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Serie 40 Jahre Naturpark Saar-Hunsrück - Naturpark und Nationalpark

Serie zu 40 Jahren Naturpark Saar-Hunsrück : Nationalpark im Naturpark: Zwei Schutzgebiete, ein Ziel – und einige Unterschiede

Den Naturpark Saar-Hunsrück gibt es seit 40 Jahren, den Nationalpark Hunsrück-Hochwald erst seit fünf. Dennoch werden beide gern verwechselt. Der TV erklärt zentrale Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Schutzgebiete.

Der Mensch soll im Einklang mit der Natur die Landschaft nutzen und bewahren. Darum geht es im Naturpark Saar-Hunsrück, der in diesem Jahr seinen 40. Geburtstag feiert (siehe Info). Vor fünf Jahren ist mitten im Naturpark ein neues Schutzgebiet entstanden: der Nationalpark Hunsrück-Hochwald, der mit Markenzeichen wie Rangern und Wildkatzen-Logo auftritt. Beide Parks kümmern sich um die Natur. Doch gibt es einige Unterschiede, die sich der TV genauer angeschaut hat:

Die Gebiete Naturpark und Nationalpark erstrecken sich beide über zwei Bundesländer: Rheinland-Pfalz und das Saarland. Der Naturpark ist das deutlich größere Schutzgebiet mit 2055 Quadratkilometern Fläche, wovon 55 Prozent im Saarland liegen. Seit 2015 entfallen fünf Prozent – etwa zehn Hektar – auf den Nationalpark, der sich komplett im Naturpark befindet (siehe Grafik).

Die Aufgaben „Natur Natur sein lassen“ lautet das Motto im Nationalpark. Die Natur soll sich in dem „Wildnisgebiet“ ungestört von Eingriffen durch den Menschen entwickeln, erläutert Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamts in Birkenfeld. Schritt für Schritt entsteht der „Urwald von morgen“, in dem viele seltene und störempfindliche Arten leben wie die Wildkatze. Forscher begleiten und dokumentieren den Prozess.

Im Naturpark dagegen geht es laut Geschäftsführerin Gudrun Rau darum, die reizvolle Natur- und Kulturlandschaft zwischen Mosel, Saar und Hunsrück aktiv zu nutzen und zu entwickeln. Zentrale Aufgaben sind daher die Bildung für nachhaltige Entwicklung, Naturschutz und Landschaftspflege sowie die nachhaltige Entwicklung von Region und Tourismus. In seinen Mitgliedskommunen fördert der Naturpark gezielt dazu passende Projekte – zum Beispiel Blühflächen für Insekten, neue Naturelebniswege oder den Erhalt alter Streuobstwiesen. „Wir sind Initiator und Ideengeber und beraten bei der Umsetzung“, sagt Rau.

  Blühende Wiesen: Im Naturpark Saar-Hunsrück soll der Mensch die Natur nachhaltig pflegen, um wertvolle Lebensräume etwa für Insekten zu erhalten.
Blühende Wiesen: Im Naturpark Saar-Hunsrück soll der Mensch die Natur nachhaltig pflegen, um wertvolle Lebensräume etwa für Insekten zu erhalten. Foto: Naturpark Saar-Hunsrück

Organisation und Finanzen Der Nationalpark ist eine Landesbehörde, die laut Amtsleiter Egidi den dortigen Staatswald unmittelbar als Besitzer verwaltet. Derzeit gibt es rund 60 Mitarbeiter. Finanziert werde der Park über den Landeshaushalt. Laut dem Jahresbericht 2019 sind für das laufende Jahr Ausgaben in Höhe von rund 3,3 Millionen Euro eingeplant.

