Sie versüßt den Sommer

SCHWEICH. Jeder Schweicher kennt sie, sie gehören zum Sommer in der Stadt: Seit fast 40 Jahren betreiben die Scollos aus Italien die Eisdiele in Schweich.

"Moretta", antwortet Fabiola Scollo spontan auf die Frage nach ihrem Lieblings-Eis. Ihr Mann Plinio bevorzugt Kiwi-Eis. "Wir verzichten schon mal auf die Sahne. Aber ansonsten gönnen wir uns jeden Tag mindestens ein Bällchen", sagt die 40-jährige Eisdielenbesitzerin. Um 7 Uhr beginnt der Arbeitstag. Dann stellt Plinio Scollo Eis nach einem Familienrezept her - ohne Konservierungsstoffe, nur mit frischem Obst. Er und seine Frau stammen aus dem "Tal der Eismacherleute", dem Zoldo-Tal in den Dolomiten. 1968 haben die Eltern von Fabiola, Arduino und Ada Costantin, das Eiscafe "Cortina" in Schweich eröffnet. Mit dem Ziel, ins Ausland zu gehen hatten sie zuvor die Eisschule in Treviso besucht. Viele ihrer Landsleute haben das so gemacht. "Im Sommer leben deshalb nur ältere Leute und die Kinder im Tal", erzählt Fabiola Scollo. Ihre Kinder gehen in Italien zur Schule. Die Großeltern passen auf die Enkel auf. "Sie haben mehr Glück als ich, dass sie in der Familie versorgt werden können", sagt Fabiola Scollo. Als Sechsjährige habe sie in ein Internat "gemusst". Noch heute denke sie nur ungern an diese Zeit zurück. In den Sommerferien fliegen Nicola (19) und Dajana (13) zu den Eltern nach Deutschland und packen mit an. Seit 13 Jahren sind Fabiola und Plinio Scollo, er hatte zuvor eine Eisdiele in Hamburg, die Chefs im "Cortina". Nicht aus dem Familienbetrieb wegzudenken ist Onkel Luigi Costantin. Im Oktober kehrt Familie Scollo Schweich den Rücken. Fabiola genießt es, vier Monate Hausfrau zu sein, Verwandte und Freunde zu sehen und viel Zeit für die Kinder zu haben. "Doch nach ein paar Wochen wird es langweilig. Dann fehlt mir der Kontakt zu den Menschen", gesteht sie. Plinio Scollo tauscht im Winter die Schürze gegen den Arbeitsanzug der Straßenmeisterei. Während er im Sommer Eis herstellt, hat Gefrorenes in Italien bei ihm keine Chance - jedenfalls nicht auf den Straßen: Mit dem Streu- und Räumdienst sorgt er für freie Strecken in den Dolomiten. Im Februar heißt es Koffer packen und Abschied nehmen. "Die ersten Tage in der Wohnung in Schweich sind schlimm. Es ist dann so leise. Das Leben, die Kinder fehlen", sagt Fabiola Scollo. Moselaner sind offene Menschen

Die vielen Vorbereitungsarbeiten lenken jedoch ab. "Und seit es die Billigflüge ab Hahn gibt, können die Kinder öfter nach Schweich kommen." Außerdem liebt die "Eisfrau" den Moselort. "Die Leute hier sind offener als in Italien. Sie sagen, was sie denken, und ziehen an, was sie wollen." An Italien schätzt sie den ausgeprägten Familiensinn. Nicola wird nächstes Jahr Abitur machen. Er möchte Steward werden. Gibt es Hoffnung, dass Dajana die Familientradition weiterführen wird? "Ich sage gar nichts. Sie soll das tun, was sie gerne macht." Eine leise Hoffnung hegt Fabiola Scollo doch. "Vielleicht verliebt sich die Tochter in einen jungen Mann aus ihrer Heimat. Schließlich werden die meisten jungen Männer dort Eismacher."