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Stadt will neuen Pendlerbahnsteig

Stadt will neuen Pendlerbahnsteig

Zurzeit gibt es keine direkte Zugverbindung von der Saar nach Luxemburg oder in den Trierer Westen. Der Konzer Stadtrat will das ändern: Die Verwaltung prüft nun zusammen mit dem zuständigen Zweckverband, ob eine Anbindung durch den Bau eines neuen Bahnsteigs möglich wird.

Konz. Der Bahnhaltepunkt Kreuz Konz ist Dreh- und Angelpunkt für zahlreiche Luxemburg-Pendler. Die meisten von ihnen parken ihre Autos auf einem benachbarten Parkplatz und steigen dann in den Zug um. Unter ihnen sind etliche Bürger aus den Gemeinden an der Saar. Sie fahren oft mit dem Wagen über die enge Wiltinger Kupp - die K 136, um ihn dann abzustellen und den Zug zu nehmen.
Das Problem: Von der Saar aus gibt es keine direkte Verbindung mit dem Zug nach Luxemburg. Die Bahnfahrer, die in den Saar-Gemeinden oder am Konzer Hauptbahnhof einsteigen, müssten zum Beispiel in Karthaus umsteigen, um die Bahn nach Luxemburg zu bekommen. In den Trierer Westen - etwa in das Industriegebiet in Euren/Zewen - gibt es gar keine Zugverbindung.
Der Konzer Stadtrat würde diese Situation gerne zugunsten der Pendler ändern. Alle Ratsmitglieder haben bei der jüngsten Stadtratssitzung einstimmig für einen Antrag der Grünen-Fraktion gestimmt, den Bau eines weiteren Bahnsteigs am Haltepunkt Kreuz Konz prüfen zu lassen.
"Die Saarstrecke soll mit der Trierer Weststrecke verbunden werden", fordert Grünen-Frak tionsmitglied Sascha Gottschalk. Die Konzer Innenstadt würde so vom Verkehr entlastet. Außerdem könne die Stadt von dem geplanten zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke zwischen Igel und Wasserbillig und von der Reaktivierung der Trie rer Westtrasse profitieren (siehe Extra). Da seien großzügige Zuwendungen vom Land zu erwarten, weil das Land die Pendlerströme auf die Schiene verlagern wolle.
Die anderen Fraktionen im Rat teilen zwar nicht den Optimismus von Gottschalk, sind aber grundsätzlich für den Bau des Bahnsteigs. "Wir sollten prüfen, wie realistisch das Projekt ist, und Gespräche mit dem SPNV Nord und dem Land führen", meinte CDU-Fraktionssprecher Bernhard Henter.
Der SPNV Nord ist der für den Schienenpersonennahverkehr zuständige Zweckverband. Verbandsdirektor Thomas Geyer erläutert die Bedeutung des Konzer Projekts: "Der zweite Bahnsteig im Kreuz Konz ist in der Tat erforderlich, um eine Anbindung der Saarstrecke zur Weststrecke in Trier und um dort eine Verknüpfung zu Zügen von und nach Luxemburg zu realisieren", sagt Geyer. Auch der SPNV Nord erwäge den Bau eines neuen Bahnsteigs. Dieser sei aber abhängig von der grundsätzlichen Diskussion über eine künftige Nutzung der Weststrecke durch den SPNV. Wie viel die Stadt Konz in diesem Zusammenhang aus dem Stadthaushalt beisteuern müsse, hänge "von der Finanzierungskonzeption für das Gesamtprojekt ‚Weststrecke\' ab, die derzeit noch offen ist".
Der Haltepunkt Kreuz Konz ist aus Geyers Sicht für Pendler von der Saar sehr wichtig. Sie könnten dort in den Zug nach Luxemburg umsteigen, ohne den Umweg über Karthaus in Kauf nehmen zu müssen. Außerdem würde durch die Anbindung an die Trierer Westtrasse eine direkte Verbindung in die Industriegebiete auf der anderen Moselseite geschaffen.
Die Deutsche Bahn nimmt den Konzer Grünen den Wind aus den Segeln. "Es ist zwar möglich, in Kreuz Konz einen zweiten Bahnsteig zu errichten, wenn die Strecke zweigleisig ausgebaut werden sollte", sagt ein Bahn-Sprecher auf TV-Anfrage. "Dies ist derzeit jedoch nicht geplant."

Meinung

Vorstoß ist eine gute Idee
Der Konz-Saarburger Raum ist schlecht an Luxemburg und den Trierer Westen angebunden. Die Idee, dass auch die Stadt Konz und die Gemeinden an der Saar von dem geplanten Ausbau der Bahnstrecke auf der anderen Moselseite profitieren sollten, ist gut. Es ist auch wichtig, dass die Stadt Konz hier früh ihr Interesse an der Anbindung der Saarstrecke an die Westtrasse anmeldet. Nur wenn die Kommune offensiv für ihre Anbindung kämpft, hat sie eine Chance, Gehör zu finden. Allerdings wäre es falsch, zu optimistisch zu sein. Das Beispiel der Trierer Westtrasse zeigt es. Immer wieder wird sie als Lösung der Verkehrsproblematik rings um Trier gepriesen. Passiert ist bisher nichts. Das liegt daran, dass den Kommunen das Geld fehlt und der Fördertopf des Landes auch nicht prall gefüllt ist. Und die Bahn scheint ihr Kapital lieber in Prestigeprojekte wie das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 als in eine bessere Anbindung des ländlichen Raumes zu stecken. Für die Saar-Gemeinden wäre es schön, wenn der Konzern seine Strategie ändern würde. c.kremer@volksfreund.deExtra

Der zweigleisige Ausbau des letzten eingleisigen Teilstücks der Bahnstrecke zwischen Wasserbillig und Igel wird konkreter. Schon ab Frühjahr 2013 soll die Strecke für rund 19 Millionen Euro ausgebaut werden. Die Pläne liegen derzeit öffentlich aus. Strittig ist derzeit noch der Bau einer Lärmschutzwand in Igel. Nachdem die Bahn zunächst eine bis zu sechs Meter hohe Mauer geplant hatte und sich Widerstand bei den Anwohnern regte, hat sie nun eine neue Variante ins Spiel gebracht: eine gleisnahe, 76 Zentimeter hohe Gabionenmauer. Mit dem neuen Gleis könnten täglich bis zu 150 Züge statt wie bisher 60 Züge auf der Strecke nach Luxemburg fahren. Außerdem ist die Reaktivierung der Trierer Westtrasse schon länger im Gespräch. Zurzeit fahren dort nur Güterzüge. Es sind aber Haltepunkte in den Trierer Stadtteilen West/Euren, Pallien, Zewen, Biewer sowie am Messepark für den Personenverkehr geplant. Die Trasse sollte eigentlich bis 2015 fertig sein. Der Bau der Haltepunkte ist aber sehr teuer, und es gibt immer noch kein Finanzierungskonzept. Außerdem wollen die Luxemburger zunächst einen neuen Haltepunkt am Kirchberg. Vor 2017 wird deshalb im Trierer Westen vermutlich nichts passieren. cmk