So begegnet Trassem seinen Zukunftsproblemen

Trassem · Sie wollen Fahrten für Senioren organisieren, ein Jugendzeltlager veranstalten, mehr Feste planen und Neubürger explizit willkommen heißen: Die Trassemer haben sich viel vorgenommen. Sie machen mit beim Saarburger Modell.

 Trassems Adventskalender, eines der Projekte im Saarburger Modell, kommt an. Im Schnitt treffen sich 50 Menschen am Adventsfenster, um zu singen und Plätzchen zu essen. TV-Foto: Herbert Thormeyer

Trassems Adventskalender, eines der Projekte im Saarburger Modell, kommt an. Im Schnitt treffen sich 50 Menschen am Adventsfenster, um zu singen und Plätzchen zu essen. TV-Foto: Herbert Thormeyer

Foto: Herbert Thormeyer (doth), HERBERT THORMEYER ("TV-Upload Thormeyer"

Trassem. Die Trassemer haben viele Ideen für ein besseres Miteinander und eine bessere Zukunft in ihrem Ort. Die Gruppen, die die Ideen umsetzen wollen, seien noch dabei, sich zu finden, sagt Ortsbürgermeister Roland Konter. Im Juni haben sie damit angefangen, sich zu gründen und zwar bei Trassems Zukunftswerkstatt. Bernd Gard, Beauftragter der Verbandsgemeinde Saarburg für Demografie und Gesundheit, lobt hingegen den Eifer der Trassemer. Er sagt: "Ich war erstaunt, was aus der Zukunftswerkstatt entstanden ist." Trassem mit seinen 1196 Einwohnern hat sich wie Kastel-Staadt auf den Weg gemacht, um im Rahmen des Saarburger Modells (siehe Hintergrund) eine aktive und sorgende Dorfgemeinschaft zu bilden. Das Ziel: Die Menschen sollen sich so lange wie möglich wohlfühlen in ihrem Ort. Es geht um psychosoziale Gesundheit, also um körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden. Bei der Zukunftswerkstatt wurden Stärken und Schwächen des Orts Trassem analysiert. Demnach gibt es in Trassem viele motivierte Menschen und eine tolle Landschaft. Andererseits fehlen öffentlicher Nahverkehr, eine gesundheitliche Versorgung, eine Begegnungsstätte für Jugendliche, Schilder für die Wanderwege und einiges andere. Entsprechend haben sich sechs Arbeitsgruppen in Trassem gebildet. Sie sind nun der treibende Motor beim Aufbau der aktiven Dorfgemeinschaft. Die Arbeitsgruppen: Die Gruppe Senioren und Mobilität um Friedhelm Silvan will einmal im Monat etwas für ältere Menschen organisieren, eine Fahrt beispielsweise. Auch ein Fahrdienst für die älteren Menschen ist geplant. Die Gruppe Nachbarschaft hat bereits ihr erstes Projekt organisiert: den lebendigen Adventskalender (der TV berichtete) und der kommt an. Die Bürger wurden eingeladen, für jeden Dezembertag ein Fenster schön zu gestalten. Um 18 Uhr wird es geöffnet, und davor treffen sich die Menschen, um Weihnachtslieder zu singen, Glühwein zu trinken und Plätzchen zu essen. Innerhalb kurzer Zeit waren fast alle Fenster vergeben. Im Schnitt kommen 50 Besucher, um die vorweihnachtliche Stimmung zu genießen. Die Gruppe Dorfgemeinschaft, mit 15 Leuten eine große Gruppe, will sich des Themas Festkultur annehmen. Sie hat in diesem Jahr die Ortsgemeinde bei der Planung des Weihnachtsmarkts unterstützt. Auch ein Jugendzeltlager für junge Leute aus den Vereinen ist in Planung. Die kleine Gruppe Gesundheit und Ernährung will eine Umfrage organisieren. Thema: Wollen die Trassemer eine Gesundheitshütte à la Mannebach, in der sich Menschen jeden Alters mit einem Basistraining fit halten können? Die Gruppe erwägt außerdem Vorträge und Treffen im Bürgerhaus zum Thema gesunde Ernährung. Die Willkommenskultur in Trassem zu verbessern, ist Ziel einer weiteren Gruppe. Sie will den Neubürgern mit einer Broschüre mit Kontaktdaten zu Vereinen und anderen Einrichtungen helfen, sich im Ort zu orientieren. Eine andere Idee ist, einen Empfang für Neubürger zu organisieren. Ortsbürgermeister Roland Konter sagt: "Es ist wichtig, die Neubürger zu integrieren. Einige von ihnen waren auch bei der Zukunftswerkstatt und sind nun auch in Gruppen dabei. Das hat mich sehr gefreut." Die Gruppe Heimatpflege und -kultur will das auch für touristische Betriebe wichtige Wanderwegenetz ausbauen. Sie wählt dafür Strecken aus und muss sich dann um das Genehmigungsverfahren kümmern.Extra

Bernd Gard, Erfinder des Saarburger Modells, sieht jede Menge Probleme auf die Kommunen zukommen, wie die Millionen Euro verschlingende Krankenversorgung in einer stetig älter werdenden Gesellschaft, Altersarmut und -einsamkeit und die Herausforderungen der Migration. Dagegen setzt er im Saarburger Modell auf das Miteinander der Bürger. Das Modell hat er in Mannebach, wo er Ortsbürgermeister ist, entwickelt. Indem er die Bürger mit Vorträgen und Filmen auf die negativen Folgen der demografischen Entwicklung aufmerksam macht, will er politisches Bewusstsein wecken - auch "damit uns die Trumps dieser Welt erspart bleiben." Auf Grundlage der Stärken-Schwächen-Analyse ihres Orts überlegen die Bürger dann, wo sie anpacken wollen und gründen Arbeitsgruppen. Beim gesamten Prozess werden die ehrenamtlich Aktiven vom hauptamtlichen Dorfberater Matthias Faß begleitet. Laut Gard werden die Probleme beim Saarburger Modell ganzheitlich erfasst, Lösungen individuell erarbeitet und das System nachhaltig gesichert. Das Modell soll auf die ganze VG Saarburg ausgeweitet werden. Gard ist auch dabei, es zu exportieren und zwar in die VG Konz und Daun. mai

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