Störfaktor Klärschlamm

ZEMMER-RODT. Für Unmut bei den Anwohnern sorgte die Aufbringung von Klärschlamm auf die Felder rund um Zemmer-Rodt. Vor allem die wochenlange Geruchsbelästigung im Frühjahr brachte die Bewohner der nahe an den Feldern gelegenen Häuser in Rage.

Einige aufgebrachte Anrufer hatten sich bei Ortsbürgermeister Winfried Wollscheid beschwert. Um mit allen Beteiligten sachlich zu reden, lud Wollscheid nach Rodt zu einem Informationsabend ein. "Wir wollen aufklären und informieren, nachdem so viele Beschwerden auf die Gemeinde niedergeprasselt sind", begründet der Ortsbürgermeister die Versammlung. Wollscheid brachte Hilfestellung mit: Christoph Emmerling, Bodenkundler und Zemmerer Bürger, Kaspar Porz von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und Rudlof Hayer, Geschäftsführer des Maschinenrings Trier-Wittlich. Christoph Emmerling eröffnete den Abend mit einigen grundlegenden Informationen: Kein Land in Europa habe so strenge Bestimmungen im Umgang mit dem Klärschlamm als Dünger wie Deutschland. Es gibt genaue Richtwerte für die Ausbringung. Die Menge und die Zusammensetzung sind reglementiert. Auf Dauergrünland, auf Obst und Gemüse sowie in Wasserschutzgebieten darf grundsätzlich kein Klärschlamm als Dünger verwendet werden. Auch die Zeit und der Ablauf der Ausbringung sind festgeschrieben. "Wenn man es genau nehmen würde, dürfte gar nicht mehr so viel Klärschlamm aufgebracht werden, weil wir hier in der Verbandsgemeinde Trier-Land schon genug Phosphat im Boden haben", meinte Christoph Emmerling. Dennoch hält er den Einsatz grundsätzlich für sinnvoll und notwendig. Würde der Klärschlamm im gesetzlichen Rahmen eingearbeitet, würde es mehrere Jahrtausende dauern, bis die zulässigen Grenzwerte erreicht würden. Außerdem gebe es nur eine Alternative zum Aufbringen, nämlich das Verbrennen. Dabei sei die Belastung der Luft jedoch erheblich höher. Lanze für den Klärschlamm gebrochen

Kaspar Porz, Agraringenieur und seit 16 Jahren in der Agraraufsicht tätig, brach ebenfalls eine Lanze für die Düngung mit Klärschlamm. "Wir wollen das Gute aus unserem Abwasser herausholen. Das, was auf dem Acker gut, aber in unseren Flüssen weniger gut ist." Porz stellte den Zuhörern die zahlreichen Bestimmungen aus der Klärschlammverordnung, dem Düngemittelgesetz und der Düngemittelverordnung vor. "Fachlich und rechtlich ist die Anwendung geregelt, gesellschaftspolitisch aber in der Diskussion", gibt Porz zu. Als Dritter in der Expertenrunde stellte sich Rudolf Hayer den Zuhörern vor. Er ist Geschäftsführer des Maschinenrings (MBR) Trier-Wittlich. Als Dienstleister koordiniert der MBR unter anderem das Aufbringen des Klärschlamms auf die Felder der Fidei. Hayer erklärte den Bürgern, dass die Landwirte bis zu 186 Euro pro Hektar sparen, wenn sie statt mit teurem Dünger mit Klärschlamm düngen würden. Er stellte den komplizierten Weg von der notwendigen Beantragung bis zum Einarbeiten des Schlammes vor. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, wie unterschiedlich die Auffassungen der Betroffenen sind. "Wir als Bürger der Gemeinde können nicht Wochen lang die Fenster schließen, weil der Gestank so unerträglich ist", schimpfte ein Anwohner. Ein anderer berichtete, er habe die Wäsche wieder hereinholen und neu waschen müssen, weil sie den Geruch angenommen habe. Briefe an die ADD in den vergangenen Jahren seien genauso erfolglos gewesen wie Gespräche mit dem Ortsbürgermeister. Ein anderer Betroffener berichtete, dass die schweren Fahrzeuge Rabatten und Straßen beschädigen und ständig in der Nacht führen. ADD-Mitarbeiter Porz verwies darauf, dass eine ständige Aufsicht und Kontrolle erfolgt sei. Die Belastung der Anwohner sei in diesem Frühjahr hoch gewesen. Dass Fehler gemacht werden, sei nie auszuschließen. Insgesamt sei jedoch alles kontrolliert und für gut befunden worden. Wollscheid sieht sich nicht in der Rolle, Abhilfe zu schaffen: "Wir als Gemeinde werden nur weiterleiten, das haben wir immer sofort getan." Unzufriedenheit herrschte dennoch bei einem Teil der Zuhörer. Klärschlamm sei nachweislich hochgiftig und Erbgut verändernd, meinte einer der Zuhörer unter Beifall. Man solle gänzlich auf ihn verzichten. In seinem Schlusswort wies Winfried Wollscheid darauf hin, dass eine Landgemeinde wie Zemmer mit Geruchsbelästigungen leben müsse. Der Ortsgemeinderat werde auch gerne weiterhin als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, jedoch seien auch Selbstverantwortung und Initiative der Bürger gefragt.

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