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Sie helfen: Hochwälder lassen sich als Stammzellspender für krebskranke Gusenburgerin registrieren

Sie helfen: Hochwälder lassen sich als Stammzellspender für krebskranke Gusenburgerin registrieren

Große Hilfsbereitschaft hat das Schicksal der an Blutkrebs erkrankten Gusenburgerin Hedi Reinartz ausgelöst. Am Samstag haben sich in der Grenderichhalle 361 Menschen Blut abnehmen lassen, um testen zu lassen, ob sie als Stammzellspender infrage kommen. Mehr als 50 freiwillige Helfer waren für die Aktion im Einsatz.

Alexander Klemens setzt sich auf den Stuhl und legt seinen rechten Arm auf ein weißes Polster. Krankenschwester Alexandra Hewer aus dem Mutterhaus in Trier-Ehrang bereitet alles vor, um dem jungen Mann aus Gusenburg fünf Milliliter Blut abzunehmen. "Ich habe schon länger überlegt, mich typisieren zu lassen", sagt Klemens. "Hier habe ich jetzt die Chance dazu." In der Grenderichhalle in Gusenburg haben sich am Samstagnachmittag einige Hundert Menschen versammelt. Sie alle wollen Hedi Reinartz unterstützen.

Die verheiratete Mutter aus Gusenburg leidet an Blutkrebs. Ihre Ärzte sagen, dass ihr nur eine Stammzell-Spende das Leben retten kann. Deshalb haben Familie und Freunde gemeinsam mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zu der großen Registrierungsaktion aufgerufen. Sie hoffen, einen Spender zu finden, dessen genetische Merkmale zu denen von Hedi passen. Mehr als 50 freiwillige Helfer sind dafür im Einsatz. Einige verkaufen Kaffee und Kuchen. Andere nehmen neben den aufgestellten Trennwänden die Daten der Menschen auf, die sich registrieren lassen wollen. Eine Station weiter gibt es die Röhrchen für die Probe. Damit geht es dann zur Blutentnahme bei Alexandra Hewer und ihren Mitstreitern, die alle in medizinischen Berufen tätig sind, und heute ehrenamtlich helfen.

Helfen ist Ehrensache

"Für mich war das gar keine Frage, dass ich mitmache", sagt Hewer. Sie sei positiv überrascht von dem Betrieb in der Halle. "Damit habe ich nicht gerechnet. Es wäre super, wenn heute für Hedi ein Treffer dabei ist." Das hofft auch Hedis Bruder Andreas Weber. Er lobt ausdrücklich die große Hilfsbereitschaft im Ort: "Es haben einfach alle mitgeholfen. Man hat den Eindruck, das ganze Dorf ist auf den Beinen." Frauen aus dem Ort hätten die Taschen genäht und die Bücherspenden organisiert, die im Foyer zur Finanzierung der Aktion verkauft würden. Getränke und Würstchen seien gespendet und 50 Kuchen gebacken worden. Sein Dank gelte auch der Feuerwehr und dem DRK Ortsverband Hochwald samt Notarzt, "die den ganzen Tag im Einsatz sind".

Auf dem Spendenkonto der DKMS seien schon mehr als 5000 Euro eingegangen, berichtet Weber. Von dem Geld werde die Auswertung im Labor finanziert, die je Probe 40 Euro koste. Noch wichtiger für die Familie sei aber natürlich, dass bei der Registrierung seit Beginn der Aktion um 11 Uhr reger Betrieb herrsche. "Es sind viele Leute aus dem Ort gekommen, aber auch einige fremde Gesichter", sagt Weber. Seine Befürchtung, viele Menschen aus der Umgebung seien wegen früherer Typisierungsaktionen im Hochwald bereits in der Spenderdatei erfasst, habe sich nicht erfüllt. "Es sind sehr viele junge Leute gekommen, die noch nicht registriert waren." Darunter ist auch Kevin Dörr. Für den Krankenpfleger aus Gusenburg ist es "einfach ein schönes Gefühl, dass man vielleicht jemanden helfen kann. Und es dauert nur eine Viertelstunde".

361 Menschen machen mit

Um 16 Uhr, als die Helfer mit dem Aufräumen beginnen, werden die Proben gezählt. "Es sind 361 - für einen kleinen Ort ist das recht gut und übertrifft unsere Schätzung", sagt Sarina Combé, die mit ihrer Kollegin Yvonne Entenmann die Aktion für die DKMS begleitet hat. Die Proben würden nun im Labor ausgewertet und in die Kartei aufgenommen, das dauere etwa sechs Wochen. Dann beginnen der Abgleich mit den Daten von Blutkrebs-Patienten weltweit: "Wie lange das dauert, können wir nicht abschätzen." Hedis Familie hofft, dass unter den 361 Proben ein passender Spender dabei ist: "Auch wenn es nicht klappt, war die Aktion wichtig", sagt Hedis Tochter Angela Reinartz. "Dann findet sich vielleicht ein Spender für einen anderen Patienten."