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Stolpersteine gegen das Vergessen

Stolpersteine gegen das Vergessen

"Stolpersteine" nennt Gunter Demnig seine Würfel mit zehn Zentimetern Kantenlänge und einer Messingplatte, die an furchtbare Schicksale erinnern. Zwei von 17 000 baute der Kölner Künstler am Dienstag in das Pflaster vor dem Haus Martinstraße 17 in Konz ein.

Konz. (kdj) Es sind ganz persönliche Gedenksteine, die an die Opfer des Nazi-Rassenwahns erinnern - und durchaus auch Widerspruch nicht nur der Ewiggestrigen, sondern gelegentlich der Überlebenden der Shoah und Hinterbliebenen der Holocaust-Opfer wecken.

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, glaubt, dass die Stolpersteine dazu einlüden, noch einmal auf den Opfern "herumzutrampeln", ihr Stellvertreter Salomon Korn hält dagegen, dass Geschichte so begehbar gemacht werde.

Die beiden Steine im Pflaster der Martinstraße erinnern an die Schwestern Marianne und Mathilde Levy, deren Elternhaus an dieser Stelle stand. Ihnen gelang 1935 die Flucht nach Luxemburg, wo sie allerdings - trotz der Deposition eines namhaften Geldbetrags - keine Dauer-Niederlassungserlaubnis erhielten. Dennoch wurden sie nicht nach Deutschland abgeschoben.

Verneigung vor den Opfern



Als die deutsche Wehrmacht am 10. Mai 1940 Luxemburg besetzte, flohen die meisten der Juden, die im Großherzogtum Zuflucht gesucht hatten, nach Frankreich - unter ihnen auch Marianne und Mathilde Levy. Das mit den Nazis kollaborierende Vichy-Regime des Marschalls Petain ließ 400 von ihnen verhaften und lieferte sie der Mordmaschinerie der Nazis aus. Die beiden Schwestern gelangten über die Konzentrationslager Gurs und Rivesaltes (Südfrankreich) nach Drancy bei Paris. "Von dort aus wurden sie mit dem Transport Nr. 31 am 11. 9.1942 nach Auschwitz deportiert, wo beide ermordet wurden. Es ist kein Todestag bekannt", schreibt dazu Willi Körtels, Konzer Gymnasiallehrer. Bürgermeister Karl-Heinz Frieden bescheinigte Gunter Demnig, dass er eine wichtige Aufgabe erfülle, indem er ein Stück Geschichte vor allem an die Jugend weitergebe. Als Verneigung vor den Opfern der Shoah verstanden die Teilnehmer der kurzen Zeremonie das Gebet "Höre, Israel..." das Pastor Georg Dehn zum Teil auf Hebräisch sprach.

(Zur Aktion siehe auch S. 12)