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Stimmungsbild für noch ungewisses Vorhaben bei Gusenburg: Keine Windräder - Kein Umspannwerk

Stimmungsbild für noch ungewisses Vorhaben bei Gusenburg: Keine Windräder - Kein Umspannwerk

Etwa 30 Bürger haben sich in Grimburg über die vom regionalen Stromversorger nahe Gusenburg auf Grimburger Gemarkung geplante neue Umspannanlage informiert. Ob sie tatsächlich gebaut wird, hängt davon ab, wie viele Windräder im Hochwald letztlich ans Netz gehen werden.

Umspannwerke können nicht überall gebaut werden. Die Schaltzentren, die Leitungen mit verschiedener Spannung verbinden, indem sie etwa von 110 auf 380 Kilovolt umwandeln, stehen an deren Kreuzungspunkten. Im Hochwald gibt es solche bei Osburg, Wadern und Gusenburg - auf Grimburger Gemarkung. Und überall dort soll neu gebaut oder wie in Osburg, wo eine Anlage ähnlich der für Grimburg geplanten steht, umgerüstet werden.
Die Betreiber - die RWE-Gesellschaften Amprion für das Hochspannungsübertragungsnetz, Westnetz für das Verteilnetz - tragen damit dem Bedarf Rechnung. Denn die aktuellen Windkraftpläne lassen höhere Einspeisungen von Strom aus Windenergie erwarten. Noch ist zwar nicht absehbar, wie viele zusätzliche Windräder sich künftig in der Verbandsgemeinde Hermeskeil drehen werden. Nach dem kürzlich beschlossenen Flächennutzungsplan wären etliche möglich (der TV berichtete). Doch da die Kreisverwaltung dem kritisch gegenübersteht, werden eventuell nur noch Anlagen entlang der Autobahn und der Grenze zum Saarland genehmigt. Die Netzbetreiber müssen sich aber am Maximum orientieren, erklärten in Grimburg Kurt Hürter (Westnetz) und Carsten von Rymon-Lipinski (Amprion). Also an den aktuell zwischen Malborn und Zerf geplanten knapp 50 Windrädern, deren Strom sie verpflichtet seien einzuspeisen. Andernfalls müsste die Allgemeinheit für nicht realisierbare Einspeisevergütungen von Betreibern aufkommen. Sollten deutlich weniger Anlagen errichtet werden, könnte das Vorhaben Umspannwerk noch gestoppt werden. Denn die Genehmigungsverfahren seien noch nicht eingeleitet, so dass frühestens ab 2017 gebaut werden könne.
Von den interessierten Bürgern aus Gusenburg, Grimburg und Hermeskeil fragten mehrere, ob nicht angedacht sei, Kabel unter der Erde zu verlegen. Überlandleitungen beeinträchtigten nicht nur das Landschaftsbild. Es sei wenig verlockend, nicht nur zwischen Hochspannungsleitungen zu wohnen, sondern auch nahe einem Umspannwerk. Hürter und Rymon-Lipinski erklärten, Hochspannungsleitungen könnten nicht einfach in die Erde rein, wo sich der Stromfluss anders verhalte. Außerdem seien möglichst geringer Flächenverbrauch und Wirtschaftlichkeit zu berücksichtigen. Leitungen bis nach Osburg 15 Kilometer in die Erde zu verlegen, würde etwa 20 Millionen Euro mehr kosten. Ein Risiko für Menschen mit Herzschrittmachern bestehe ebenso wenig wie für Vögel, wie ein Gutachten ergeben habe. Bedenken wegen der Geräuschkulisse entkräfteten sie mit dem Hinweis, das etwa drei Hektar umfassende Umspannwerk sei in einer Mulde geplant: "Sie werden von dieser Anlage nichts hören." Selbst bei anderen Windverhältnissen sei das nur "unwesentlich anders". In 300 Metern Entfernung betrage die Lautstärke nur mehr für Kurgebiete vorgeschriebene 35 Dezibel.
Die Ortsbürgermeister beider Gemeinden sehen die Pläne sachlich. "Wenn alle Gutachten vorliegen und sich keinerlei Gefährdung ergibt, sind wir außen vor", kommentierte Josef Barthen, Gusenburg, am Rande der Veranstaltung. Die Bürger wären dann "geduldete Nachbarn". Als Bürgermeister müsse er aber auch die andere Sicht berücksichtigen: "Wenn wir Windräder haben wollen, muss der Strom irgendwohin." Franz-Josef Weber, Grimburg, sieht das ähnlich. Solche Werke stünden ja "in der ganzen Republik - und die werden dorthin gestellt, wo die Leitungen sich kreuzen". Geräusche wie unmittelbar unter Hochspannungsleitungen seien Fakt. Dennoch hält er das Vorhaben, über das der Gemeinderat noch beraten werde, für notwendig.