Sternapotheke in Konz schließt - Verband erläutert Gründe

Kostenpflichtiger Inhalt: Apothekensterben : Apotheker kämpfen an vielen Fronten

Zu wenige Fachkräfte, Online-Konkurrenz und unzulängliche politische Rahmenbedingungen: In Konz hat die Sternapotheke Ende November geschlossen. Auch andere Betriebe in der Region stehen vor großen Herausforderungen.

Das Licht in der Sternapotheke ist aus. Apothekerin Kerstin Iversen und ihr Mann Peter Iversen-Schwier haben den Betrieb in der Konzer Bahnhofstraße nach zwölf Jahren geschlossen. Die Gründe sind vielfältig. Eine Ursache ist, dass der Allgemeinmediziner seine Praxis in der Nachbarschaft altersbedingt geschlossen hat. So fielen viele Patienten mit Rezepten als Kunden weg. Denn: Apotheken in der Nähe von Arztsitzen laufen besser, weil die Patienten ihre Rezepte dort einlösen und die Pharmazeuten ihr Geld über die Masse an verkauften Arzneimitteln machen (siehe Info). Iversen-Schwier nennt im Gespräch mit dem TV vor  allem drei weitere Gründe: Fachkräftemangel, neue gesetzliche Vorgaben und Konkurrenz durch Online-Apotheken.

Der Apothekerverband Rheinland-Pfalz bestätigt die Probleme. Eine Folge ist, dass die Zahl der Apotheken in Rheinland-Pfalz laut Apothekerverband in den vergangenen zehn Jahren um rund elf Prozent zurückgegangen ist.

Fachkräftemangel Personal wird zurzeit in vielen Apotheken in der Region gesucht. Fündig werden wenige – schnell fast niemand. Das belegt ein Blick in den Stellenmarkt auf der Internetseite der Landesapothekenkammer. In der Region Trier stehen zwei Stellengesuchen 22 Stellenausschreibungen gegenüber. Zum Teil stammen die Ausschreibungen vom Oktober.

Anzahl Apotheken in der Region Kopie_InterRed. Foto: TV/Schramm, Johannes

Der Fachkräftemangel führte laut Peter Iversen-Schwier in der Sternapotheke dazu, dass seine Frau bis zu 100 Stunden pro Woche gearbeitet habe. Dann sei sie zusammengebrochen. Fünf weitere Mitarbeiter hätten gekündigt. So war der Betrieb, zu dem ein Heimversorgungssystem in den Dörfern gehörte, laut Iversen-Schwier nicht mehr aufrechtzuerhalten. „Wir finden keine PTAs mehr“, sagt der 55-Jährige. Zum Teil würden sie aktiv abgeworben und Löhne gezahlt, die 30 Prozent über Tarifniveau lägen, sagt Iversen-Schwier.

Frank Eickmann, Pressesprecher des rheinland-pfälzischen Apothekerverbands, bestätigt die „problematische Personalsituation“ in der Branche. „Die Abgabe von Arzneimitteln ist ausschließlich den Berufen ApothekerIn und Pharmazeutisch-Technische AssistentIn (PTA) unter Aufsicht eines Apothekers gestattet“, erläutert er. Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) unterstützen die Apotheken bei Einkauf und Lagermanagement. „Apotheker und PTAs sind anerkannte Mangelberufe“, sagt Eickmann. „Insbesondere im ländlichen Bereich ist die Akquise dieses Personals zusätzlich erschwert.“ Auch die Suche nach einem Nachfolge-Apotheker verlaufe oft erfolglos.

Kritik an Rahmenbedingungen Die Honorierung ist seit vielen Jahren unverändert, „so dass die Apotheken von einer wirtschaftlichen Entwicklung weitgehend abgekoppelt sind“, sagt Eickmann. „Gleichzeitig steigen in den Betrieben die Kosten.“  Neben den klassischen betrieblichen Faktoren beklagen Eickmann und Iversen-Schwier, dass die finanzielle Belastung durch immer weitere gesetzliche und administrative Verpflichtungen steige. Eickmann nennt die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO)  sowie die Digitalisierung in Form von elektronischen Rezepten als Herausforderungen.

Ein weiterer Punkt, den Eickmann aufzählt, ist die Sicherheitsdatenbank SecurPharm. Mit deren Hilfe sollen europaweit Medikamentenfälschungen unterbunden werden. Laut Iversen-Schwier hat das Einpflegen der monatlich rund 5000 Medikamente in der Sternapotheke dazu geführt, dass dort eine Fachkraft mindestens einen ganzen Tag nur daran arbeiten musste. Arbeit, die keine Einnahmen bringt, sondern nur gesetzliche Vorgaben erfüllt.

Online-Konkurrenz Die Konkurrenz im Online-Handel belaste die Branche zusätzlich. Und da prangert Iversen-Schwier besonders an, dass Versender aus dem Ausland sich nach einem Urteil des EuGH von 2016 nicht an die in Deutschland geltenden einheitlichen Abgabepreise für verschreibungspflichtige Arzneimittel halten müssen. Sie dürfen im Gegensatz zu Apotheken vor Ort Preisnachlässe gewähren. „In Deutschland gibt es sogar ein höchstrichterliches Verbot, als Apotheker etwas mitzugeben“, sagt Iversen-Schwier. Damit bezieht er sich auf ein Urteil des Bundesgerichtshof von 2017, das es Apothekern untersagt, Kunden mit Rezept Traubenzucker, Taschentücher oder andere Kleingeschenke mitzugeben.   Verbandssprecher Eickmann meint zu der Gesetzeslage: „Das schafft ein wettbewerbliches Ungleichgewicht.“ Er verweist aber auch auf das von der Bundesregierung geplante „Vor-Ort-Apotheken-Stärkungsgesetz“. Es liegt als Entwurf vor und hat das Kabinett  passiert. Wann es in den Bundestag eingebracht und verabschiedet wird, ist offen.


Weite Wege als Folge Der Apotheker-Verband hält die ortsnahe Versorgung in Rheinland-Pfalz nicht für gefährdet. Allerdings seien im ländlichen Bereich die Wege für Patienten durch Schließungen von Apotheken „oft schon grenzwertig weit“, sagt Eickmann. „Dort, wo sie unzumutbar weit sind und die ordnungsgemäße Versorgung mit Arzneimitteln nicht mehr gewährleistet werden kann, können sogenannte Rezeptsammelstellen installiert werden.“ Solch eine Sammelstelle gibt es unter anderem in Freudenburg. Dort funktioniert das Konzept laut der örtlichen Arztpraxis von Dr. Madalina Grigoriu gut. Zwei Apotheken aus Saarburg holen die Rezepte in dem Dorf ab und liefern später die entsprechenden Medikamente aus.

Lieferengpässe Weiter erschwert wird die Lage dadurch, dass bestimmte Wirkstoffe nicht mehr lieferbar seien, sagt der Trierer Apotheker Sebastian Schardon. „Und wir sprechen da nicht von Tagen oder Wochen, sondern von Monaten.“ Das betreffe teilweise sogar gängige Wirkstoffe wie Ibuprofen. Die Gründe dafür seien die Monopolisierung der Herstellung und dass viele Hersteller die Produktion aus Kostengründen ins Ausland verlagerten (der TV berichtete).