1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

So kommen Flüchtlinge und Firmenchefs zusammen

So kommen Flüchtlinge und Firmenchefs zusammen

Arbeitssuchende Flüchtlinge und potenzielle Arbeitgeber sollen zusammenkommen. Deshalb organisiert das Jobcenter Trier-Saarburg Arbeitsmarktbörsen mit diesen Beteiligten in allen sieben Verbandsgemeinden. Erste Vermittlungserfolge hat es bereits gegeben.

Saarburg/Konz. Vor eineinhalb Jahren ist Ziad Hejar aus Syrien nach Deutschland gekommen. In seiner Heimat hat der 25-Jährige eine Ausbildung zum Buchhalter gemacht. Er lebt in der Region Konz, besucht dort einen Deutschkurs und arbeitet einen Tag pro Woche bei der Diakonie. Doch Hejar, der sich schon recht gut auf Deutsch verständigen kann, ist auf der Suche nach einem richtigen Job oder einer Ausbildung. Ihm sei klar, dass es für ihn in Deutschland schwierig sei, als Buchhalter zu arbeiten, sagt er.
Wie 26 weitere Flüchtlinge ist er auf Einladung des Jobcenters Trier-Saarburg zur Arbeitsmarktbörse nach Konz gekommen. Die Menschen kommen vor allem aus Syrien, aber auch aus Afghanistan, Eritrea und Iran. Zu ihnen gehören eine Steuerberaterin sowie eine Syrerin, die Diplom-Marketing studiert hat und als Unternehmenscoach gearbeitet hat. Ungelernte Helfer von Bau und Handel sind dabei, aber auch ein Flüchtling mit einer Ausbildung im Krankenpflegebereich.
Ziel der Arbeitsmarktbörsen ist laut Rüdiger Schneider, Geschäftsführer des Jobcenters, Flüchtlinge und potenzielle Arbeitgeber in einer Art Speeddating zusammenzubringen. Schneider: "Es gibt viele Firmen, die händeringend Leute suchen, ob jetzt im handwerklich-technischen Bereich, Bäcker, Friseure, Gaststätten oder auch im Dienstleistungsbereich, insbesondere in der Pflege."
Arbeitsmarkt sichtbar machen


Vertreter der Betriebe formulieren bei den Arbeitsmarktbörsen ihren Bedarf. Damit würden sie den Flüchtlingen zuweilen auch die Augen öffnen, sagt Schneider. Der mögliche Arbeitsmarkt werde so sichtbar gemacht. Zwölf Firmen stellen sich in Konz vor, darunter ein Wohnungsbauunternehmen, das einen Installateur und Gärtnerhelfer sucht und zwei Straßen- und Tiefbauunternehmen, die Maurer, KFZ-Mechatroniker und Schlosser brauchen. Auch ein Hotelier, der Restaurant- und Hotelfachleute sucht sowie ein Naturkostladenbesitzer sind dabei.
Zur Auswahl sagt Schneider: "Wir schreiben Betriebe an, die mit unserem Arbeitgeberservice mindestens für drei Beschäftigte in den vergangenen Jahren Kontakt hatten." Bei den Flüchtlingen würden diejenigen eingeladen, die "eine gewisse Arbeitsmarktnähe" hätten, sprich bereits über ein gewisses Quantum an Sprachkenntnissen und anderen Kompetenzen verfügten.
Bei der Börse erläutern Schneider und eine Vertreterin der Migrationsberatung zunächst Grundsätzliches. Schneider spricht von aktuell 300 jobsuchenden Flüchtlingen, deren Zahl sich seiner Meinung nach bis Ende des Jahres verdoppeln wird. Die Arbeitgeber erhalten Informationen zur rechtlichen Situation. So erfahren sie beispielsweise, dass es keine Sondertöpfe zur Förderung von Flüchtlingen gibt und dass Migranten eine Arbeitserlaubnis benötigen, die bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden muss. Praktika zur Berufsorientierung seien möglich. Bei der Veranstaltung in Konz übersetzt ein Dolmetscher des Jobcenters das Gesagte für die Flüchtlinge ins Arabische und - für die Iraner und Eritreer - auch ins Englische. Doch Schneider redet den Anwesenden ins Gewissen: "Sprechen Sie auch privat Deutsch! Üben Sie!" Sprache sei das Wichtigste überhaupt. Das zweite Problem gerade im ländlichen Raum sei die Mobilität. Das Jobcenter könne auch den Erwerb von Führerschein und Auto fördern.
Nach der Vorstellungsrunde der Firmen kommen Unternehmensvertreter und Flüchtlinge mit Hilfe des Übersetzers zwanglos ins Gespräch. In Konz wurde die Börse laut Schneider von beiden Seiten positiv eingeschätzt.
Konkrete Ergebnisse, wie Vereinbarungen über eine Ausbildung oder ein Berufspraktikum, habe es noch keine gegeben. Diese würden sich erst nach weiteren Kontakten einstellen, sagt Schneider. Nur wenige Flüchtlinge hätten ein klares berufliches Profil gehabt, das direkt verwertbar gewesen sei.
Die nächsten Arbeitsmarktbörsen finden in Schweich (7. Juli), Hermeskeil (8. September) und in Waldrach (29. September) statt. Firmen, die Flüchtlinge einstellen möchten, erhalten beim Jobcenter Informationen, Kontakt: Susanne Badem, Telefon 0651/205-1224, E-Mail: jobcenter-trier-saarburg@jobcenter-ge.de
Extra

Bei den Arbeitsmarktbörsenin Saarburg und Sirzenich, die vor der Konzer stattgefunden haben, sind laut Rüdiger Schneider, Geschäftsführer des Jobcenters Trier-Saarburg, drei berufsorientierte Praktika und eine Arbeitsaufnahme vermittelt worden. Insgesamt hat das Jobcenter in diesem Jahr bereits 17 Flüchtlinge in Arbeit vermittelt. Rüdiger Schneider sagt: "Aufgrund der fehlenden Sprachkenntnisse rechne ich in diesem Jahr noch nicht mit großen Erfolgen beim Heranführen der Flüchtlinge an den Arbeitsmarkt. 2017 erwarte ich da schon mehr." Nach den Arbeitsmarktbörsen im Landkreis sei geplant, den potenziellen Arbeitgebern stetig Bewerberprofile zu präsentieren. Man könne nicht alle Kunden an der Hand nehmen. mai