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1919 hat die sozialdemokratische Abgeordnete und Frauenrechtlerin Marie Juchacz die Arbeiterwohlfahrt, kurz Awo, ins Leben gerufen. Seitdem sind auf Landes-, Kreis- und Ortsverbands-Ebene zahlreiche Awo-Vereine gegründet worden. Der Saarburger Ortsverband mit seinen inzwischen 110 Mitgliedern feiert morgen seinen 30. Geburtstag - und hat von seiner Daseinsberechtigung nichts eingebüßt.

Auch von Info-Ständen aus klärt der Saarburger Awo-Vorstand über die Arbeit des Vereins auf (von links): Hans-Werner Biewen, Annette Brück-Fink, Edith van Eijck, Hans-Georg Götze. Foto: Awo

Saarburg. "In den 70er Jahren war die Awo in Trier sehr stark. Vom damaligen Geschäftsführer August Hartmanni ging das Signal aus, im Umland Awo-Ortsvereine zu gründen. So haben die Saarburger ihren 1978 bekommen", berichtet Hans-Werner Biewen, seit fünf Jahren Vorsitzender des Saarburger Ortsverbands.

Mit 20 Mitgliedern sei man gestartet, inzwischen sind es 110. Dabei hat sich weder am Motto der aus der Arbeiterbewegung entstandenen Organisation noch am Zweck etwas geändert. Mit "Menschen helfen Menschen" ist der Vereinszweck präzise überschrieben. "Wir begegnen immer wieder dem Vorurteil, die Awo sei nur für ältere Menschen da", sagt Biewen. Das rühre wahrscheinlich daher, dass die Awo an vielen Standorten Altenheime betreibe. Gleichwohl sei es so, dass der Verein für "bedürftige" Menschen aller Altersgruppen da sei.

"Die Palette der Awo-Angebote reicht von Kindergärten über Teestuben, Kleiderkammern bis zu Altenheimen", sagt Biewen. Die allesamt ehrenamtlich aktiven Awo-Mitglieder in Saarburg betreiben keine eigene Einrichtung.

Zum festen Programm des Vereins gehören nach Auskunft Biewens die jährlichen Kinder- und Senioren-Tagesfahrten sowie etwa ein Dutzend Vorträge zu Themen wie "Betreuungsrecht", "Rentenbesteuerung", "Pflegegeld" oder "Erbrecht". Biewen: "Diese Termine sind traditionell sehr gut besucht."

Darüber hinaus engagiert sich die Awo für bestimmte Projekte wie beispielsweise den Spielplatz in der Soulacstraße, den der Verein aus eigener Finanzkraft vor zwei Jahren zum multikulturellen Treffpunkt umgestaltet hat.

Ein Großteil des Engagements falle hingegen in einen Bereich, den die Awo nicht an "die große Glocke hängt". So sei die Awo bereits mehrfach eingesprungen, wenn Schulen melden, dass Kindern das Geld für eine Klassenfahrt fehlt. Ein Sportclub sei vor kurzem an die Awo herangetreten, weil die Eltern eines zehnjährigen Jungens nicht das Geld für eine Sportbrille aufbringen konnten. Zudem habe der Verein auch schon die Kosten für Schulbücher übernommen und einem Schüler aus schwierigen Verhältnissen, der versetzungsgefährdet war, den Nachhilfe-Unterricht bezahlt. Ein eindeutiges Kriterium für die "Bedürftigkeit" gebe es nicht. "Wir verlassen uns im Einzelfall auf die Angaben der Schulen oder Vereine und achten darauf, dass das Geld bei schwierigen familiären Verhältnissen tatsächlich dem Kind und jeweiligen Zweck zukommt." Finanziert würden die Projekte über Mitgliedsbeiträge und Spenden. "Wir sind zwar nicht auf Rosen gebettet, stehen aber durchaus gut da", versichert der Vorsitzende.

Für die Zukunft wünscht sich Biewen, "dass sich die Mitgliederzahl positiv entwickelt und wir die Zusammenarbeit mit anderen Gruppen verbessern". Am Traum von einer festen Anlaufstelle, die es bislang nie gab, bastle man zurzeit: "Wir hoffen, dass sich da etwas über das Mehrgenerationenhaus tut."

Die Geburtstagsfeier startet morgen, 15 Uhr, im "Saar Hotel Jungblut" an der Brückenstraße.