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Stefan Reusch und Jazzband Schräglage in der Kulturgießerei Saarburg

Veranstaltung : Wenn die Füße wippen und die Hirne arbeiten

Mit schnellem Wortwitz und hintergründigen Verdrehungen beleuchtete der satirische SWR-Wochenrückblicker Stefan Reusch am Samstag in der Kulturgießerei in Saarburg die politische Weltlage. Begleitet hat ihn die Schräglage-Jazzband.

Der Mann kann es einfach: Wer die satirischen Wochenrückblicke in den SWR-Radioprogrammen kennt, ist eigentlich automatisch Fan des Kabarettisten Stefan Reusch.

Nach langer Pause findet am Samstagabend in der alten Gießhalle der ehemaligen Glockengießerei im Saarburger Staden wieder eine Live-Veranstaltung statt. Die Corona-Auflagen sind aufgehoben, und so sitzen die rund drei Dutzend Zuschauer von Maskenpflicht befreit vor der Bühne, wo die achtköpfige Jazzband Schräglage mit Swing und Dixieland Stimmung macht. Ein bisschen unwohl fühlt sich mancher angesichts hoher Infektionszahlen dennoch, einige tragen noch ihre FFP2-Maske.

Es fühlt sich jedenfalls gut an, wieder Kunst live zu erleben, und Stefan Reusch und die Band sind in ihrem Element. Er will die Welt retten, und dazu erklärt er sie zunächst einmal. Jesus, Superman und Lauterbach hätten das ja auch schon versucht, er sieht sich also in guter Gesellschaft. Im Moment erkennt Reusch drei große Gefahren – allegorisch für die Bedrohung nennt er „Fluten, Faschos und Fladimir.“ Wobei zwischen Faschisten und Putin die Grenze verschwimmt, manchmal muss man bei seiner Wortakrobatik genau hinhören. Den Zuschauern bleibt hier das Lachen im Halse stecken. Sowieso ist Reuschs Programm nicht auf Brüller angelegt – tiefgründiger Hintersinn regiert. Seine Wortverdrehungen sind schon im SWR-Wochenrückblick legendär, etwa wenn Gerhard Schröder das große „Rubel-Los“ gezogen zu haben scheint. Alle bekommen ihr Fett weg, die CDU mit ihren Masken­deals ist der „Clan deutscher Unternehmer“, Jens Spahn schätzt Reusch sehr, „wenn auch gering“. Und Armin Laschet ist „ein Mann, wie in Brei gemeißelt“. Wo und wer Olaf Scholz aber ist, weiß der Kabarettist auch nicht. Die SPD sei in „Steinmeier-Putin-Diplomatie gefangen“, Scholz beherrsche auch Multi-Tasking: „Viele Dinge gleichzeitig nicht erledigen.“

Manchmal verhaspelt Reusch sich, führt Sätze nicht zu Ende, das klingt fahrig, ist aber gewollt und gekonnt. Ein Meisterwerk an sprachlichem Timing, jedes Wort und jede Pause kunstvoll gesetzt.

Dazu spielt Schräglage mit großem Bläser-Besteck beeindruckend „All of you“, „C’est si bon“ oder „Pennies from Heaven“, jeweils passend zu Reuschs Themen. Das swingt, die Füße wippen, und die Hirne der Zuschauer arbeiten sichtbar.

Die nächste Kabarett-Veranstaltung in der Kulturgießerei Saarburg: „Liebes
Klima, gute Besserung!“ mit Holger Paetz am Samstag, 30. April, 19.30 Uhr.