  Natur Natur sein lassen – darum geht es im Nationalpark Hunsrück-Hochwald. An manchen Stellen ist der Urwald von morgen schon jetzt Wildnis.
Natur Natur sein lassen – darum geht es im Nationalpark Hunsrück-Hochwald. An manchen Stellen ist der Urwald von morgen schon jetzt Wildnis. Foto: TV/Konrad Funk

„Finanziell und personell nicht ganz so üppig ausgestattet“ ist laut Gudrun Rau der Naturpark. Dessen Träger ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Hermeskeil und derzeit 5,5 Personalstellen. Mitglieder sind sieben Landkreise und 28 Kommunen, einige Unternehmen und Privatpersonen. Rheinland-Pfalz fördere den Naturpark jährlich mit einem festen Betrag von 230 000 Euro, das Saarland mit 80 000 Euro, sagt Rau. Für Naturpark-Projekte gebe Rheinland-Pfalz zusätzlich 120 000 Euro pro Jahr. Das Saarland bezuschusse die Projekte einzeln, pro Jahr flössen insgesamt etwa 40 000 Euro. Dazu kommen Mitgliedsbeiträge, Spenden und Einnahmen aus Veranstaltungen.

Die Zusammenarbeit „Die Ansätze beider Gebiete ergänzen sich hervorragend“, findet Nationalpark-Chef Harald Egidi. Eine Zusammenarbeit gebe es vor allem bei Umweltbildung und Naturerleben: „Wir entwickeln und bewerben zum Beispiel gemeinsam unsere Programme zu Natur- und Bildungsangeboten.“ „Wildnis“ auf der einen und „Kulturlandschaft“ auf der einen Seite böten dafür spannende Themen, ergänzt Gudrun Rau.

Mit den „Nationalen Naturlandschaften“ gibt es zudem einen Dachverband, der Naturparke und Nationalparks in ganz Deutschland dazu animiert, sich mit ihren Nachbarn zu vernetzen und so „funktionale Schutzgebiete“ aufzubauen. Ein gemeinsames Erscheinungsbild und eine vernetzte Öffentlichkeitsarbeit, sagt Nationalparkchef Harald Egidi, könne auch bei der Wiedererkennung und Entwicklung der eigenen Marke helfen. So seien die im Aufbau befindlichen Nationalparktore am Erbeskopf und an der Wildenburg zugleich Naturpark-Infostellen. Rau sieht Synergien auch bei Klimaschutz, barrierefreien Angeboten und der Ausbildung von zertifizierten Landschaftsführern.

Tourismus „Der Nationalpark ist ein zusätzlicher Attraktor für den Tourismus“, sagt Gudrun Rau. Die „Kornkammer der touristischen Wertschöpfung“ liege allerdings bei den Betrieben im Naturpark. Viele davon sind inzwischen zertifizierte Partner des Nationalparks und setzen auf Nachhaltigkeit. „Sehr schön deutlich wird das bei den Speisekarten mit heimischen Produkten aus Biobetrieben als Markenzeichen“, lobt Nationalpark-Chef Egidi. Auch beim Freizeitangebot fügt sich eins zum anderen. Der Naturpark hat laut Rau mit dem Saar-Hunsrück-Steig und den Traumschleifen Premiumwanderwege geschaffen, die „zum Erkunden des Nationalparks von großem Nutzen sind“. Wegen des Nationalparks seien neue Radrouten angelegt worden. Das junge Schutzgebiet ziehe Gäste aus bis zu einer Autostunde Entfernung an, sagt Egidi. Beide Gebiete gemeinsam zu bewerben, sei eine „Win-Win-Situation“.

Verwechslungsgefahr Zwei Gebiete, ähnlich klingende Namen – da kommt es schon mal zu Verwechslungen. Der Chef des Nationalparkamts erklärt dies damit, dass sich beide Parks um Naturschutz bemühen, ihre unterschiedlichen Ansätze aber aus den Bezeichnungen nicht unmittelbar abzuleiten sind. Dagegen helfe nur „stetige Information und Öffentlichkeitsarbeit“. Die Naturpark-Chefin bestätigt, dass eine „Differenzierung“ nicht ganz einfach sei. Dennoch nähmen die Menschen wahr, dass sich beide Gebiete „im Team um die Natur kümmern und die Lebensgrundlage der Menschen erhalten wollen“.