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stadtrat konz stimmt für radverkehrskonzept - analyse

Verkehr : Wie viel Radverkehr kann sich Konz leisten?

Der Konzer Stadtrat hat ein Radverkehrskonzept verabschiedet, das fast sieben Millionen Euro Investitionen von Bund, Land und Stadt nach sich ziehen würde, wenn alle Punkte umgesetzt würden. Der TV erklärt, was dahintersteckt.

Die Stadt Konz hat ein Radverkehrskonzept. Auf 114 Seiten, die inzwischen auch im Ratsinformationssystem online einsehbar sind, hat die Verwaltung in Zusammenarbeit mit einem externen Fachbüro den Zustand der Fahrradinfrastruktur in der Innenstadt und den Stadtteilen erfasst und Ideen entwickelt, wie dieser Zustand verbessert werden könnte: durch neuen Fahrbahnbelag, neue Radspuren und -wege sowie neue Fahrradständer und Parkmöglichkeiten. Hauptziel ist es, die Verkehrssicherheit zu erhöhen und den Fahrkomfort zu steigern.

Die gute Nachricht im Konzept: Bereits heute ist ein Großteil des Radverkehrsnetzes in Konz ohne Handlungsbedarf gut und sicher befahrbar. Allerdings muss laut dem Konzept an insgesamt 60 Stellen etwas geschehen. Aufhorchen lässt vor allem die geschätzte Summe aller Investitionen, die für die Umsetzung des gesamten Konzepts notwendig wären: fast sieben Millionen Euro.

Die Planer haben einzelne Maßnahmen im Konzept in unterschiedliche Prioritäten eingeordnet: 3,2 Millionen Euro wären für Projekte mit hoher Priorität vorgesehen, ebenfalls 3,2 Millionen Euro für Projekte mit mittlerer Priorität, etwa 400 000 Euro für Kleinmaßnahmen wie das kurzfristige Einzeichnen von Radspuren. Wichtig zur Erklärung des Konzepts ist die Erkenntnis, dass die Kosten nicht alle auf die Stadt entfallen. Viele der Projekte müssten zum Beispiel das Land (an Landesstraßen) oder der Kreis (an Kreisstraßen) finanzieren. Das hat den Vorteil, dass keine Kosten auf die Stadt entfallen, allerdings ist ihr Einfluss auch eher gering.

stadtrat konz stimmt für radverkehrskonzept - analyse
Foto: TV/Schramm, Johannes

Hohe Priorität bekommen in dem Konzept die Stellen, an denen akute Defizite bei der Verkehrssicherheit ausgemacht werden. Dazu gehört der holprige Radweg neben der Saarstraße, aber auch die fehlende Radverkehrsführung am Donut-Kreisel oder auf der Saarbrücke und in der Granastraße. Empfohlen wird zum Beispiel das kurzfristige Ausweisen eines einseitigen Schutzstreifens auf der Saarbrücke, bevor diese ohnehin saniert wird. In Bezug auf den Donut-Kreisel heißt es in dem Konzept: Die „Breite der Kreisfahrbahn muss so ausgestaltet sein, dass ein Überholen auf der Kreisfahrbahn nicht möglich ist.“

Neben solchen oberflächlichen Markierungen tauchen in dem Konzept auch Projekte auf, die richtig teuer werden könnten. Ein Beispiel dafür ist die Verbreiterung des Moselradwegs hinter Karthaus, wo der Weg direkt an den Gleisen vorbeigeführt wird. Eine genaue Kostenschätzung gibt es noch nicht. Dass es sehr teuer werden dürfte, den Weg auf drei Meter zu verbreitern, bezweifelt niemand. Denn dazu müssen wohl Stützpfeiler im Hang zur Mosel installiert werden. Die Kosten dafür entfielen nicht alleine auf die Stadt Konz. Im Rahmen des Ausbaus einer Pendlerradroute zwischen Konz, Trier und Schweich (siehe Zweittext) wird die Verbreiterung empfohlen. Wer zahlt, steht allerdings noch nicht fest.

Verbindlich umgesetzt wird also keines der 60 empfohlenen Projekte in dem Konzept. Sie werden zur Kenntnis genommen. Die Konzer Politiker in Bauausschuss und Stadtrat sind nun – so der Stadtratsbeschluss – am Zug, die einzelnen Projekte zu beraten, nach und nach umzusetzen und das Konzept mit Leben zu füllen. Für jeden einzelnen Schritt sind dazu Einzelbeschlüsse notwendig. Das Konzept ist – so drückt es der hauptamtliche Beigeordnete der Verbandsgemeinde Konz, Guido Wacht, aus – ein Stück Lobbyarbeit, von Radfahrern für Radfahrer entworfen. Wie viele Schutzstreifen, Radwege und -abstellmöglichkeiten letztlich eingerichtet werden, hängt vom politischen Willen in Konz ab.

Im Fazit heißt es deshalb, dass „weder Zeit- noch Kostenrahmen eine Realisierung des gesamten Handlungsbedarfs innerhalb der nächsten zehn Jahre erlauben.“ Über einzelne Projekte müsse entsprechend der verfügbaren Haushaltsmittel entschieden werden.