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Siegel für globales Lernen: Hermeskeiler Berufsschule als „Grenzenlos“-Schule zertifiziert

Siegel für globales Lernen : Hermeskeiler Berufsschule als „Grenzenlos“-Schule zertifiziert

Die Berufsschule in Hermeskeil wirkt mit an einem internationalen Bildungsprojekt, das globales Lernen und nachhaltiges Wirtschaften in den Fokus rückt. Dabei blicken die Schüler mit der Unterstützung von ausländischen Studierenden über den regionalen Tellerrand.

Warum sind viele afrikanische Länder zwar reich an Rohstoffen, ihre Bevölkerung aber leidet unter Armut? Und wie hängt das zusammen mit Smartphones, die wir täglich nutzen? Mit solchen Fragen haben sich 15 Schüler des Berufsvorbereitungsjahrs an der berufsbildenden Geschwister-Scholl-Schule in Hermeskeil befasst. Die 22-jährige Studentin Paule Ingrid Tchonang berichtete ihnen vom Abbau seltener Erden für die Handyherstellung in ihrer Heimat Kamerun.

Themen wie dieses sollen künftig fest verankert sein im Schulalltag in Hermeskeil. Dafür wurde die BBS-Außenstelle am Dienstag als „Grenzenlos“-Schule zertifiziert. Die Auszeichnung überreichten Vertreter des World University Service (WUS), eines internationalen Netzwerks, das für das Recht auf Bildung eintritt. Über das Projekt Grenzenlos werden Lernkooperationen an Berufsschulen gefördert (siehe Info). Studierende, die ihre Wurzeln in Afrika, Asien oder Lateinamerika haben, kommen in die Einrichtungen, sprechen mit den Schülern über die Globalisierung und ihre Folgen und bringen eigene Erfahrungen ein. Im Fokus stehen dabei die 17 Ziele der Vereinten Nationen, die bis 2030 für eine nachhaltige ökonomische, soziale und ökologische Entwicklung erreicht werden sollen.

„Grenzen zu überschreiten, ist für uns nichts Neues“, sagte Schulleiter Jürgen Scholz beim Festakt in Hermeskeil. Es gebe bereits viele Aktivitäten wie die Schulpartnerschaften in Frankreich, die interkulturellen Austausch förderten. Außensteller-Leiter Markus Lammes beschrieb den Weg zum Zertifikat. „Initialzündung“ seien eine Fortbildung und das Engagement von Lehrerin Julia Schmitt gewesen. Sie habe die Lehrkooperation im Rahmen der Projektwoche Medien organisiert. Die BBS habe sich zudem schriftlich verpflichtet, Nachhaltigkeitsthemen langfristig in den Unterricht einzubinden.

„Es macht Mut, wenn junge Menschen sich für eine bessere Welt engagieren“, sagte der WUS-Vorstandsvorsitzende Kambiz Ghawami. Etwa 100 ausländische Studierende wirkten ehrenamtlich im Projekt mit: „Sie wollen der Gesellschaft, die ihnen das Studium ermöglicht, etwas zurückgeben.“ Mit dabei in Hermeskeil war der Kolumbianer Wilson Hurtado, der sich als Referent mit innonativen Geschäftsideen in seiner Heimat befasst. Paule Ingrid Tchonang, die in Saarbrücken Informatik studiert, thematisiert die Ausbeutung von Rohstoffen. Die Hermeskeiler Schüler, sagt sie, hätten viele Fragen gestellt: „Sie nehmen sicher was mit aus dem Projekt.“ Zwei Schüler bestätigen, der Workshop sei für sie „informativ und berührend“ gewesen.

Lehreinsätze in weiteren Klassen werden folgen. Am Hauptstandort Saarburg sei man ebenfalls auf dem Weg, Grenzenlos-Schule zu werden, sagte Markus Lammes. Lehrerin Julia Schmitt lobte, die Themen passten ideal zur Berufsschule. Das reiche von der Herstellung einer Jeans über die Herkunft unserer Tannenbäume bis zur Auseinandersetzung mit Klimawandel, Migration und Flucht. Laut Referentin Julia Boger arbeitet der WUS derzeit länderübergreifend mit 50 Schulen zusammen. Die BBS Hermeskeil sei die erste zertifizierte Schule in der Region. 

Die Gäste aus der Politik lobten das Engagement in Hermeskeil. „Wir sind froh und stolz, dieses Projekt als Schulträger mit zu unterstützen“, sagte Rolf Rauland von der Kreisverwaltung Trier-Saarburg. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Steier freute sich darüber, dass internationale Wirtschaftskreisläufe und die Wertschöpfung in der Region beleuchtet würden. Globalisierung sei gerade in der Grenzregion zu Luxemburg ein wichtiges Thema für die Berufseinsteiger, fand der SPD-Landtagsabgeordnete Lothar Rommelfanger. Sein Kollege Bernd Henter (CDU) sagte: „Interkulturelle Kompetenz steigt enorm, wenn man voneinander lernt.“ Es sei schön, dass die Berufsschule dabei eine Vorreiterrolle einnehme. Die Hermeskeiler Stadtbürgermeisterin Lena Weber (SPD) erklärte: „Mit Blick auf die aktuelle Klimadebatte ist es wichtig, die Schüler mit dem Know How auszustatten, um die Welt von morgen besser zu gestalten.“