Still, engagiert und ohne Blick auf die Uhr

Still, engagiert und ohne Blick auf die Uhr

In den etwa 30 Kirchen der Verbandsgemeinden Hermeskeil und Kell schauen Dutzende von Menschen nach dem Rechten. Einige tun das als angestellte Küster, viele auch gänzlich ehrenamtlich, wie die Nachfrage in den Pfarreiengemeinschaften (PG) ergeben hat.

Hermeskeil/Kell. Küsterdienste werden als selbstverständlich angesehen und kaum angemessen geschätzt. Es wird einfach vorausgesetzt, dass sich Kirchen nicht nur an Feiertagen von ihrer besten Seite zeigen und Beerdigungen in einem würdigen Rahmen stattfinden.
Damit das gewährleistet ist, braucht es aber viele fleißige Hände. So etwa die der Küster, die nach knappen Zeitvorgaben bezahlt werden (siehe Extra), und die Ehrenamtlicher, die sich Aufgaben teilen.
Ein solches Team-Modell hat sich in der Stadt Hermeskeil etabliert. Mirjam Minder und Brigitte Gettmann teilen sich das Küster-Amt in Werktags- und Wochenenddienste. Als ihre Vorgängerin erkrankte, mussten sie unvermittelt einspringen.
Erst da habe sie erkannt, wie viel Arbeit mit dem Amt verbunden ist, räumt Minder ein. Es sei halt nicht damit getan, die Kerzen anzuzünden, weiß sie die ehrenamtlichen Helfer zu schätzen. Eine Frau kümmert sich um Blumenschmuck, eine andere läutet die Glocken, wenn jemand gestorben ist, und organisiert die Totengebete, eine dritte schließt die Kirche auf und zu, hängt Informationen aus und schaut im Pfarrhaus nach dem Rechten.
Ebenfalls unentgeltlich werden Messdiener betreut und Hausmeisteraufgaben wahrgenommen und es gibt Lektoren und die Frauengemeinschaft, die Fronleichnams- und Erntedankmessen gestalten.
Minder hat das Amt aus Dankbarkeit für die Wertschätzung, die ihre leicht geistig behinderte Tochter als Messdienerin erfährt, angenommen.
Auch im Stadtteil Höfchen hat sich Teamarbeit bewährt, während in den Pfarreien Beuren und Rascheid Küsterinnen-Duos aktiv sind und in kleineren Orten meist einzelne Personen. Eine davon ist Marlene Thees, ehrenamtliche Küsterin der Gemeinde Naurath, deren Kirche auf Niemandsland steht. Mit 48 Jahren zählt sie zu den Jüngeren im Amt, das sie ihrer erkrankten Vorgängerin zuliebe annahm.
In der Schillinger Pfarreiengemeinschaft sind Ehrenamtliche ebenfalls unverzichtbar, vor allem in kleineren Orten - angestellte Küster gibt es nur in den größeren Orten, die diese Stellen noch problemlos besetzen können. Die Menschen liebten ihre Kirche oder Kapelle und kümmerten sich eigenverantwortlich um sie, sagt Pfarrsekretärin Marie-Theres Alten.
Dekanatsreferent Detlef Willems geht dennoch davon aus, dass Teamarbeit an Bedeutung gewinnt, weil es schwieriger wird, Küster zu gewinnen. Zum einen, weil sie immer da sein müssen, zum anderen wegen "kleiner Stundendeputate", den niedrigen Zeiteinheiten pro Aufgabe. Dabei engagierten sich Küster wie Ehrenamtliche, "ohne auf die Zeit zu schauen" auch über vertraglich vereinbarte Dienste hinaus.Extra

Beispielrechnung Küsterlohn Küster, die beim Bistum ausgebildet werden, erhalten in der Regel laut Vertrag weniger als 450 Euro monatlich, sind also "geringfügig Beschäftigte". In einer Pfarrei mittlerer Größe werden im Schnitt knapp drei Stunden pro Woche vergütet. Das Beispiel geht aus von monatlich je einer Sonntags- und Werktagsmesse, 20 Beerdigungen und Totengebeten, acht Hochzeiten oder Goldhochzeiten, acht Taufen sowie Blumenschmuck und die Pflege von Altardecken, Gewändern und liturgischen Gefäßen. Pro Sonntagsmesse werden etwa 1,5 Stunden angerechnet, pro Trauung oder Bestattung 1,25 Stunden, pro Tauffeier eine Stunde und für Wäsche und Blumenschmuck 0,2 bis 0,75 Wochenstunden. Die Kosten tragen die Kirchengemeindeverbände der Pfarreiengemeinschaften. Sie müssen das aus den vom Bistum zur Verfügung gestellten Gesamtbudgets bezahlen. urs Pfarreiengemeinschaften Zur PG Hermeskeil mit etwa 10 500 Katholiken sowie acht Pfarr- und sieben Filialkirchen gehören: die Pfarreien Bescheid, Beuren mit den Filialen Hinzert und Prosterath, die Pfarrvikarie Damflos, die Pfarreien Geisfeld, Gusenburg mit Grimburg, Hermeskeil mit Abtei und Höfchen, Rascheid mit Pölert sowie Züsch mit Neuhütten und Muhl. Zur PG Schillingen mit etwa 10 400 Katholiken sowie neun Kirchen und fünf Kapellen gehören: die Pfarrgemeinden Kell, Reinsfeld, Mandern-Waldweiler, Schillingen-Heddert und Lampaden sowie Zerf, Hentern, Greimerath und die Orte Baldringen, Paschel, Schömerich, Oberzerf und Vierherrenborn. Hauptamtliche Küsterdienste gibt es in keiner der beiden PG. In Reinsfeld gibt es die Besonderheit, dass ein angestellter Organist das Amt zusätzlich bekleidet. Küster gibt es im Dekanat, das die PG Waldrach mit einschließt, nur in Kell, Osburg und Waldrach. urs

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