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Stiefmutterkind: Schläge, Demütigungen, harte Arbeit

Literatur : Stiefmutterkind: Schläge, Demütigungen, schwere Arbeit

Heinz Kolz veröffentlicht sein zweites Buch mit Erinnerungen aus seiner Familie. Dabei geht es auch um das Verhältnis amerikanischer Soldaten zu deutschen Frauen und das Eheleben nach 1945.

Nach den Kriegserlebnissen seines Vaters Albert veröffentlicht Heinz Kolz jetzt die Erzählungen seiner Mutter Friedi aus deren Kindheit und Jugend. Es geht um die Misshandlungen und Demütigungen durch eine Stiefmutter, die Ende der 1990er Jahre von Vater Albert aufgeschrieben wurden. Wichtige Ereignisse hat er hinzugefügt, um die Nachkriegsgeschichte als Hintergrundinformation wirken zu lassen. „Die Geschichte meiner Mutter ist die Geschichte eines Stiefmutterkindes mit einer schwierigen Kindheit und Jugend“, erklärt er dem TV. Anderen Stiefmutterkindern soll dieses Buch ein Trost sein und Mut machen, dass ein Leben trotzdem glücklich weitergehen kann. Auch das Landleben der Kriegs- und Nachkriegszeit beschreibt er. „Das schwere Leben der Frauen jener Zeit hat mich besonders interessiert“, sagt Heinz Kolz.

Zum Inhalt: Als Kolz’ Mutter Friedi zwei Jahre alt war, starb ihre Mutter. Der Vater heiratete kurz darauf erneut – ausgerechnet die Frau, die er zuvor wegen Friedis Mutter verlassen hatte. „Im heranwachsenden Mädchen sah die Stiefmutter das Ebenbild der Frau, die ihr den Mann genommen hatte“, beschreibt Kolz den Konflikt. Schläge, Demütigungen, schwere Hausarbeit und die Aufsicht über die jüngeren Geschwister bestimmten Kindheit und Jugend. Hausaufgaben mussten im Bett unter der Decke erledigt werden, denn sonst drohten in der Schule weitere Prügel.

Erst die Heirat mit seinem Vater Albert brachte die Befreiung und Glück. „Friedi war dennoch nicht nachtragend und hat nach ihrer Stiefmutter bis zu deren Tod mit 84 Jahren geschaut“, ergänzt Kolz. Mutter Friedi (Jahrgang 1928) war eine begnadete Erzählerin, obwohl das Thema für den jungen Heinz als Kind oft nicht leicht zu verkraften war. 20 Hintergrundtexte knüpfen an die Erzählungen der Mutter an. Kolz reißt den Mythos der bösen Stiefmutter an, das Verhältnis amerikanischer Soldaten zu deutschen Frauen und das Eheleben nach 1945. Weitere Texte beschäftigen sich mit der Evakuierung der Bevölkerung und dem Kriegsende an der Saarmündung. Selbst überrascht zeigt sich der Autor, dass der Mythos der bösen Stiefmutter eine Erfindung der Gebrüder Grimm ist. „Die Märchen wurden auf den Geschmack der Leser ausgerichtet“, vermutet Kolz. Was die amerikanischen Soldaten angeht, sei da schon was dran gewesen, dass deutsche Frauen ihre Befreier „belohnen“ werden. „Eine Begegnung mit Soldaten im Wald konnte nach der Erzählung meiner Mutter gefährlich werden“, bestätigt er. Stiefmutterkind ist ein einzigartiger Zeitzeugenbericht über einen entbehrungsreichen Abschnitt deutscher Geschichte und eine intensive Würdigung der Eltern.