Sperrstunde sorgt für Diskussionen: Einige Konzer wollen länger feiern, als es die Verwaltung erlaubt
Konz · Auch nach dem 67. Heimat- und Weinfest diskutieren die Konzer noch. Besonders an der Sperrstunde, die auch bei den noch bevorstehenden Weinfesten in Ober emmel und Nittel gilt, scheiden sich die Geister. Der TV hat sich die verschiedenen Positionen zum Thema angehört.
Mehrere Zehntausend Besucher haben am Wochenende beim Konzer Heimatfest gefeiert. Spätestens um 3 Uhr nachts mussten sie aber nach Hause gehen, da die Standbetreiber ab dieser Uhrzeit nichts mehr ausschenken durften. Die Sperrstunde führte auf Facebook zu Diskussionen. TV-Foto: Andrea Weber
Foto: (h_st )Konz. Es gibt viele Menschen, die gerne feiern - manchmal auch bis in die frühen Morgenstunden. Gerade bei Volksfesten führt das manchmal zu Konflikten zwischen Anwohnern, Festbesuchern und Ordnungsbehörden. Um Ärger zu vermeiden, gibt es bei den großen Festen in der Verbandsgemeinde Konz im Gegensatz zu anderen Kommunen eine feste Sperrstunde. Ab 3 Uhr dürfen die Standbetreiber nichts mehr ausschenken - egal ob die Leute in Oberemmel, Nittel oder eben beim Heimatfest in Konz feiern.Kritik im Internet
Das Verbot hat dieses Jahr in der Facebookgruppe "Du bist Konzer wenn" für Diskussionen gesorgt. Mehrerer Mitglieder sprechen sich gegen die Sperrstunde aus: "Um 1 Uhr Ruhe wie auf dem Friedhof, und ab 3 ist es so trocken wie in der Wüste", schreibt ein Nutzer. "Echt schade um die gute Stimmung, gerade bei den super Temperaturen wären wir gern länger geblieben", schreibt ein weiteres Mitglied. Bei einer TV-Umfrage auf dem Festgelände überwiegen hingegen die Befürworter (siehe Extra). Der Gründer der Konzer Facebookgruppe, Peter Bottler, meint: "Früher waren einige Stände bis mindestens zum Morgengrauen offen, und das hat jahrzehntelang nie zu Problemen geführt." Im Gegenteil, die Stimmung sei an einigen Ständen "einfach geil" gewesen. Jetzt schade das rigide Vorgehen der Ordnungsbehörden dem Fest.
Bei der Konzer Verwaltung heißt es, dass es die Sperrstunde seit den 1970er Jahren gebe. "Die Sperrzeit soll die Nachtruhe der Anwohner ermöglichen, zudem sollen Körperverletzungsdelikte vermieden werden", beantwortet Verwaltungssprecherin Doris Klassen die Frage nach den Gründen. Die Erfahrung zeige, dass die Gewaltbereitschaft zwischen 1 und 3 Uhr zunehme. Ohne Sperrzeit sei die Sicherheit der Festbesucher in den frühen Morgenstunden nicht zu garantieren.
Mitarbeiter des Ordnungsamts setzen die Sperrstunden in Zusammenarbeit mit der Polizei und einem privaten Ordnungsdienst durch. Bei Verstößen gegen die Regelung droht dem Standbetreiber ein Verfahren. "Dieses Jahr wurde ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet", sagt Klassen.
Armin Görgen, Chef der Polizeiwache in Konz, erklärt: "Vor 4 Uhr sind wir nie fertig." Oft kauften Festbesucher vor 3 Uhr noch eine Weinflasche, die sie später leerten. Alle Stände und seit drei Jahren auch die umliegenden Kneipen werden laut Görgen bei der Durchsetzung der Sperrzeit gleich behandelt.Polizei verweist auf Sicherheit
Und die Sperrzeit passe zum Sicherheitskonzept, das seit 2008 unter anderem ein Glasverbot beinhaltet. Seitdem gehen die Ordnungsbehörden schärfer vor. Damals wurde auch die Polizeipräsenz vergrößert, um die laut Görgen dramatischen Zustände der Vorjahre zu verbessern. Früher habe es während des Fests nach 2 Uhr etliche Körperverletzungsdelikte gegeben, heute sei die Zahl stark zurückgegangen, sagt Görgen. 2015 gab es gar keine Schlägerei.
