Die Darsteller: Emil Fetzer: Dirk Steuer; seine Frau Betty: Cilly Erschens; ihr Sohn Stefan: Bastian Glessner; Kumpel Oswald Geiger: Edgar Thielen, seine Frau Helga: Heidi Biewer; Max Müller: Burkhard Schmitt; Susi Pfeiffer: Eva Lorenz; Erbtante Edith: Anna Herpel. doth