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Serrig fördert die Dorfgemeinschaft mit einem neuem Bücherschrank.

Projekt für die Dorfgemeinschaft : Auf dem Serriger Martinusplatz in Büchern schmökern

Serrig fördert die Dorfgemeinschaft mit einem neuem Bücherschrank. Dazu passend wurde der erste Leseabend auf dem Martinusplatz organisiert.

Es fehlt noch die Glasscheibe, und seinen endgültigen Platz hat er auch noch nicht gefunden. Doch er steht, der neue Bücherschrank, mit dem die Gemeinde Serrig das Zusammenleben im Dorf weiter stärken möchte. Um den Schrank herum sind neue Sitzflächen aus Holz auf der Mauer installiert worden. Die Idee stammt von Théo Glédel, der nach einem Jahr im Deutsch-Französischen Freiwilligendienst Kultur jetzt das Dorf verlässt.

„Jeder darf Bücher reinstellen und herausnehmen“, erklärt der 18-jährige Franzose die Ergänzung zur Pfarrbücherei direkt gegenüber dem Martinusplatz an der Pfarrkirche. Es sei eine Sache des Vertrauens, ob das Buch behalten und durch ein anderes ersetzt oder zurückgebracht werde.

Der Schrank, an dem auch Stefan Rach und Jan Hauser mitgearbeitet haben, ist Teil des Projektes für Demokratie der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell im Bundesprogramm „Demokratie leben“, aus dem die 100-prozentige Förderung stammt. Federführend sind der Freundschaftskreis Serrig-Charbuy und die Bürgergenossenschaft Serrig Lebenswert eG (SeLe).

Mit der Vorstellung des Bücherschrankes wurde erstmals der dazu passende Leseabend ins Leben gerufen. „Das soll in lockeren Abständen immer wieder stattfinden“, erklärt der Freundschaftskreisvorsitzende Joachim Haupert.

Dabei ein verbindendes Element ist an seinem letzten Tag in Serrig Théo Glédel, der sein Publikum mit zwei eigenen Gedichten auf Deutsch und Französisch überraschte. „Das erste habe ich im Bus auf dem Weg nach Deutschland geschrieben“, sagt er. Es geht darin um den Abschied von Frankreich, dem er künftig den Rücken kehren will: „Ich fühle mich jetzt in Deutschland zu Hause. Serrig ist Heimat für mich geworden.“ Nach seinem zweisprachigen Abitur sei er sicher gewesen: „Ich lebe im falschen Land!“ Seine ganze bisherige Existenz sei ein „geografischer Fehler“ gewesen. Trotzdem sei er stolz auf seine Muttersprache, und auch seine französischen Freunde wolle er behalten.

„In welcher Sprache träumst du denn?“, will eine Zuhörerin von Glédel wissen. „Freunde haben mir erzählt, dass ich im Schlaf Deutsch gesprochen habe“, lautet die erheiternde Antwort.

Auch Joachim Haupert liefert einen Beitrag zum Vorleseabend und lässt seine Zuhörer an seiner Pilgerreise per Fahrrad auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela teilhaben. Das deutsch-französische freiwillige Kulturprojekt ist nicht zu Ende. Am 8. September trifft Théos Nachfolgerin ein, Selma Bada.