Aus Sicht der Standbetreiber ist die nächtliche Sperrzeit kein Problem. Der Oberemmeler Winzer Max von Kunow meint: "Wenn das Fest bis 2 oder 2.30 Uhr geht, ist das doch in Ordnung." Man müsse immer einen Konsens zwischen Nachbarn und Betreibern finden, und das habe in Konz funktioniert. Ein gutes Beispiel sei die Bar, die früher beim Oberemmeler Weinfest bis 6 Uhr morgens in Betrieb gewesen sei. Da habe es oft Ärger gegeben. Seitdem die Stände in Ober emmel um 2.30 Uhr schließen, hat es laut von Kunow keinerlei Beschwerden mehr gegeben.
Winzer Stephan Weber aus Wiltingen pflichtet ihm bei. Er hat zum ersten Mal einen Stand auf dem Heimatfest betrieben und meint: "Ich halte die Sperrstunde für sinnvoll. Die Anwohner haben irgendwann ein Recht auf Ruhe."Meinung
Sperrstunde im Freien o. k.
Eine Sperrstunde an den Weinständen ist o. k. Denn solange die Festgäste im Freien feiern, verursachen sie Lärm und stören die Anwohner. Warum die Regelung allerdings auf Kneipen ausgeweitet wird, ist nicht so verständlich. Die Wirte können schließlich selbst dafür sorgen, dass der Lärm aus ihrem Lokal nicht nach draußen dringt. Und sollte es dann doch zu laut werden, können sich die Anwohner immer noch beschweren. Schön wäre es, wenn das ohne Ordnungsamt oder Polizei zwischen Nachbarn und Festbesuchern geregelt werden könnte. Wenn sich alle vernünftig verhalten und miteinander reden, reicht dann auch ein Gespräch ohne Ordnungshüter, um für die verdiente Nachtruhe zu sorgen. c.kremer@volksfreund.deExtra
Andreas Holbach, 34 Jahre, aus Konz: "Die Sperrstunde ist o. k. So spät ist hier eh nicht viel los, und man hat auch die Möglichkeit vorher hinzugehen. Das Fest geht ja früher los." Sebastian Lumbert, 27 Jahre, aus Konz: "Ich finde die Sperrstunde nicht gut. Die Schausteller und Standbetreiber machen dadurch weniger Umsatz." Nils Wollscheid, 29 Jahre, aus Konz: "Die Sperrstunde ist zu früh. Viele Konzer aus der Umgebung wollen noch später hierhinkommen. Ich fände es gut, wenn das Fest später beginnt und später schließt." Ein Besucher, der namentlich nicht genannt werden will: "Ich finde die Sperrstunde eigentlich gut, da auch auf die Anwohner Rücksicht genommen wird. Eine Idee wäre zum Beispiel eine Sperrstunde für verschiedene Altersklassen. Simon Beringer, 38 Jahre, aus Konz: "Ich habe schon gehört, dass viele Besucher ziemlich aufgebracht über die Sperrstunde waren. Mir persönlich reicht 2.30 Uhr. Man sollte auch Rücksicht auf die Anwohner nehmen." Mike Herrestal, 21 Jahre, aus Konz: "2.30 Uhr ist eine humane Zeit. Ich fände es aber auch o. k., wenn ein oder zwei Stände noch etwas länger geöffnet hätten. Ein Mitglied des MC Stormriders: "Ich finde das übertrieben. Die Leute kommen um 22 oder 23 Uhr und sollen nach ein paar Stunden wieder nach Hause gehen." mwiExtra
Die Nachbarkommunen Saarburg und Hermeskeil verzichten bei großen Festen auf eine Sperrstunde - zum Beispiel gibt es weder bei den Saarburger Markttagen noch beim Saarweinfest oder dem Hermeskeiler Stadtfest eine Vorgabe der Verwaltungen. "Wir haben keine offizielle Sperrstunde", sagt zum Beispiel Susanne Rendenbach, Sprecherin der Saarburger Verwaltung. Die Polizei rücke nur bei Beschwerden aus. "Bisher gab es noch keine Probleme", sagt sie. Bei den Markttagen gibt es laut Rendenbach die formlose Vereinbarung, dass samstags um 3 Uhr und sonntags um 2 Uhr Feierabend ist. In Hermeskeil gibt es nur die Putzstunde von 5 bis 6 Uhr. Diese ist in der rheinland-pfälzischen Gaststättenverordnung vorgeschrieben. Allerdings macht die Hochwaldkommune den Schaustellern die Vorgabe, die Musik ab 1 Uhr auszuschalten. cmk