Siege für David und Goliath

KONZ. Keine Sensation, aber Zufriedenheit auf beiden Seiten: Am Samstag präsentierte sich Konz als Fußballstadt. 1500 Zuschauer sahen die Pokal-Niederlage des SV Konz gegen Eintracht Trier (0:4) – ein Rekord in der Saar-Mosel-Stadt.

Der Eintracht-Fan ist etwas irritiert: "Das hier nennen die ,Stadion'?", ätzt er. Da klingt mit, dass Eintracht Trier noch vor zwei Jahren in Frankfurt kickte. Oder im Kölner RheinEnergieStadion. Das hat zugegeben wenig Ähnlichkeit mit dem Saar-Mosel-Stadion. Die Konzer Heimstätte ist aber mit überdachter Tribüne und gutem Blick auf den Rasen deutlich komfortabler als einiges, was Trierer Liga-Konkurrenten bei Heimspielen zu bieten haben. Oberliga und Bezirksliga trennt eben nicht so schrecklich viel. So haben die Konzer zumindest insgeheim auf eine Sensation gegen Trier gehofft. Gegen ein Team, das zuletzt gern mal für negative Ausreißer gut war. Diesmal nicht. Trier nimmt den Gegner ernst. "Steht auf, wenn Ihr Konzer seid"

Kurz vor Spielende. Gerade hat Malick Traore, einer der wenigen "Trierer Jungs" bei der Eintracht, das 4:0 gemacht. Ein Konter. Diesmal kann auch der gute Torhüter Christian Willger nichts machen. Schon eine halbe Stunde vorher war klar, dass aus dem Traum für den SV Konz nichts wird. Die Konzer kommen kaum einmal in die Nähe des Eintracht-Tores. David wird müde, da hat Goliath leichtes Spiel. "Steht auf, wenn ihr Konzer seid", singen vielleicht ein Dutzend Konzerinnen von der Tribüne. Anfeuerungen für Freunde, Söhne, Bekannte. "Steht auf, wenn ihr willig seid", reagieren ein paar junge Trierer Fans. Soll wohl zeigen: Auch in der Oberliga gibt es vom Niveau her noch viel Luft nach unten, dies- und jenseits des Rasens. Vor dem Spiel hatten sich die Konzer Verantwortlichen wegen einiger junger Trierer Anhänger echte Sorgen gemacht. Größere Probleme gibt es aber nicht. Eine Rauchbombe wird im Trierer Block gezündet, dazu gibt es ein paar Provokationen, mit denen man locker die Qualifikation für die Grenzdebilen-Liga packen würde. Das ist den meisten Trierer Fans viel peinlicher als so manchem Konzer Anhänger, der nicht viel anderes erwartet hatte. Zumindest gibt es keine Handgreiflichkeiten. Die 16 Polizeibeamten, die sich im Hintergrund halten, haben einen ruhigen Nachmittag. Der SV Konz dürfte sich trotz der letztlich klaren Niederlage gern an das Pokal-Duell zurückerinnern - als "Spiel des Jahres" einer guten Saison. In diesem Jahr feiert der SV Konz 40-jähriges Bestehen. In der Bezirksliga hat der SV nur eines der letzten 15 Spiele verloren. Die Tendenz geht nach oben. Auch der Aufstieg in die Rheinlandliga ist noch drin. Selbst wenn der nicht klappen sollte, werden die Konzer gern an das Jubiläumsjahr zurückdenken. "Das ist schon eine Super-Saison. Mit Siegen im Pokal gegen zwei Rheinlandligisten und dazu das Spiel gegen Eintracht Trier", sagt Vereins-Chef Alfred Weinandy, der sich über eine Rekordkulisse freute: "So viele Zuschauer waren noch nie bei einem Heimspiel in Konz. Der frühere Höchstwert lag bei rund 700 Zuschauern im Derby gegen Krettnach - und das ist schon ein bisschen her." SV Konz baut Vereinsheim aus

Die zusätzlichen Einnahmen kommen dem Verein dabei sehr gelegen. Denn in den nächsten Monaten steht der Ausbau des Vereinsheims an. "Wir richten in Eigenregie einen Schulungs- und einen Geschäftsraum ein", sagt Weinandy. Vielleicht hat der SV Konz mit dem Spiel gegen Trier auch ein paar neue Fans gewonnen. Denn bereits am nächsten Sonntag findet im Saar-Mosel-Stadion wieder ein wichtiges Spiel statt. Dann ist im Stadt-Derby der abstiegsgefährdete SV Krettnach zu Gast. Ein Video zum Spiel finden Sie unter www.volksfreund.de/video