Sonne, Strom und smarte Technik

Die Herausforderungen der Energiewende nimmt die Gemeinde Wincheringen mit Unterstützung von Politik und Wirtschaft aktiv an. Am Samstag startete hier in 50 Modellhaushalten ein Versuchsprojekt zur intelligenten Stromerzeugung und Verteilung.

Die - nicht erst seit dem Atomunfall von Fukushima - vielbeschworene Energiewende schreitet mit großen Schritten voran. Davon konnten sich rund 150 geladene Gäste aus Politik, Wirtschaft und die beteiligten Wincheringer Bürger am Samstag bei der offiziellen Inbetriebnahme des sogenannten "Smart Operators" in der, mit 2300 Einwohnern aus 42 Nationen, zweitgrößten Gemeinde der Verbandsgemeinde Saarburg überzeugen. Dieser "Smart Operator" ist ein kleiner, weißer Kasten voller Elektronik, der die intelligente Verteilung und Speicherung des von den privaten Photovoltaikanlagen erzeugten Stromes steuert.Feldversuch mit 50 Haushalten


Als eine von bundesweit drei Modellgemeinden haben sich auf Initiative des Stromerzeugers RWE (Rheinisch Westfälisches Elektrizitätswerk AG) 50 Wincheringer Privathaushalte für diesen Feldversuch freiwillig zur Verfügung gestellt. Die Moselgemeinde wurde aufgrund ihres hohen Anteils an innovativen, privaten Stromerzeugern ausgewählt. Über einen Zeitraum von mehreren Jahren sollen die Daten ausgewertet werden, erste Ergebnisse will das RWE nach ungefähr zwölf Monaten präsentieren.

Schirmherrin des Projektes ist die rheinland-pfälzische Ministerin für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung, Eveline Lemke, die die Wichtigkeit dieses Feldversuches durch ihre Anwesenheit unterstreicht: "Ich habe sogar den Termin zur Eröffnung der Landesgartenschau in Landau sausen lassen, um hier dabei zu sein." Dabei übt die grüne Ministerin einen erstaunlichen Schulterschluss mit dem Energieriesen RWE, der für die Grünen lange Zeit als Feindbild galt. Sie freut sich, dass die Industrie die gesellschaftlichen und politischen Vorgaben annehme und in Energiewende investiere. "Alte Partner in neuer Rolle", nennt sie das. Symbolkraft hat der Ort der Feierstunde: In der supermodernen Kindertagesstätte (Kita) im Neubaugebiet Auf Mont ist man in Sichtweite des französischen Pannenreaktors Cattenom, dessen Kühltürme in wenigen Kilometern Entfernung rauchen. Alle Anwesenden sind sich einig, dass gerade dieser Atommeiler schleunigst abgeschaltet werden muss, vor allem im Sinne der Zukunft der Kinder, die hier in der Kita und anderswo in der Region betreut werden.

Als Alternative wird die intelligente Stromerzeugung und Verteilungstechnik präsentiert, hier hat das RWE mit seinen Partnern aus Industrie (unter anderem Software-Unternehmen und Batteriehersteller) und Wissenschaft technologisch die Marktführerschaft. "Die anderen, konkurrierenden Unternehmen kommen bisher nicht über das Stadium der Präsentation von Ideen hinaus", sagen Lemke und RWE-Vorstand Arndt Neuhaus unisono. Und: "Wir wollen ja nicht irgendwann von der russischen Gazprom abhängig sein!"Extra

Der Smart Operator ist ein kleiner Rechner von der Größe eines Telefon- und Internet-Routers, der in Trafostationen eingebaut wird und mit intelligenten Stromzählern in den Haushalten vernetzt ist. Er soll mittels Algorithmen die Bereitstellung und Verteilung des von den Privaterzeugern produzierten Solarstromes berechnen und steuern, damit dieser beispielsweise den Ortsnetzen auch in der Nacht zur Verfügung steht, ohne auf in Großkraftwerken produzierten Strom zurückgreifen zu müssen. Rund 130 000 private Stromerzeuger gibt es mittlerweile in Rheinland-Pfalz, die Investitionen der RWE in Wincheringen belaufen sich auf sieben Millionen Euro. Dabei wird größtmöglicher Wert auf Datensicherheit gelegt, damit der Datenschutz und die Versorgungssicherheit gewährleistet sind. "Machen Sie sich keine Sorgen!", beteuert die Ministerin. DT