Sternstunden an Weihnachten

HERMESKEIL. Was verbirgt sich an Weihnachten hinter dem Lichterglanz in manchem Fenster im Hochwald? Der Trierische Volksfreund hat nachgefragt. Tanja Zimmer-Feierabend aus Greimerath hält ihr schönstes Weihnachtsgeschenk schon seit vier Tagen fest im Arm. Es ist 2960 Gramm schwer und 50 Zentimeter groß. Ihr Sohn Lars kam am 20. Dezember zur Welt.

An Heiligabend wird sie das St.-Josef-Krankenhaus in Hermeskeil verlassen und nach Hause zurückkehren. Geschenke für ihre Lieben hat sie vor 14 Tagen besorgt. "Das war das erste Mal in meinem Leben", sagt sie. "Sonst bin ich immer an Heiligabend losgerannt." Einiges wird in diesem Jahr anders sein. Die junge Familie hat nur vage Weihnachtspläne. An Heiligabend wird die Oma kochen, und ob Essenseinladungen angenommen werden können, steht noch in den Sternen. "Mal schauen, wie der Kleine reagiert", sagt die junge Mutter mit Blick auf den schlafenden Säugling. Zeit mit mehr Ehrfurcht und Verstehen

Auch die Festtage von Hebamme Anne Weber werden Neugeborene bestimmen. Das sei seit 25 Jahren so, und ihre Familie habe sich daran gewöhnt. "Es wird sicherlich ein Christkind dabei sein", vermutet die Geburtshelferin. Auf ein Fest voller Freude und Zauber sind auch die Kinder des Kindergartens Rosa Flesch in Hermeskeil vorbereitet. Dass Jesus Geburtstag hat, haben sie in der Adventszeit gehört. Aber wer das Christkind ist, da können sie nur spekulieren. "Es ist unsichtbar", vermutet Laura. "Nein, es ist klein und hat ein weißes Mäntelchen an", glaubt Sophie. Fest steht: An Weihnachten wird sich mancher Wunsch der Kinder unter dem Tannenbaum erfüllen. "Nach der Kirche kommen viele Leute zu uns, und wir feiern", erzählt Nicolas aus Abtei. Angela Eiden wird keinen Besuch an den Festtagen empfangen. Sie wird im Altenheim St. Klara feiern. "Meine beiden Kinder kommen nicht. Sie haben ihr eigenes Leben, und das ist gut", sagt die 84-Jährige. Weihnachten sei für sie ein hohes Fest und eine Zeit "mit ein bisschen mehr Liebe und Verzeihen, mit ein bisschen mehr Ehrfurcht und Verstehen". Kürzlich habe sie jemand an der Supermarktkasse vorgelassen und draußen auf sie gewartet, um sie nach Hause zu fahren. "Das war doch toll, das war Weihnachten", sagt die alte Dame mit den weißen Haaren. An die Festtage hat sie keine besonderen Erwartungen. Und wenn sie nachts nicht schlafen kann, werde sie wie immer zu Papier und Stift greifen und ihre Gedanken aufschreiben. Vor ihr auf dem Tisch liegt eine Mappe mit Gedichten. "Mehr als das muss ich nicht mehr zu Weihnachten sagen", sagt Angela Eiden. Sie schlägt die erste Seite auf. "Dezember" heißt das Gedicht, das voller Erinnerungen und Träume ist. "Vom Himmel rieselt weiß die Pracht, im Lichterglanz verwoben..."