Steinerne Zeugen

KONZ-OBEREMMEL. Obwohl keiner von ihnen mehr in Oberemmel lebt, sind sie noch präsent in der Gemeinde, die ehemaligen jüdischen Einwohner. Die Erinnerung an sie wird auf dem jüdischen Friedhof lebendig gehalten.

"Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren", sagte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker in einer Rede zum 8. Mai. Um diese Gefahr so gering wie möglich zu halten, wird in Deutschland der jüdischen Mitmenschen gedacht, die durch das Naziregime vertrieben, verfolgt und ermordet worden sind. Im Konzer Stadtteil Oberemmel werden die Erinnerungen an die einstigen Bewohner durch den jüdischen Friedhof in der Altenbergstraße wach gehalten. Eine Mauer und ein Eisentor umzäunen den rund 120 Quadratmeter großen jüdischen Friedhof. An der Mauer weist eine Gedenktafel mit Symbolen des jüdischen Glaubens, angebracht vom Heimat- und Kulturverein des Kreises Trier-Saarburg, darauf hin, wozu der Friedhof auch heute noch dient: "Zur Erinnerung an die Mitbürger jüdischen Glaubens von Oberemmel." Die Konzer Stadtverwaltung und die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier sorgen für die Pflege der Grabmale. Die Synagoge, die auf einem Hügel in der Scharzbergstraße gestanden hat, existiert nicht mehr. In 13 Gräbern, von denen zwei keinen Gedenkstein haben, ruhen nach Aussage von Lehrer und Heimatforscher Willi Körtels Oberemmeler und Pellinger Juden. Einige der Grabsteine sind mit hebräischen Schriftzeichen versehen, die Namen der Menschen sind in lateinischer Schrift zu lesen. Bei mehreren Grabsteinen fehlen die Tafeln mit der Inschrift. Wer dort begraben liegt, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Eine Tafel erinnert auf dem Friedhof an die Deportation und die Qualen, die die Juden in Deutschland im Dritten Reich erlitten. Während des Zweiten Weltkriegs waren die Steine des Friedhofs entfernt und übereinander gestapelt worden. Einige Jahre nutzte ein Waffeninspekteur die Fläche des Friedhofs sogar als Garten, wie Körtels herausgefunden hat, der sich seit einigen Jahren - unter anderem mit Schülern - intensiv mit der Geschichte der Juden in der Region auseinandersetzt. Die Steine wurden nach den Kriegswirren wieder aufgerichtet, ohne dass man noch exakt nachvollziehen konnte, wo die ursprünglichen Gräber waren. Dass der jüdische Friedhof in Oberemmel wieder hergerichtet wurde, ist Willy Herrmann zu verdanken. Der aus Zerf stammende Amerikaner ist der Enkel zweier Menschen, die dort ihre letzte Ruhestätte haben. Als er 1945 als Soldat nach Oberemmel kam, veranlasste er die Wiederherstellung des Friedhofs. Für Herrmann sei dies ein wichtiges Anliegen gewesen, schildert Willi Körtels, weil ein "Friedhof nach jüdischem Verständnis ein Ort ist, der bis zur Ankunft des Messias am Jüngsten Tag nicht angetastet werden darf." Die Angaben über die Zahl der Juden, die bis zum Beginn der Verfolgung durch die Nazis in Oberemmel gelebt haben, sind unterschiedlich. 1895 lebten vermutlich 31 Juden im Ort, 1938 nur noch fünf. Viele Familien flüchteten, um den unerträglichen Belastungen, Schikanen und Einschränkungen zu entkommen. Einer von ihnen war Jules Herrmann. Bis 1933 lebten seine Eltern und seine Schwestern in Oberemmel, er hatte den Ort bereits wegen seines Studiums verlassen. Während das Haus der Familie von den Nazis besetzt wurde, sein Vater bis zur Besinnungslosigkeit verprügelt und anschließend in "Schutzhaft" genommen wurde, wurde er wegen seines Glaubens exmatrikuliert. Die Familie flüchtete nach Frankreich, wo sie nach Jahren, in denen sie sich noch immer vor den Nazis in Acht nehmen musste, ein neues Leben beginnen konnte. Weniger Glück hatte hingegen eine weitere Oberemmeler Familie, die ebenfalls nach Frankreich emigriert war, aber 1942 von den Deutschen in ein Konzentrationslager deportiert wurde. Von vier Familienmitgliedern habe nur ein Sohn überlebt, der nach Amerika auswanderte, berichtet Körtels. Insgesamt seien neun Juden aus Oberemmel in Konzentrationslagern ermordet worden. Deshalb ist es ihm so wichtig, an diese Unmenschlichkeit zu erinnern, um den neuen Ansteckungsgefahren vorzubeugen. Am Tag der jüdischen Kultur, am Sonntag, 3. September, wird um 15 Uhr eine Führung über den jüdischen Friedhof in Konz-Könen angeboten. Treffpunkt ist die Reinigerstraße. Weitere Infos gibt es per Telefon: 06501/15774 oder per E-Mail an: koertels@t-online.de. Über Zeugnisse jüdischen Glaubens in der Verbandsgemeinde Konz berichtet der Trierische Volksfreund künftig in einer kleinen Serie.