Städtebau-Programm in Kell am See: Vier neue Hingucker im Ortsbild geplant

Dorfentwicklung : Keller freuen sich über „Riesen-Glückstreffer“

Die Gemeinde bekommt bis 2022 Geld von Bund und Land, um ihren Ortskern aufzuwerten. Zum Auftakt wollen die Keller vier Plätze neu gestalten. Die Entwürfe hat der Rat abgesegnet. Profitieren werden vor allem Touristen, Autofahrer, Ortsvereine und Kirmesbesucher.

Für den Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen (CDU) ist das vor gut drei Jahren gestartete Städtebauprogramm ein „Riesen-Glückstreffer“. Aus dem Förderprogramm fließen bis 2022 hohe Zuschüsse in die Hochwaldgemeinde, die damit ihr Ortsbild kräftig umkrempeln will. Einige Bauruinen sind schon verschwunden oder wurden restauriert. Denn auch für private Sanierungsprojekte stehen Zuschüsse bereit (siehe Info).

Jetzt will auch die Gemeinde allmählich loslegen und treibt Ideen voran. Dabei stehen vier Projekte im Fokus, für die es bereits Entwürfe gibt. Bei einem Rundgang mit den Mitgliedern des Bauausschusses wurden diese Skizzen verfeinert. Den neuesten Stand stellte Planer Rainer Bachtler vom Büro BBP aus Kaiserslautern im Gemeinderat vor.

Platz am Rathaus Wer über den Ruwer-Hochwald-Radweg oder mit dem Auto aus Richtung Hermeskeil in den Ort hineinfährt, der kommt unweigerlich an einer großen Rasenfläche vorbei, die schräg gegenüber dem Rathaus liegt. Es gibt zwei Holzbänke, einen großen Fahnenmast und Infotafeln zur Ortsgemeinde. Zum Verweilen lädt der Platz aber nicht gerade ein. Das soll sich bald ändern. „Gäste und Einheimische sollen sich hier künftig gern aufhalten“, beschrieb Planer Bachtler sein Ziel.

Dazu müsse zunächst aus dem abfallenden Gelände eine ebene Fläche werden – mit Hilfe einer Treppe und Sitzsteinen (siehe Grafik links). Geplant sind Fahrradständer und eine Bank mit Picknicktisch für Radfahrer.

Die Infotafeln sollen bleiben. Allerdings regte Bachtler eine „modernere Gestaltung“ an. Beispielsweise könne man QR-Codes darauf drucken. Diese Symbole lassen sich mit dem Smartphone einscannen und leiten den Nutzer auf eine mit dem Code verknüpfte Internetseite. „Hier könnte man weitere Informationen über den Ort anbieten.“

Der Planer schlug außerdem vor, die bisherige Bezeichnung des Projekts zu ändern und statt vom „Gellnerplatz“ vom „Rathausplatz“ zu sprechen. Gäste von außerhalb könnten damit mehr anfangen. Dem stimmte auch der Rat zu. Der Name Rathausplatz passe in die aktuelle Situation, fand Ortschef Lehnen. Denn inzwischen sei klar, dass in Kell das Rathaus auch nach der Fusion mit der Verbandsgemeinde (VG) Saarburg bestehen bleibe. Möglicherweise könne man auf dem Platz auch eine Tafel zur Historie der bald aufgelösten VG Kell unterbringen. Johannes Reitz (CDU) regte an, für die Beschilderung im Ort insgesamt ein moderneres Konzept zu finden. Das Thema soll laut Lehnen im nächsten Jahr angepackt werden.

Kirmesplatz Große Veränderungen sind am Platz neben der Kirche geplant. Bislang musste die Gemeinde dort für die Kirmes Ende August stets eine mobile Bühne mieten. Die Kosten dafür will man sich künftig sparen. Ein privater Investor saniert das benachbarte Haus Sponticcia und erlaubt der Gemeinde, einen Teil seines Grundstücks für einen Anbau zu nutzen. Laut Bachtler soll dieser eine ganzjährig nutzbare Toiletten-Anlage und eine feste Bühne mit Zeltdach beinhalten (siehe Grafik rechts). Geplant sind auch Nebenräume, um etwa Stühle oder Instrumente zu verstauen. „Das wird eine richtig tolle Sache“, urteilte der Ortschef. Die Bühne könne auch von den Vereinen das ganze Jahr über rege genutzt werden.

Bahnhofstraße Ziemlich eng wird es für Autofahrer an der Einmündung der Marktstraße in die Bahnhofstraße. Mitten in der Kurve ragt ein Rondell in die Fahrbahn hinein. Das leerstehende Haus gegenüber hat die Gemeinde gekauft. Sie will es abreißen lassen, dadurch mehr Platz schaffen und den Bereich sicherer machen. Die Straße wird künftig so breit, dass laut Planer „ein Sattelzug oder ein Bus problemlos durchkommt“. Angelegt werden außerdem vier Parkplätze, die laut Ortschef an dieser Stelle „besonders wichtig sind, weil dort regelmäßig die Autos an der Straße stehen“.

Dorfpark Dumpert An der Trierer Straße plant die Gemeinde einen weiteren Hausabriss. Damit will sie einen Zugang zum Dorfpark Dumpert schaffen. „Wir öffnen diesen Bereich und bekommen einen freien Blick in den Park und auf den Kirchturm“, beschrieb der Planer. Vorgesehen sind dort acht Stellplätze für PKW, die nach Meinung der Ratsmitglieder auch vom Personal des nahe gelegenen Kindergartens genutzt werden könnten. Geplant ist außerdem ein Podest samt Sitzbank, über dessen Platzierung noch Uneinigkeit herrschte. Horst Zimmert (FWG) schlug vor, den Hausabriss abzuwarten und dann abzumessen, von wo man die beste Sicht in Richtung Park und Kirche erreiche.

Für den Kirmesplatz neben dem Haus Sponticcia plant die Gemeinde einen Anbau mit einem Bühnenpavillon und öffentlichen Toiletten (siehe unten). Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

Der Rat segnete die Entwürfe einstimmig ab und vergab die Abrissarbeiten. Die Planer bereiten nun die Ausschreibungen vor. Ortschef Lehnen: „Wir schaffen ein Ensemble an neu gestalteten Plätzen, die nicht nur verkehrstechnich eine Bereicherung werden, sondern das ganze Dorf moderner machen.“ Die Gemeinde sei auf dem „allerbesten Wege, die Fördermittel absolut sinnvoll einzusetzen“.

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