1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Standort gesucht für neue Kita: Hermeskeiler Ausschuss nennt Favoriten

Bauprojekt : Hermeskeil sucht Grundstück für neue Kita – Ausschuss hat einen Favoriten

Die Stadt Hermeskeil braucht ein Grundstück, um dort einen neuen Kindergarten für neun Gruppen zu errichten. Der Bauausschuss hat nun sieben mögliche Standorte genauer unter die Lupe genommen, hält aber nur einen davon für realisierbar. Dabei kommt auch der Kreis ins Spiel.

Die drei Kitas in Hermeskeil haben nicht mehr genug Platz, um auch zukünftig alle Kinder mit einem Anspruch auf Betreuung unterzubringen. Deshalb sucht die Stadt nach einem geeigneten Grundstück, auf dem ein neuer Kindergarten für mindestens neun Gruppen gebaut werden kann. Der städtische Bauausschuss hat nun sieben Flächen genauer betrachtet und ihre Vorzüge und Nachteile notiert. Dabei hat sich ein Standort herauskristallisiert, der in den politischen Gremien weiter verfolgt werden soll.

Zuvor hatte der erste Beigeordnete René Treitz (SPD) Tabellen mit Kategorien ausgeteilt, anhand derer die Ausschussmitglieder die möglichen Standorte bewerten sollten. „Bei der Entscheidung soll am Ende jedes Ratsmitglied ruhigen Gewissens die Hand heben können“, sagte Treitz. Dazu wolle er „vorher alle wichtigen Faktoren angesprochen und sauber abgearbeitet haben“.

Vorgeschlagen waren die Tennisanlage am Labach, der Parkplatz neben der Integrierten Gesamt­schule (IGS) in Richtung Sägewerk, ein noch zu erschließender zweiter Abschnitt des Baugebiets Auf der Pferch, der Garten des ehemaligen Franziskanerklosters, der St. Fargeau-Park, das Grundstück der Kita Adolph Kolping sowie eine Fläche neben dem Freibad. Alle sieben wurden auf Kriterien hin geprüft, die der Beigeordnete vorschlug und der Ausschuss ergänzte. Zur Größe des Geländes stellte Treitz fest, das für eine neungruppige Kita mit Parkplätzen mindestens 4800 Quadratmeter benötigt würden. Berücksichtigen sollte die Stadt zudem, ob eine bauliche Erweiterung an dem Standort möglich sei: „Sonst müssen wir in ein paar Jahren wieder eine neue Kita bauen.“ Für sehr wichtig halte er die Frage, wie gut der Abhol- und Bringverkehr durch die Eltern, die Busanbindung sowie die Anbindung an Innenstadt und Grundschule umzusetzen wären, erklärte der Beigeordnete. Ebenso müssten mögliche Konflikte mit Nachbarn einbezogen werden.

Nach der Bewertung aller Standorte war für die Ausschussmitglieder klar, welche aufgrund von „K.O.-Kriterien“ gar nicht weiter betrachtet werden sollten. Einig war man sich, dass die Flächen Auf der Pferch, Kita Adolph Kolping und neben dem Freibad zu klein für einen Neubau sind. Im Fall der Kita-Fläche müssten zudem Nachbargrundstücke dazugekauft und Wohnhäuser kostspielig abgerissen werden.

Beim Parkplatz neben der IGS bezweifelte Roland Eiden (CDU), dass dort aufgrund des starken Gefälles überhaupt ein einstöckiger Kindergarten zu realisieren wäre. Zudem sei offen, wie der Wegfall der Parkmöglichkeiten kompensiert werde. Im Klostergarten sah Treitz „große Probleme“ beim Thema verkehrliche Erschließung. Schon das Seniorenwohnprojekt, das Investoren aus dem Saarland dort errichten möchten, sei wegen der Verkehrs- und Parksituation auf Widerstand der Anwohner gestoßen.

  Wird das der Standort für die neue Kita in Hermeskeil? Nach Meinung des Bauausschusses ist das Gelände der Tennisanlage am ehesten für das Projekt geeignet. Diese Tischvorlage zeigt die Grundstücke in Besitz der Stadt (rot umrandet) und des Landkreises Trier-Saarburg (blau umrandet).
Wird das der Standort für die neue Kita in Hermeskeil? Nach Meinung des Bauausschusses ist das Gelände der Tennisanlage am ehesten für das Projekt geeignet. Diese Tischvorlage zeigt die Grundstücke in Besitz der Stadt (rot umrandet) und des Landkreises Trier-Saarburg (blau umrandet). Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

Der St. Fargeau-Park ist laut Stadtbürgermeisterin Lena Weber (SPD) keine Option, weil die Stadt für den Park einen städtebaulichen Vertrag mit einem Investor unterzeichnet hat, der dort eine Privatklinik für Burnout-Patienten geplant hat. Zwar scheinen diese Pläne nicht mehr akut zu sein. „Ohne Schadenersatzzahlung kämen wir aber aus dem Vertrag derzeit nicht raus“, sagte Weber. Das sei vom Gemeinde- und Städtebund geprüft worden.

„Realistisch bleibt nur die Tennisanlage übrig“, fasste Klaus-Peter Breuer (Die Linke) das Ergebnis der Abwägungen zusammen. Dort gehören etwa 9500 Quadratmeter – fünf Tennisplätze plus Parkplatz – der Stadt. Volker König (SPD) bat im Namen des Turnvereins darum, zumindest zwei Plätze für den Tennissport in Hermeskeil zu erhalten. Hierzu verwies die Stadtchefin auf eine laufende Machbarkeitsstudie für die geplante Sportstätte mit Kunstrasenplatz am Wald­stadion. Dort könnten möglicherweise auch Tennisplätze integriert werden.

An die Tennisanlage grenzt ein 2500 Quadratmeter großes Grundstück des Kreises Trier-Saarburg an. Das dort befindliche marode Umkleidegebäude wird für den Sportunterricht der IGS schon länger nicht mehr genutzt. Auf Nachfrage von Ausschussmitgliedern, ob das Kreis-Grundstück zur Verfügung stehe, gab Stadtchefin Weber einen kurzen Mailverkehr mit der Kreisverwaltung wieder. Demnach stehe der Kreis Gesprächen grundsätzlich offen gegenüber. Sollte auch der sanierungsbedürftige IGS-Sportplatz nebenan in absehbarer Zeit aufgegeben werden, würde dies laut Treitz noch größeres „Entwicklungspotenzial“ für die Stadt an dieser Stelle ergeben. Dies sei jedoch „Zukunftsmusik“, zuerst müsse man jetzt mit dem Kita-Neubau vorankommen.

Dazu soll sich der Haupt- und Finanzausschuss mit dem Standort Tennisanlage weiter befassen – oder gegebenenfalls eine Alternative einbringen. Die finale Entscheidung im Stadtrat soll bis 30. Juni fallen. Dieser Zeitplan sei eine Bedingung der Jugendämter von Land und Kreis für die Genehmigung der Kita-Notgruppe gewesen, sagte Treitz. Diese soll ins ehemalige evangelische Gemeindehaus einziehen, um das akute Fehlen von 30 Betreuungsplätzen zu überbrücken: „Mitte April soll alles bezugsfertig sein.“