St. Kunibert und der Liber Aureus sind Zeugen

St. Kunibert und der Liber Aureus sind Zeugen

KÖWERICH. Der rund 360 Einwohner zählende Winzerort gehört zu den Dörfern, deren erste Erwähnung im Goldenen Buch der Abtei St. Willibrord in Echternach auf einer frühmittelalterlichen Urkunde zu finden ist. Die erste Erwähnung vor 1300 Jahren soll in diesem Jahr gefeiert werden.

Damit gehört Köwerich zu den Orten, in denen von alters her geistliche Institutionen, Besitztümer und Rechte hatten. Ihre schriftliche Überlieferung ging nicht bei einer früh- oder hochmittelalterlichen Katastrophe zugrunde. Die Abschrift der Köwericher Urkunde liegt in der Forschungsbibliothek "Schloss Friedenstein" in Gotha. Erst kürzlich besuchte der Vorsitzende des Kreisheimatvereines, Dittmar Lauer, mit einer Abordnung aus dem Moseldörfchen den Aufbewahrungsort (der TV berichtete). Die um 1200 angelegte Kopie war eigens für die Köwericher Delegation in einer klimatisierten Glasvitrine ausgestellt worden. Lauer: "Das in der Abtei Echternach angelegte Buch - der Codex liber aureus Epternacensis - mit über 240 Urkundenabschriften ist beim Anrücken der französischen Revolutionstruppen 1774 von den flüchtenden Mönchen in das Kloster St. Peter in Erfurt mitgenommen worden. Später kaufte es der Liebhaber mittelalterlicher Buchkunst Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha." Der Inhalt und die Deutung der Köwerich-Urkunde von 704 und nochmals 710 im Liber aureus werden einen wesentlichen Platz im Heimatbuch von Köwerich haben. Neben Dittmar Lauer wird daran auch der in Köwerich geborene und in Schweich lebende Heinz Jostock mitarbeiten. Die beiden Autoren teilen sich die Arbeit für das rund 150 Seiten und reich bebilderte Festbuch. Der kleine Weinort zeigt sich heute idyllisch und ist dem in den vergangenen Jahren gewachsenen Tourismus gegenüber offen. Rund 100 Betten haben die Bewohner in Hotels, Ferienwohnungen und Privatpensionen geschaffen und wollen ihren Gästen schöne Urlaubstage an der Mosel bereiten. Für das leibliche Wohl sorgen drei Gasthäuser und Hotels sowie die zahlreichen Straußwirtschaften. Köwerich ist eines der typischen Winzerdörfchen, in denen der Weinbau eine maßgebliche Rolle spielt. Obgleich des rückläufigen Weinbaues sind in Köwerich noch in fast jedem Haus Winzerbetriebe zu verzeichnen. Peter Porten: "Etwa 25 Winzerbetriebe, von denen noch zehn im Haupterwerb arbeiten, bewirtschaften heute noch rund 180 Hektar Weinbaufläche." Während die Lage "Held", sie liegt direkt am Dorf, ohne Probleme bebaut werden kann, war die "Laurentiuslay" seit ihrer Einrichtung mit Problemen behaftet. Denn dies ist nicht nur eine Steillage, sondern sie liegt auch noch auf der anderen Moselseite. So mussten die Winzer bis zur Schaffung der Moselbrücke bei Thörnich im Jahre 1963 mit Fähre oder Nachen übersetzen. Im Moselort sind mehrere bedeutende Persönlichkeiten geboren. So muss der Ehrenbürger Dr. Paul Jostock (1895 bis 1965), er war ein leidenschaftlicher Verfechter der katholischen Soziallehre, genannt werden. Jostock war der Präsident des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg. Sicher hat auch die Erfolgsautorin Rosa Jakoby mit ihren dörflichen Milieuschilderungen in ihrem Buch "Leben im Moseldorf" einen Beitrag für das gute Dorf-Image geleistet. Den Hinweis auf einer Internetseite, dass die Großmutter Beethovens hier geboren sei, bezeichnet Dittmar Lauer allerdings als falsch. "Beethovens Mutter Maria Magdalena Keverich (Köwerich) Namen gebende Vorfahren stammen sicher aus Köwerich. Die genealogischen Zusammenhänge werde ich aber erst im Festbuch darstellen." Ortsbürgermeister Robert Linden rief zur Planung des Jubiläumsjahres einen Festausschuss ins Leben. Am Sonntag, 25. Januar, wird das Jahr um 14 Uhr mit einer Festmesse in der Pfarrkirche St. Kunibert eröffnet. Sie wird von Dechant Jürgen Fuhrmann zelebriert und von den Kirchenchören aus Köwerich und Mehring (Leitung Inge Kollmann) umrahmt. Einige Festredner, unter ihnen auch Dittmar Lauer, werden danach Grußworte überbringen. Die Schwerpunktveranstaltungen mit einem Festakt und der Ausstellung "Historisches Dorf" folgen am Wochenende 22. und 23. Mai sowie am 25. Juli.