Sprudelnde Bläschen für mehr Schüler

Sprudelnde Bläschen für mehr Schüler

Lehrer der Realschule plus in Kell haben Eltern aus dem Hochwald in ihre Schule eingeladen, um das Angebot und die Stärken der Einrichtung vorzustellen. Es wurde ein informativer und zugleich sehr emotionaler Abend.

Kell am See Karola Haubrich hält ein mit Kalk gefülltes Reagenzglas ins Publikum. Dann träufelt sie Salzsäure ins Glas. Sofort bilden sich sprudelnde Bläschen. "Wer weiß, welches Gas hier entsteht?", fragt die Chemielehrerin von der Realschule plus Kell/Zerf in die Runde. Die Antwort: Kohlenstoffdioxid. Die Formel zur chemischen Reaktion steht auf einer Leinwand. "Bei mir lernen die Schüler nicht erst die Formel", sagt Haubrich. "Sie finden sie durch Ausprobieren selbst heraus."
Die Vorführung ist Teil eines zweistündigen Infoprogramms. Damit will das Kollegium die Stärken der Schule hervorheben, die derzeit noch auf die Standorte Kell und Zerf verteilt ist. Der Kreis Trier-Saarburg als Schulträger möchte das Angebot künftig in Kell konzentrieren. In der Aula sitzen am Donnerstagabend etwa 40 Eltern aktueller und möglicher zukünftiger Realschüler. "Wir wollen nicht sagen, dass unsere Schule die bessere ist", sagt der stellvertretende Schulleiter Andreas Hochhalter. "Aber sie ist für viele Schüler die geeignete, weil wir ihnen Zeit geben, sich zu entwickeln."
Um dies zu untermauern, erläutert der Konrektor das System der kooperativen Realschule plus. Dort gibt es ab Klassenstufe sieben zwei getrennte Bildungszweige. In dem einen erlangen die Kinder nach Klasse neun die Berufsreife und können eine Ausbildung beginnen. Der andere führt bis zum Sekundarabschluss I nach Klasse zehn. Damit ist ein Wechsel zum Gymnasium möglich, um das Abitur zu machen. "Der große Vorteil ist die Durchlässigkeit", sagt Hochhalter. Ändere sich die Leistung eines Schülers, könne er problemlos den Bildungsgang wechseln. "Mit der Entscheidung für die Realschule plus bleiben alle Wege offen."
Darauf verweist auch Markus Lammes, Leiter der Hermeskeiler Außenstelle der Berufsbildenden Geschwister-Scholl-Schule (BBS). Die BBS biete eine Vielzahl an Abschlüssen bis hin zur Hochschulreife. Laut Hochhalter soll der Kontakt zur BBS intensiver werden: "Wir wollen schauen, wo wir noch besser anknüpfen können."
Wie engagiert der Unterricht auch in Deutsch, Englisch und Mathematik abläuft, zeigen drei weitere Vorträge. Deutschlehrerin Claudia Roth beschreibt, wie sie kreative Methoden einsetzt. In Schreibkonferenzen verfassen die Schüler zum Beispiel selbst Märchen, lesen sie einander vor und bewerten sie. Sven Weyrich erklärt, wie die Schüler mit speziell auf sie zugeschnittenen Fördermappen ihre Leistung in Mathematik verbessern. Zudem nutze man über Onlinetests die Chance, die Leistungen mit dem bundesweiten Durchschnitt zu vergleichen.
Berührend sind die Berichte ehemaliger Schüler. Rosa Büttner (18) aus Gusenburg hat vor drei Jahren ihren Abschluss an der Realschule Kell/Zerf gemacht, jetzt steht sie an einem Trierer Gymnasium kurz vor dem Abitur. "Danach will ich Medizin studieren", verrät sie. Ihre Zeit in Kell und Zerf habe sie gut auf den Schulwechsel vorbereitet. Als sie über die Atmosphäre in Kell spricht, kommen der jungen Frau die Tränen: "Man fühlt sich wie zu Hause." Nico Waschbüsch (19) macht eine Ausbildung zum Elektroniker bei Bilstein in Mandern. Er lobt den Praxisbezug in Kell - durch die Vorstellung von Berufen im Unterricht und Besuche von Jobmessen.
Emotional ist auch der Beitrag von Claudia Kirchen aus Grimburg, Vorsitzende des Elternbeirats. Sie erzählt von Problemen ihrer Tochter in der Grundschule, die sich ab der fünften Klasse in Kell in Luft aufgelöst hätten. "Hier hat man in sechs Wochen erkannt, wie meine Tochter ist - was man in vier Jahren Grundschule nicht geschafft hat." Sie wolle helfen, dass mehr Schüler in Kell angemeldet werden, sagt sie. Die zuletzt schwachen Jahrgänge sind der Hintergrund des Infoabends. Bei weniger als 181 Schülern insgesamt und weniger als 26 Kindern im fünften Schuljahr droht laut Schulgesetz die Schließung (der TV berichtete mehrfach). Aktuell gibt es 181 Schüler, davon sind 22 Fünftklässler. Auf Nachfrage einer Mutter sagt Hochhalter: "Wir werden im nächsten Schuljahr wieder zwei fünfte Klassen bilden. Da bin ich sicher."
Eine Mehrheit im Kreistag Trier-Saarburg glaubt das offenbar auch. Die Pläne für einen acht Millionen teuren Erweiterungsbau in Kell werden vorangetrieben. Ortsbürgermeister Markus Lehnen (CDU) kündigte an, dass auch die lokale Politik ihren Beitrag leisten werde. Dazu gebe es am Donnerstag, 26. Oktober, eine Ratssitzung in der Schule (siehe Info). "Es wäre eine Schande, wenn diese wichtige Schule wegfallen würde. Wir stemmen uns dem entgegen."Meinung

Beste Werbung für die Schule
Dieser Abend war tolle Werbung für die Realschule plus in Kell. Die Lehrer haben eindrucksvoll gezeigt, dass sie mit Herzblut am Werk sind. Und die Berichte der ehemaligen Schüler und zufriedenen Eltern haben den Eindruck verstärkt, dass die Kinder in Kell individuell gefördert und bestens auf das spätere Berufsleben vorbereitet werden. Schade nur, dass nicht mehr Eltern in die Aula gekommen sind. Die Stärken der Schule besser bekanntzumachen, vor allem an den Grundschulen, wird für die Entwicklung der Schülerzahlen entscheidend sein. Dass auch die Gemeinde dabei helfen will, kann nur von Vorteil sein. c.weber@volksfreund.deExtra: LOKALE POLITIK SCHALTET SICH EIN


Der Gemeinderat Kell am See tagt am Donnerstag, 26. Oktober, 19 Uhr, öffentlich in der Aula der Realschule plus in Kell. Das kündigte Ortsbürgermeister Markus Lehnen beim Infoabend in der Schule an. Laut Lehnen sollen Pläne für eine bessere Darstellung der Schule in der Öffentlichkeit beschlossen werden. "Wir wollen aufzeigen, was wir von politischer Seite aus tun können, um Schwung in die Sache zu kriegen", sagte der Ortschef. Man könne der Politik "ein wenig den Vorwurf machen", dass sie mit solchen Initiativen zu lange gewartet habe. "Aber wir arbeiten jetzt alle zusammen, um stärker nach außen zu transportieren, was hier in Kell geleistet wird." Zur Sitzung sind auch Vertreter von Industrie- und Handelskammer (IHK), Handwerkskammer und Kreishandwerkerschaft eingeladen, mit denen enge Kooperationen geplant seien.