Starke Truppe aus Hermeskeil kämpft um den Sieg

Hermeskeil · Das Technische Hilfswerk (THW) Hermeskeil stellt einmal mehr seine vorbildliche Nachwuchsarbeit unter Beweis. Seine Jugendgruppe geht am Samstag als Vertreter des Landes Rheinland-Pfalz beim THW-Bundeswettbewerb in Landshut an den Start. Auch ein 160 000 Euro teures Bauprojekt des Bundes hängt eng mit der Ausbildung der jungen THWler im Hochwald zusammen.

Hermeskeil. "Achtung! Jetzt geht\'s los. Hebt an. Wasser kommt." Auf dem Außengelände vor dem Hermeskeiler THW-Haus in der Raiffeisenstraße gibt Christian Lofi seinen Mannschaftskollegen klare Kommandos. Zehn Jungen und Mädchen stehen - beobachtet von Betreuer Bernd Weber - auf einem Übungsparcours mit mehreren Stationen. Ein Teil der Gruppe hält in diesem Moment graue Rohre hoch. Von dort wird das Wasser in eine Holzrinne geleitet, um kurz darauf in einen von Sandsäcken umgebenen Brunnen zu laufen. Das Wasser wird anschließend mit einer Seilwinde, an der ein Eimer hängt, wieder herausgeschöpft.
"Mit dieser selbst installierten Leitung verbinden sich alte und neue Welt", erklärt THW-Ortsgruppenchef Helmut Olinger das Geschehen. Mit diesem gezielten Training bereitet sich die Hermeskeiler THW-Jugend auf ihren großen Auftritt am Samstag vor. Am 4. August wird die Nachwuchsgruppe aus der Hochwaldstadt Rheinland-Pfalz beim Bundesjugendwettkampf 2012 im bayerischen Landshut vertreten. Der steht dieses Mal unter dem Motto "Mittelalter versus Moderne" - das heißt THW-Technik des Jahres 2012 trifft auf Konstruktionen aus der Ritterzeit. Innerhalb von zwei Stunden müssen die Hermeskeiler THWler und ihre Konkurrenten beim Wettbewerb insgesamt 13 Aufgaben bewältigen. Dazu zählt neben der eingangs erwähnten Herstellung einer Wasserversorgung wie in früheren Zeiten die Rettung von "Verletzten" mit modernem Gerät. Eine Holzpuppe wird beispielsweise von den jungen THWlern von einem Turm heruntergelassen. Eine andere Puppe ist verschüttet. Um sie zu befreien, müssen die Helfer erst einmal eine Wand durchbrechen.
Die Hermeskeiler Jugendlichen spielen die Abläufe, die beim Wettkampf reibungslos funktionieren sollen, im Training zum wiederholten Mal durch. Seit Mai bereitet sich die Gruppe auf Landshut vor. "Die meisten Punkte erhält dort nicht die Mannschaft, die am schnellsten fertig ist, sondern das Team, das am saubersten arbeitet. Wichtig ist auch, dass alle Vorschriften zur Unfallverhütung eingehalten werden", sagt THW-Gruppenführer Matthias Mergens.
Christian Lofi und seine Mitstreiter - darunter drei Mädchen - fühlen sich gut vorbereitet und haben sich ein klares Ziel gesetzt. "In Trier wurden wir 2008 Zweiter. Diesen Platz wollen wir wieder erreichen." Diese Aussage deutet es schon an: Am Samstag ist es für die Hermeskeiler THW-Jugend keine Premiere, dass sie die rheinland-pfälzische Fahne beim Bundeswettkampf hochhält. Das macht die Nachwuchsabteilung, der zurzeit 36 Jungen und Mädchen zwischen zehn und 17 Jahren angehören, schon zum fünften Mal. "Ich denke, allein das beweist schon, dass wir eine gute Jugendarbeit machen", sagt Olinger.
Deshalb hat das Hermeskeiler THW auch ein gutes personelles Reservoir für die Erwachsenengruppe, die im Ernstfall Hilfe leistet (siehe Extra). "Allein dieses Jahr werden sieben Jugendliche mit der Grundausbildung für den aktiven Dienst beginnen", sagt Olinger stolz. Christoph Kratz engagiert sich beim THW beispielsweise deshalb, "weil ich hier unheimlich viel lernen kann. Noch geht es zwar in erster Linie um den Spaß. Es ist aber ein gutes Gefühl, zu einer Gruppe zu gehören, in der ich später vielleicht sogar Leben retten kann", sagt Kratz.
Ein Hindernis für die Jugendarbeit sind zwar derzeit noch die etwas beengten Verhältnisse im Hermeskeiler THW-Haus. Gerade weil die Nachwuchsabteilung so groß ist, will der Bund - ihm untersteht das THW - aber einen 80 Quadratmeter großen Anbau an das bestehende Domizil errichten. Diese Arbeiten sollen nach Auskunft von Franz Kuhn von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) im März 2013 beginnen. Der Anbau wird voraussichtlich 160 000 Euro kosten.

Extra

Die Hermeskeiler THW-Ortsgruppe wurde 1971 gegründet. Sie hat zurzeit rund 60 aktive Helfer. Im Not- und Katastrophenfall kann THW-Chef Olinger aber auch auf weiter weg lebende THWler zurückgreifen. "Man kann das mit den Reservisten bei der Bundeswehr vergleichen", so Olinger. Das Hermeskeiler THW könnte dann ein etwa 100-köpfiges Hilfsteam stellen. Einen wochenlangen Einsatz mit großer Mannschaft hatte das THW Hermeskeil beispielsweise beim Elbehochwasser 2002. Einzelne Spezialisten aus dem Hochwald wurden auch zu Auslandseinsätzen herangezogen - etwa nach der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean an Weihnachten 2004. Das Know-how und die Ausrüstung des Hermeskeiler THW sind aber auch im lokalen Bereich gefragt. So sicherten sie im Januar ein akut einsturzgefährdetes Haus in Abtei ab. Zuletzt waren die Helfer aus dem Hochwald Anfang Juli als Rettungskräfte beim großen Unwetter in Kenn im Einsatz. ax

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