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Dorfentwicklung: Serriger nehmen ihre Zukunft in die Hand

Dorfentwicklung : Serriger nehmen ihre Zukunft in die Hand

Bei der Dorfmoderation in Serrig passiert jede Menge. Projektgruppen kümmern sich um die Pflege von Bäumen und Bänken, um Begegnungsstätten, die dorfinterne Kommunikation und vieles mehr.

Die Serriger Gruppe „Gestalten – Machen – Pflegen“ redet nicht lange, sie handelt. Das zwölfköpfige Team hat die Bänke am Prallertsweg freigeschnitten. Es hat das Widdertshäuschen, den ungewöhnlichen gallo-römischen Grabbau in Serrig, von Hecken befreit. Als Nächstes will die Gruppe den Festplatz für das Weinfest herrichten. Damit die Arbeit noch mehr Spaß macht, werden die monatlichen Einsätze mit einem gemütlichen Teil, beispielsweise einem Grillessen abgeschlossen.

Ein großer Prozess Die Gruppe ist Teil eines großen Prozesses in Serrig, der im November 2017 begonnen hat. Serrig hat die Dorfmoderation und den Aufbau einer aktiven Dorfgemeinschaft miteinander verknüpft. Das bedeutet, dass das Städtebauliche und das Soziale gemeinsam angegangen werden, um das Dorf fit zu machen in Zeiten des demografischen Wandels. Und angegangen wird so einiges. Ortsbürgermeister Egbert Adam verweist auf die mittlerweile schon überholte 50-seitige Dokumentation der zahlreichen Diskussionen im Rat, in Ausschüssen und in den beiden Bürgerwerkstätten mit bis zu 80 Teilnehmern. In fünf Gruppen wurden bei der zweiten Bürgerwerkstatt die Ideen der Bürger gesammelt und weiterentwickelt. Einiges wird bereits umgesetzt. Bei dem gesamten Prozess, bei dem auch ein Leitbild entworfen wurde, unterstützen Melanie Baumeister, Architektin und Coach, sowie Matthias Faß, Dorfberater der Verbandsgemeinde Saarburg, die Serriger.

Begegnungsstätten Die Gestaltung von Begegnungsstätten ganz unterschiedlicher Art ist ein Projektthema. Ein lockerer Feierabendtreff und ein Nähtreff wurden bereits ins Leben gerufen. Weitere Ideen sind ein Nachmittagscafé oder auch ein Treffen von Rentnern am Vormittag. Das Gemeindehaus sollte entsprechend mit Geschirr ausgestattet werden. Ein Zeltlager, ein Fest für Neu-Serriger und eine Fotoausstellung sind weitere Beispiele für Ideen zu diesem Thema.

 Widdertshäuschen in Serrig vor der Entbuschung
Widdertshäuschen in Serrig vor der Entbuschung Foto: Andreas Meier

Gesundheit und Bewegung Eine weitere Aktionsgruppe heißt „Gesundheit und Bewegung“. Dabei geht es darum, ein Konzept zur Förderung von Gesundheit und Bewegung zu etablieren. Bestehende Angebote sollen entsprechend den Wünschen der Bürger erweitert werden. Zu den Ideen in dieser Gruppe gehören ein Sport-/Lauftreff, Tischtennis, das Plogging genannte Müll aufsammeln beim Joggen, Balance-Training, Ausflüge, Kochkurse, Ernährungsberatung und Vorträge. Zur Steigerung der Mobilität wurden Car-Sharing, die Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten und Fahrdienste für ältere Menschen angeregt. Generationen in Veranstaltungen zusammenzubringen, lautet eine weitere Idee. Überhaupt wurde das Ziel, Generationen zu verbinden, als wichtiger Punkt im gesamten Prozess definiert.

Weitere Ideen In der Gruppe „Ideen fürs Dorf“ kamen die Anregungen, häufiger Dreck-weg-Aktionen zu organisieren, den Bolzplatz zu sanieren und eine generationsübergreifende Veranstaltung mit dem Titel Fettdonnerstag (Weiberfastnacht) für alle auf die Beine zu stellen. Eine weitere Idee: Die bestehende Frauengemeinschaft könnte traditionelle handwerkliche Fähigkeiten an Kinder, Jugendliche und junge Frauen weitergeben.

Der Informationsfluss Über die Kommunikation im Dorf hat sich ebenfalls eine Projektgruppe Gedanken gemacht. Laut Mitglied Ulf Milanese wollte die Gruppe keine weitere Internetseite, die Infos sollte zu den Bürgern kommen. Wegen des Datenskandals kam der Nachrichtendienst Whatsapp nicht infrage. Als Ersatz dient die App Telegram. Milanese: „Der Nachrichtenkanal nur mit Text läuft gut. 168 Mitleser gibt es schon für die Infos zum Gemeinderat, zu den Sportergebnissen und den Veranstaltungen.“ Die Resonanz sei positiv, viele junge Leute zwischen 20 und 25 seien dabei. Doch auch analog soll informiert werden. Dafür hat die Gruppe mit Hilfe eines einfachen Textverarbeitungsprogramms unter der Überschrift „Neues aus Serrig“ Texte und Bilder auf zwei Din-A4-Seiten kopiert. Die Mini-Zeitung könnte beim Bäcker und in der Kirche ausgelegt sowie im Veröffentlichungskasten ausgehängt werden.

Eine Genossenschaft als Dach Für fast alle Aktionen im Rahmen der Dorfmoderation wird Geld zumindest für Material gebraucht. Da eine Ortsgemeinde bei knapper Kasse keine sogenannten freiwilligen Ausgaben finanzieren darf, muss eine andere Lösung her. Auch versicherungstechnisch sollen die Akteure abgesichert sein. Laut Ortschef Adam soll deshalb schon bald eine Genossenschaft, in der die Bürger Mitglied werden und Anteile kaufen können, diese Zwecke erfüllen. Die soziale Förderung der Mitglieder ist Aufgabe dieses gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebs, in den auch Vereine eintreten können. Unterstützung dafür gäbe es auch schon. Das Gesundheitsnetzwerk Saar könnte maßgeblich dabei helfen, die formalen Voraussetzungen zur Gründung einer Genossenschaft zu schaffen.

 Widdertshäuschen in Serrig nach der Entbuschung
Widdertshäuschen in Serrig nach der Entbuschung Foto: Andreas Meier

Wie es weitergeht Der Prozess in Serrig soll weiterlaufen, das Ganze auf eine noch breitere Basis gestellt werden. Deshalb hat sich der Gemeinderat in seiner vergangenen Sitzung Gedanken gemacht, wie er noch mehr Leute im Dorf erreichen kann. Zur Einladung für die nächste Bürgerwerkstatt im Oktober sollen wieder Karten an alle Haushalte verteilt werden. Der Rat hat über zusätzliche Anreize diskutiert, die die Menschen zum Kommen bewegen könnten, entschieden ist noch nichts. Eine Idee war, zu zeigen, wie weit die Baustellen im Ort wie die Turnhalle fortgeschritten sind. Eine eigene Runde für Jugendliche soll es auf jeden Fall geben. Ein Hol- und Bringservice sowie eine Kinderbetreuung werden wieder organisiert. Die dritte Bürgerwerkstatt in Serrig ist für Samstag, 20. Oktober, von 14 bis 18 Uhr im Gemeindesaal geplant.