Stadtrat fordert Erhalt des Forstamts

Hermeskeil · Die Haltung des Stadtrats war eindeutig: Alle Lokalpolitiker haben sich am Dienstagabend gegen die vom Land beabsichtigte Auflösung des Forstamts in Hermeskeil und dessen Verlagerung nach Dhronecken ausgesprochen. Sie fordern den Erhalt des Amts in der Hochwaldstadt und sehen die dort geplante Einrichtung eines landesweit agierenden Kompetenzzentrums Waldtechnik nicht als gleichwertigen Ersatz an.

Hermeskeil. "Von einer Stärkung kann in meinen Augen keine Rede sein. Hermeskeil erfährt eine Schwächung und verliert eine Behörde." Mit dieser Aussage brachte Stadtbürgermeister Udo Moser (BFB) seine Meinung zu den Reformplänen des Landes in Bezug auf die künftige Forstamt- struktur auf den Punkt. Im Stadtrat gab es für diese Position ungeteilte Zustimmung. Das Gremium forderte einstimmig den Erhalt des Forstamts Hochwald.

Die Ausgangslage: Mitte Januar hatte das Land im Zusammenhang mit der beabsichtigten Ausweisung des Nationalparks angekündigt, dass dadurch die bisherigen Forstamtsstrukturen verändert werden sollen (der TV berichtete). Demnach wird Hermeskeil kein Standort eines Forstamts mehr sein. Die bisher von der dortigen Behörde gelenkten Reviere (sie befinden sich in den VG Hermeskeil und Ruwer) sollen künftig größtenteils vom Forstamt Dhronecken (VG Thalfang) aus verwaltet werden. Stattdessen ist in Hermeskeil die Einrichtung eines landesweit agierenden Kompetenzzentrums Waldtechnik vorgesehen. Von dort aus wird ab Januar 2015 zum Beispiel die Waldarbeit - etwa die Holzernte - im Nationalpark gesteuert. Der bisher in Hermeskeil angesiedelte Holzmarktservice, der Maschinenstützpunkt und der Ausbildungsbetrieb sollen dort bleiben. Insgesamt werden etwa 35 Menschen im Kompetenzzentrum arbeiten.

Das sagt der Stadtchef: Moser ließ zwar keinen Zweifel daran, dass er das Gesamtprojekt Nationalpark weiter begrüßt und dadurch Hermeskeil und die Region rundum gestärkt werden. Die geplante Auflösung des Forstamts sei aber nicht hinnehmbar und das Kompetenzzentrum kein gleichwertiger Ersatz. Dass Hermeskeil eine Behörde verlieren soll, ist für Moser vor allem deshalb unverständlich, weil die Stadt ein Mittelzentrum ist und deshalb im Landesentwicklungsprogramm auch einen Versorgungsauftrag für die Bürger zu erfüllen hat. Für ihn stelle sich die Frage, wie Besucher, beispielsweise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zum Forstamt im kleinen Ort Dhronecken kommen sollen.

Das sagen die Ratspolitiker: Für Klaus Weber (CDU) war die Sache klar: "Wir können es nicht zulassen, dass ein Amt, das hier in Hermeskeil seit der Preußenzeit besteht, einfach wegfällt." Das sah Thomas Museler (FWG) genauso. Beide erinnerten daran, dass der Stadtrat im Dezember 2013 seine Zustimmung zum Nationalpark unter der klaren Prämisse gegeben hat, dass das Forstamt in Hermeskeil erhalten bleibt. Insofern bezeichnete auch Rene Treitz (SPD) die Nachrichten aus Mainz als "kleine Klatsche, bei der einem für eine Sekunde die Luft weggeblieben ist." Da die Haltung der Stadtpolitiker auch in den Reihen der anderen Ortsbürgermeister in der VG Hermeskeil breite Unterstützung erfährt, sagte VG-Chef Michael Hülpes (CDU): "In Sachen Forstamt werden wir mit dem Land nachverhandeln und versuchen, das Ganze zu korrigieren."

Das sagt der Forstamtsleiter: Dass Bernhard Buss über die Pläne in Mainz nicht glücklich ist, wird im TV-Gespräch deutlich. Mit der Ankündigung seien auch das Forstamt und dessen Mitarbeiter "vor vollendete Tatsachen gestellt worden". Im Amt selbst arbeiten 15 Leute.
Inklusive Waldarbeiter und Förster seien dort aktuell etwa 70 Leute beschäftigt. Wahrscheinlich werde vor allem das Büropersonal nach Dhronecken wechseln. Mit einer Bewertung dieses Behördenstandorts hält sich Buss zurück. Er sagt aber: "So wie es bisher ist, haben wir hier in Hermeskeil gute Arbeit für die Waldbesitzer leisten können. Der Standort ist bürgerfreundlich und bietet gute Infrastrukturbedingungen."Meinung

Verlierer sehen anders aus
Ja, es ist nachvollziehbar, dass die Hermeskeiler schwer schlucken müssen, weil ihre Stadt den Status eines Forstamtsstandorts verliert. An der stark traditionsbehafteten Behörde hängen viele Emotionen. Auf dem Amt wird gute Arbeit geleistet - und dennoch scheinen seine Tage nun gezählt. Sicher, es kommt zwar mit dem Kompetenzzentrum etwas Neues. Was dort gemacht wird, kann sich aber keiner so richtig vorstellen. Und dennoch: Es gibt auch eine andere Seite der Medaille. Denn was wäre die Alternative gewesen? Nach Lage der Dinge doch wohl nur die ersatzlose Auflösung des Forstamts Dhronecken. Dann hätte das Land aber ausgerechnet der VG Thalfang gewaltig vor den Kopf gestoßen, die trotz aller Widerstände im Kreis Bernkastel-Wittlich Ja zum Nationalpark gesagt hat. Im Vergleich zu Hermeskeil wäre dieses "Opfer" noch viel größer gewesen. Außerdem ist kaum anzunehmen, dass die Arbeit draußen im Wald künftig nachhaltig darunter leiden wird, wenn die Waldarbeiter und Förster ihrer Anweisungen nicht mehr aus Hermeskeil, sondern aus Dhronecken erhalten. Und noch ein Letztes: Das wahrscheinlichste Szenario ist doch, dass durch die Kommunalreform Dhronecken spätestens 2019 ohnehin zur VG Hermeskeil - oder nennen wir sie dann VG Hochwald - wechselt. Dann gibt es in dieser VG ein Forstamt plus ein Landeszentrum. Verlierer sehen anders aus. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) findet die Kritik aus Hermeskeil nicht gerechtfertigt. Mit den Reformplänen des Landes sei "überhaupt kein Bedeutungsverlust" für die Hochwaldstadt verbunden, sagte Höfken gestern unserer Zeitung. Mit dem Kompetenzzentrum würde das Land ein modernes und neues Angebot schaffen. Angesichts der negativen Stimmen aus dem Stadtrat sei das Ministerium aber dazu bereit, mehr "Aufklärungsarbeit zu leisten" und deutlich zu machen, welche vielfältigen Aufgaben das Hermeskeiler Zentrum übernehmen soll, so Höfken. Auch Nationalpark-Projektleiter Harald Egidi betont: "Das Zentrum ist viel mehr als ein reiner Maschinenstützpunkt, sondern eine organisatorisch eigenständige Dienststelle." ax