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So viele hungrige Mäuler wie nie: Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen pflegt verletzte oder verwaiste Vögel und Vierbeiner

So viele hungrige Mäuler wie nie: Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen pflegt verletzte oder verwaiste Vögel und Vierbeiner

Junge Igel und Mauersegler, ein Mufflon und sogar eine Wildkatze: Im Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen wurden im vergangenen Jahr so viele Tiere wie noch nie gepflegt. Die Vereinsmitglieder haben sich um 1197 Tiere gekümmert, die meisten Vögel. Am Standort Saarburg wird das Zentrum derzeit erweitert.

Die Hitze war Schuld. Sie hat dazu geführt, dass im Wildtierzentrum mit seinen beiden Standorten Saarburg und Wiltingen im vergangenen Jahr ein Rekord aufgestellt wurde. 1197 Tiere haben die wenigen ehrenamtlichen Aktiven des Vereins im vergangenen Jahr gepflegt.Gefahr der Überhitzung


Jürgen Meyer, zweiter Vorsitzender erklärt: "Da waren viele Mauersegler (122), Mehlschwalben (82) und auch Sperlinge (118) dabei." Sie alle haben eins gemeinsam: Sie brüten unter den Dachziegeln. Die Nester erwärmen sich dort sehr stark bei hohen Temperaturen. Die Jungvögel drohen dann zu überhitzen. Meyer: "Da die Mauersegler alle auf einmal brüten und andere Auffangstationen die Türe zugemacht haben, hatten wir 70 Jungtiere auf einmal zu versorgen. Da muss man schon mit System vorgehen." Denn das Füttern dieser Vögel ist aufwendig. Je nach Alter müssen sie alle 45 bis 60 Minuten versorgt werden.

Meyer teilt sich diese Arbeit mit seiner Frau Maria. "Auf lange Sicht", sagt er, "ist das ehrenamtlich nicht zu schaffen. Vor 30 Jahren haben wir mit 20 Tieren pro Jahr angefangen. Da war das noch ein Hobby."

Das sei dann mit den Jahren gewachsen. Das Wildtierzentrum sei auch immer bekannter geworden. Nun sei der Aufwand neben seiner regulären Arbeit kaum noch zu schaffen. Im Wildtierzentrum landen in der Regel verletzte, verwaiste oder anderweitig hilfebedürftige Wildtiere.

Sie werden gepflegt, bis sie wieder fit sind und dann wieder ausgesetzt - möglichst dort, wo sie auch gefunden wurden.
Meyer sagt: "Zu 85 Prozent gehen die Verletzungen auf menschliches Verschulden zurück - direkt oder indirekt." So würden Tiere angefahren, Vögel stießen gegen Fensterscheiben, Schwäne verhakten sich in Angelschnüren. Die meisten Patienten seien Vögel, die in der Nähe des Menschen lebten wie Amseln und Sperlinge. Es seien jedoch auch immer wieder einige Raritäten darunter, im Vorjahr beispielsweise ein Schwarzstorch, eine Haselmaus, eine Wildkatze, Fledermäuse, Eisvögel und auch ein Mufflon.

Auch exotische Tiere, die die Besitzer nicht mehr halten können oder wollen, landen schon mal im Wildtierzentrum, zum Beispiel eine Kettennatter oder Japanische Mövchen. Aber das ist und soll die Ausnahme bleiben. Meyer versucht, solche Tiere zu vermitteln.

15 Höckerschwäne wurden im vergangenen Jahr im Wildtierzentrum gepflegt. Auch das waren so viele wie noch nie (siehe Hintergrund). Für sie, aber auch für andere Wasservögel wird der Saarburger Standort des Zentrums beim Greifvogelpark derzeit um einen Teich erweitert. Wolfgang Klotzbücher, erster Vorsitzender des Vereins Wildtierzentrum und Inhaber des Greifvogelparks, sagt: "Der Teich ist im Rahmen von Renaturierungsmaßnahmen und zum Hochwasserschutz ohnehin angelegt worden. Ein Zaun und ein Häuschen für die Vögel werden noch ergänzt."Fuchssicherer Zaun


Damit der Zaun fuchssicher ist, wurde er 30 bis 50 Zentimeter tief eingegraben und wird mit einem elektrisch gesicherten Überkletterschutz ausgestattet. "Anders geht es nicht", ergänzt Ute Marx, Schriftführerin des Vereins. Das Land hat der offiziellen Wildtierauffangstation 25 000 Euro dafür zur Verfügung gestellt. Ansonsten finanziert sich der Verein in erster Linie über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Neben dem Gelände mit Teich wird eine Grünfläche ebenfalls neu eingezäunt.

Sie kann für Tiere, die Freilauf brauchen wie Rehe, genutzt werden, soll aber auch die Volieren dahinter ein wenig zur Straße hin abschirmen.

Dem Verein Wildtierschutz mangelt es an ehrenamtlichen Aktiven, die bei handwerklichen Arbeiten und der Pflege, insbesondere aber beim Putzen und Saubermachen helfen. Wer Interesse hat, kann sich melden bei Jürgen Meyer unter Telefon 06501/150194. Der Verein sammelt zudem über die TV-Spendenplattform Meine Hilfe zählt (meine-hilfe-zaehlt.de) Spenden zur Vergrößerung der Volieren in Saarburg.Extra

Dass das Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen 2015 mehr Schwäne als in den Vorjahren zu pflegen hatte, liegt daran, dass zwei andere Pflegestationen zugemacht haben. Eine an der Obermosel wurde laut Ute Marx vom Verein Wildtierzentrum aus Altergründen geschlossen. Die Station von Lothar Lorig bei Trier hatte die Kreisverwaltung Trier-Saarburg untersagt mit der Begründung, Lorig verstoße gegen das Landesjagdgesetz (der TV berichtete). Er habe Schwäne widerrechtlich in Besitz genommen. Er habe die Tiere auch nicht unverzüglich ausgewildert. Lorig kümmert sich derzeit in einem Gehege im saarländischen Perl um Schwäne. Laut der Perler Verwaltung seien Behörden dabei, gegen die Schwanenpflege dort vorzugehen. Es fehle wiederum die Berechtigung zur Pflege. maiExtra

So viele hungrige Mäuler wie nie: Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen pflegt verletzte oder verwaiste Vögel und Vierbeiner
Foto: (h_sab )
So viele hungrige Mäuler wie nie: Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen pflegt verletzte oder verwaiste Vögel und Vierbeiner
Foto: (h_sab )
So viele hungrige Mäuler wie nie: Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen pflegt verletzte oder verwaiste Vögel und Vierbeiner
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Das Wildtierzentrum Saarburg/Wiltingen ist eine der offiziellen Auffangstationen in Rheinland-Pfalz, die verletzte, verwaiste oder anderweitig hilfebedürftige Wildtiere aufnehmen. Es ist zuständig für die gesamte Region Trier. Weitere Infos zu Wildtierauffangstationen im Internet unter http:// wildtierauffangstationenblogspot.de mai