Steinrasseln über der Saar

TABEN-RODT. Naturbelassen und urig: Das Naturschutzgebiet (NSG) Tabener Urwald bietet Spaziergängern imposante Ausblicke auf die Saar, ungewöhnliche Halden und markante, bis zu 300 Jahre alte Eichen. Bei tropischen Temperaturen ist eine Wanderung durch den schattigen Wald gerade richtig.

Bereits 1938 wurde der Wald auf der linken Saarseite südlich von Taben-Rodt als Naturschutzgebiet ausgewiesen; heute ist das 17 Hektar große Gelände Bestandteil des Naturschutzgebiets "Saarsteilhänge am Kaiserweg". Bester Einstieg in den Tabener Urwald ist der Kaiserweg, der bei der Michaelskapelle beginnt. Dort gibt es informative Schautafeln über das NSG und die Michaelskapelle. Sie liegt am Ende der Brunnenstraße oberhalb des Dorfes mit herrlichem Blick auf die Saar, gleich gegenüber eines Steinbruchs. Von dort geht der Kaiserweg, der Bestandteil des Ardennen-Böhmer Wald-Fernwanderweges ist, durch schattigen Wald vorbei an dem kühlen Wenichbach in Richtung Urwald. Die veränderte, urige Baumlandschaft zeigt den Beginn des NSG nach 45-minütiger Wanderung an. Bei einem Aussichtspunkt auf die Saar dann das markanteste Kennzeichen des Tabener Urwalds: Eine riesige Blockschutthalde, die sich über dem etwa 60 Grad abfallenden Hang ergießt. Fast sieht es aus, als wäre soeben eine Lawine in das Tal hinab gegangen. Auf Wegen bleiben und nicht herumklettern

Infolge von Erosion - Frost im Winter, ungehinderte starke Sonnenstrahlung im Sommer - ist der Taunusquarzid in spitzen Steinen aufgebrochen und zersetzt. Das Geräusch, wenn sich mal ein Stein löst und den Hang hinab rutscht, hat der Halde einen Beinamen eingebracht: Steinrasseln oder Steinrauschen. Gefährlich sei das nicht, meint der Leiter des Forstreviers Freudenburg, Herbert Kirchartz. "Wir sind hier ja nicht am Gotthardt." Dennoch ist es selbstverständlich, wie in allen anderen Naturschutzgebieten auf den Wegen zu bleiben und keinesfalls auf dem Hang herumzuklettern. Mauerechsen und Schlingnattern

Außer Moosen, Flechten und Farnen am Rande der Blockschutthalde ist keine Vegetation auszumachen. Die Folge: Auf der im Sommer heißen Halde leben beispielsweise Mauerechsen und Schlingnattern. Uralte Naturruinen wie Eichen gleich nebenan im Wald bieten als Totholzbäume Lebensraum für verschiedene Tiere, wie die Biologin Annette Schäfer erläutert. Auf eine alte Eiche kämen durchschnittlich 200 Tierarten, die sich von dem verpilzten Baum ernährten oder darin lebten. Wie beispielsweise Hirschkäfer, der in Mitteleuropa gefährdete Eremit oder der Eichenbock. Fledermäuse und Hohltauben finden ebenfalls im Tabener Urwald einen Lebensraum. Und der sehr seltene Mittelspecht. Auf dem trockenen und warmen Hang wächst die seltene Mehlbeere - für Vögel ein gefundenes Fressen. Forstwirtschaftlichen Nutzen hat der Tabener Urwald seit etwa 150 Jahren nicht mehr, meint Kirchartz. Dennoch muss in gewisser Weise pflegend eingegriffen werden. Denn einerseits solle das Naturschutzgebiet in seiner Ursprünglichkeit bewahrt werden. Andererseits müssten auch Verkehrssicherungspflichten erfüllt werden. Der Wanderweg erfreue sich großer Beliebtheit, berichtet er. Und hat gleich noch einen Tipp für einen Rundweg parat: Dem Kaiserweg folgen, unterhalb der Jensenhütte links hinunter an das Saarufer, von dort an der Saar wieder zurück nach Taben-Rodt - das ergibt eine Wegstrecke von insgesamt zwölf Kilometern Länge.

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