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Sie boten im Mittelalter Schutz vor Feuer, Feind und Dieben

Sie boten im Mittelalter Schutz vor Feuer, Feind und Dieben

30 rheinland-pfälzische Nachtwächter treffen sich am Wochenende in Saarburg. Auf einem Stadtrundgang am Samstag verraten sie, was nur sie sehen und hören.

Saarburg Schwarzer Umhang, den Kopf mit einer schwarzen Kapuze bedeckt, in der linken Hand Leuchte und Hellebarde (eine Mischform von Hieb- und Stichwaffe oder auch Spieß und Axt), in der rechten ein Horn: So steht Friedhelm Weishaar abends, wenn es dunkel wird, auf dem Fruchtmarkt. Kostümiert als Nachtwächter führt er Gästegruppen durch Saarburg.
Am heutigen Samstag empfängt er die Gäste um 20 Uhr auf dem Fruchtmarkt nicht allein. Er bekommt auf seiner rund 90-minütigen Tour durch die Stadt Verstärkung. Etwa 30 Berufskollegen aus Rheinland-Pfalz treffen sich an diesem Wochenende, um sich zu beraten, um Probleme zu besprechen, um gemeinsam unterhaltsame Stunden zu verbringen. Und, natürlich, so Weishaar, "um die Stadt vor Feuern, Feinden und Dieben zu schützen".
Unterstützung bekommt der Saarburger Nachtwächter bei der Organisation des zwölften Landestreffens der Nachtwächter von Uwe Thein aus Trier. "Insgesamt gibt es im Land etwa 45 Nachtwächter", sagt er. Die Nachtwächter haben sich nicht in einer Organisation zusammengeschlossen, sondern treffen sich lediglich einmal pro Jahr zum Austausch. Mit dem Auftritt im historischen Gewand wollen sie laut Thein Authentizität vermitteln.
Inhaltlich würden sich Nachtwächterführungen von Charakter zu Charakter zwar unterscheiden, ergänzt Weishaar. "Aber die Lebensbedingungen in den Städten waren sich doch sehr ähnlich", sagt der Saarburger Spezialist für nächtliches Treiben. Vor allem sehen und hören sie auf ihren nächtlichen Rundgängen viele Dinge, die besser nicht bekannt würden - etwa dass der Pastor wieder betrunken aus der Kneipe flog, oder dass es rund um die Saarburg spukt.
Seit mehr als zehn Jahren führt Weishaar seine Gäste über den Buttermarkt zum Haus Warsberg und durch das Laurentiustor in die Unterstadt. "Ich habe viel Spaß daran, den Gästen die Geschichte der Stadt Saarburg zu erklären", sagt er über seine Motivation. Beigebracht hat er sich die Historie selbst, er hat einfach die entsprechenden Bücher gelesen. Inzwischen wird Weishaar auf seinen Stadtrundgängen von seinem achtjährigen Sohn unterstützt. Als Knecht Daan darf dieser die Laterne tragen und seinem Vater immer wieder auch helfen.
Aber nicht alle Nachtwächtertraditionen liebt Weishaar. "Nein, das Nachtwächterlied gibt es auf meinen Rundgängen nicht zu hören. Dafür singe ich zu schlecht." Das wiederum könnte am Samstag anders sein. Denn dann heißt es aus 30 Kehlen am Fruchtmarkt: "Hört, ihr Leut, und lasst euch sagen, unsere Glock hat acht geschlagen! Habet acht auf Feuer und das Licht, dass unserer Stadt kein Leids geschieht!"
Wie in vielen Städten, so schlug auch in Saarburg die letzte Nachtwache zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Straßenbeleuchtungen und neue Polizeigesetze läuteten das Ende einer mittelalterlichen Tradition ein. "Da war es dann an der Zeit, dass der letzte Nachtwächter seine Laterne an den Nagel hing. Er wohnte im Haus am Stadttor in der Unterstadt, also auf Höhe der früheren Glockengießerei Mabilon", sagt Weishaar. Jetzt ist das Rufen des Nachtwächters nur noch zu hören, wenn Weishaar seinen schwarzen Umhang umhängt - um die Gäste auf dem Fruchtmarkt für seinen Rundgang abzuholen.
Wer sich für eine Nachwächterführung in Saarburg interessiert, kann sich ans Amüseum wenden, das auch andere Stadtführungen vermittelt, Telefon 06581/994642, E-Mail:
amueseum@saarburg.de ,
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag, Sonntag und Feiertag von 11 bis 16 Uhr. Friedhelm Weishaar bietet Nachtwächterführungen nach Bedarf an.