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Showdown im Gerichtssaal - Fortsetzung im Prozess um mutmaßlichen Messerstecher aus Konz

Showdown im Gerichtssaal - Fortsetzung im Prozess um mutmaßlichen Messerstecher aus Konz

Die Nerven des Angeklagten Marius K. liegen blank, als ihm der Zeuge Sebastian K. ausweichend auf seine Fragen antwortet, weshalb er immer wieder verschiedene Tatversionen erzählt. Was sich am 16. Oktober 2013 auf einem Parkplatz auf der Filzer Kupp auf dem Weg nach Saarburg ereignet hat, ist auch nach dem gestrigen Verhandlungstag unklar.

Trier. Marius K. sitzt seit Mitte Oktober vergangenen Jahres in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, dass er am 16. Oktober Sebastian K. auf der Fahrt nach Saarburg mit einem Messer bedroht und ausgeraubt habe. Die Beute: 700 Euro, ein I-Phone sowie ein Wohnungsschlüssel. Der Angeklagte aus Konz bestreitet die Tat. Einen vom Gericht vorgeschlagenen Deal hat der 23-Jährige vor einem Monat ausgeschlagen (der TV berichtete).
Gestern musste das vermeintliche Opfer wieder vor Gericht erscheinen. Es ging um Widersprüche, die sich aus verschiedenen Aussagen von Sebastian K. aus Konz ergeben. Das fängt schon bei der Schilderung des Tatablaufs an.
Marius K. hat vor der Großen Strafkammer angegeben, dass er das später sichergestellte Messer aus dem Handschuhfach geholt und Sebastian K. über die Schulter auf die Rückbank gereicht habe. "Stimmt nicht", sagt der Zeuge Sebastian K. "Der Angeklagte hat das Messer gegen mein Herz gerichtet und mich aufgefordert, dass ich meinen Geldbeutel hergebe." Er habe dann mit seiner rechten Hand nach der Klinge gegriffen und die Hand weggedrückt.Angeklagter brüllt Zeugen an


Dieser Schilderung schenkt der Rechtsmediziner Dirk Breitmeier aus Mainz keinen Glauben. "Wenn der Zeuge das Messer gepackt hätte, wie er es schildert, hätte er sich weitere Verletzungen zuziehen müssen. Die Variante, die der Angeklagte erzählt, erscheint zumindest plausibel. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte."
Eine Aussage, die im Gerichtssaal nicht geteilt wird. Jennifer V., die zuvor als Zeugin von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch (Extra) gemacht hatte, rief in den Sitzungssaal: "Wenn wir nicht gewesen wären, hätte der Angeklagte den Zeugen abgestochen." Der Vorsitzende Richter der Großen Strafkammer, Armin Hardt, ermahnte die Zeugin, sich ruhig zu verhalten, sonst müsse er gegen sie ein Ordnungsgeld verhängen.
Als der Angeklagte den Zeugen wegen seiner widersprüchlichen Aussagen ins Kreuzverhör nimmt, fangen beide an, miteinander zu streiten. "Wegen deiner falschen Aussage soll ich für Jahre in den Knast. Sag doch mal die Wahrheit", brüllt er den Zeugen an.
In diesem Moment greift Hardt, der schon vorher zur Ruhe gemahnt hatte, nochmal ein: "Ich sag es jetzt zum letzten Mal: Seien Sie ruhig! Sonst lasse ich Sie aus dem Gerichtssaal entfernen."
Was am 16. Oktober des vergangenen Jahres tatsächlich passiert ist, ist weiterhin nicht klar. Etwas Licht in dieses Dunkel soll eine Gutachterin im Fortsetzungstermin am 28. Juli bringen. Sie soll die Glaubwürdigkeit der Aussage des Zeugen Sebastian K. beurteilen.
Hintergründe der Tat könnten Drogengeschäfte sein. Doch dazu hat das Gericht bislang nur entsprechende Mutmaßungen gehört, Zeugen, die hierzu Aussagen machen könnten, schweigen jedoch.Extra

Neben persönlichen Gründen - etwa Verwandtschaft mit einem Angeklagten oder Ausübung eines privilegierten Berufs - dürfen Zeugen auch aus sachlichen Gründen die Aussage verweigern. Das gilt laut Paragraf 55 der Strafprozessordnung insbesondere dann, wenn man sich mit der Aussage selbst einer Straftat bezichtigen würde. itz