Wirtschaft : Selfies statt Verantwortung

Beim Empfang der Wirtschaft in Konz wurde vor allem über den Fachkräftemangel gesprochen – durchaus auch mit Humor.

Jörg Kranz-von Fricken hatte den Fachkräftemangel zumindest in seinem Geschäft gelöst. Ein Syrer hatte sich bei Optik Kranz in Konz beworben. Dem Augenoptikermeister und Vorsitzenden des Stadtmarketings in Konz gefiel das Engagement. Er gab dem Mann eine Ausbildungsstelle. Doch natürlich sprach er nicht fließend Deutsch. Kranz-von Fricken gab dem Mann jede Chance, wollte ihn halten, doch nach knapp einem Lehrjahr kam der Lehrling für sich selber zu dem Schluss, dass er erst einmal sein Deutsch verbessern müsse und gab die Lehrstelle auf.

Der Fachkräftemangel war das dominierende Thema beim Empfang der Wirtschaft im Konzer Kloster am Montagabend. Rund 120 Teilnehmer waren gekommen, darunter Jürgen Thelen, Geschäftsführer der Tief- und Straßenbaufirma L. Elenz. Für 2019 erhofft er sich, „dass es vernünftige Ausschreibungen gibt und dass die Kommunen ihre Investitionsprogramme in die Tat umsetzen.“ Thelen gefiel es auch, dass an dem Abend so sehr auf den Fachkräftemangel eingegangen wurde. Etwa von dem Gastredner Thomas Pütter von der Agentur für Unternehmensentwicklung, denk­neu – durchaus mit Komik: „Wenn wir eine Anzeige schalten, dann kommen noch Leute, dann sind die aber irgendwie anders drauf, als wir das erwartet haben, als wir das kennen. Dann haben wir es mit der Generation Y zu tun. Die ticken komplett anders. Die wollen Sinn und Werte erfahren in ihrem Arbeitsleben. Die fragen dich nach so Sachen wie: ‚Haben Sie ein Leitbild?‘ Und wenn du das nicht hast im Vorstellungsgespräch, dann kannst du gehen!“ Doch damit ist nicht Schluss. Es gibt noch die Generation Z. „Das sind unsere neuen Azubis. Aufgewachsen mit Helikopter-Eltern, die ihren Kindern alles abnehmen, sie komplett entmündigen. Die kommen dann in unseren Laden und sollen Verantwortung übernehmen. Herzlichen Glückwunsch! Selfie und das war‘s!“ Daneben gab Pütter viele konstruktive Tipps an die Hand, beispielsweise wie man Veränderung in seiner Firma oder Abteilung umsetzt, wenn ein Teil der Mitarbeiter dem ablehnend gegenübersteht.

Jan Glockauer, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Trier, sagte: „Bisher ging es den Firmen eher um die Steuerlast, Bürokratie oder Breitbandprobleme. Mittlerweile ist der Fachkräftemangel das Thema Nummer eins.“ In der Region Trier fehlen laut einer Umfrage der IHK, der Handwerkskammer und der Universität Trier alleine in der gewerblichen Wirtschaft rund 5500 Fachkräfte. 2300 Stellen seien damit mehr unbesetzt als im Jahr 2011. „Je kleiner die Betriebe sind, desto größer ist der Fachkräftemangel“, fasste es der Moderator des Abends, Thomas Vatheuer, zusammen. Laut Glockauer seien Treffen wie dieses auch wichtig, um von anderen zu lernen, zu erfahren, was deren Tricks seien. Die IHK schalte beispielsweise Werbung im Rhein-Main-Gebiet und Kölner Raum, um Arbeitskräfte, die aus der Region Trier kommen, wieder in die Heimat zu locken.

Joachim Weber, Bürgermeister der Stadt und Verbandsgemeinde Konz, sprach am Montagabend auch noch die Verkehrssituation in Konz an, die durch mangelnde Brücken über die Bahnstrecke geprägt ist, die durch Konz führt. „Zudem sind unsere Erweiterungsmöglichkeiten für Gewerbeflächen nahezu erschöpft.“ Matthias Schwalbach, Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier, sagt, um Gewerbeflächen müsse man sich keine Gedanken machen, wenn Arbeitskräfte fehlen würden. Jörg Kranz-von Fricken sagt: „Wir müssen das Image der Ausbildungsberufe wieder interessant in den Köpfen der Eltern machen.“