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Startschuss für die neue Schulform in Saarburg

Startschuss für die neue Schulform in Saarburg

Saarburg bekommt ein Wirtschaftsgymnasium. Ab dem Schuljahr 2010/2011 können Jugendliche in der neuen Einrichtung, die an die Berufsbildende Schule angekoppelt wird, die allgemeine Hochschulreife erlangen.

Saarburg-Beurig/Hermeskeil. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen: Ähnlich diesem Motto haben die Saarburger im zweiten Schritt vom zuständigen Ministerium in Mainz die Zusage für ein berufliches Gymnasium, ein Wirtschaftsgymnasium im Schulzentrum Saarburg-Beurig, erhalten.

Start ist nach den Sommerferien 2010. Eingerichtet wird das Angebot als Ergänzung zu den bestehenden Formen an der Berufsbildenden Geschwister-Scholl-Schule, zu der auch die Außenstelle in Hermeskeil gehört. Dabei ist die gesamte Entwicklung und Entscheidung im Zusammenhang mit dem Schulentwicklungskonzept des Kreises zu sehen. Anfang des Jahres waren die Verbandsgemeinden (VG) aufgefordert worden, ihre Wünsche und Vorstellungen für den jeweiligen Schulstandort zu formulieren. Die VG Saarburg hatte - wie auch die Nachbarn in Hermeskeil - eine sechszügige Integrierte Gesamtschule (IGS) beantragt.

Vor den Herbstferien hatte das Land grünes Licht für eine vierzügige IGS in Hermeskeil und eine Realschule plus in integrativer Form in Saarburg gegeben (der TV berichtete mehrfach). Über das ebenfalls von Saarburg beantragte Wirtschaftsgymnasium war zu dem Zeitpunkt noch nicht entschieden worden.

"Das ist für Saarburg ein ganz dickes Ding", kommentiert Gerhard Faß, Leiter der Berufsbildenden Schule (BBS) und künftiger Leiter des Wirtschaftsgymnasiums. "Wir können dann am Standort das anbieten, was nachgefragt wird."

"Nicht unerheblich" sei nämlich seit Jahren die Zahl der Schüler, die nach der zehnten Klasse vom Saarburger Gymnasium abgingen und dann an die beruflichen Gymnasien nach Trier oder ins Saarland wechselten, weiß auch Rainer Kramer, Leiter des Saarburger Gymnasiums.

Ab Sommer 2010 steht ihnen neben dem bereits bisher möglichen Abschluss des Fach-Abiturs an der BBS auch die Option der allgemeinen Hochschulreife offen. Damit sind Studiengänge von Medizin bis Betriebswirtschaftslehre möglich.

Während sie in Stufe elf im Klassensystem unterrichtet werden, wird der Stoff in Stufe zwölf und 13 in Kursen vermittelt. Betriebswirtschaftslehre (BWL), Volkswirtschaftslehre (VWL), Rechnungswesen und Informatik gehören zu den Pflichtfächern. "Wer hinterher BWL oder VWL studiert, hat mit diesem Abschluss ganz klar einen Vorteil in den ersten Semestern", ist Faß überzeugt. Ein Schwerpunkt liegt in Saarburg auf der Informatik, wo bereits heute IT-Kaufleute (Informations-Technologie) ausgebildet werden.

Personelle oder räumliche Veränderungen würden durch das neue Gymnasium in Trägerschaft des Kreises Trier-Saarburg nicht notwendig. "Wir können die Fachräume der Realschule mitnutzen und bekommen den Unterricht mit unseren 80 Lehrern aus Saarburg und der Außenstelle Hermeskeil gestemmt", sagt Faß.

Mindestens 50 Anmeldungen müssen für das kommende Schuljahr vorliegen. Dabei werden nicht allein Schüler aus Saarburg akzeptiert, sondern auch aus den Nachbarstädten und der Region. Am ersten Februar beginnt die Anmeldefrist.

Meinung

Damit lässt sich leben

Die Kompromiss-Lösung ist perfekt: Statt Integrierter Gesamtschule bekommen die Saarburger zum Schuljahresbeginn 2010 eine Realschule plus in integrativer Form und - angekoppelt an die Berufsbildende Schule - zusätzlich ein Wirtschaftsgymnasium. Damit ist zwar der ursprüngliche Wunsch vonseiten der Saarburger Schulen, Eltern und der Mehrheit der politischen Entscheidungsträger nicht erfüllt worden. Hermeskeil hat sich von seiner Ideal-Vorstellung verabschieden müssen, ebenfalls ein eigenes Wirtschaftsgymnasium zu bekommen. Bei den Nachbarn in Trier, die mit ihrem seit Jahren bestehenden Wirtschaftsgymnasium bislang vom diesbezüglichen "Vakuum" in Saarburg profitiert und Schülerströme abgezogen haben, wird die Entscheidung aus Mainz auch keine Freudensprünge ausgelöst haben. In Anbetracht der gegebenen, vor allem aber auch realistischen Voraussetzungen ist das in Mainz geschnürte Paket für Saarburg jedoch ganz sicher eine Lösung, mit der es sich arrangieren lässt und eine, die Abwanderungen eindämmt und den Schulstandort aufwertet. s.rendenbach@volksfreund.de