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Streit in Reinsfeld spitzt sich zu

Streit in Reinsfeld spitzt sich zu

Im Reinsfelder Gemeinderat hat die von der Biogasanlage am Birkenhof herrührende Verschmutzung des Osterbachs neuen Ärger verursacht. Landwirt Jürgen Schirra - selbst Ratsmitglied - hat die frühere Bürgerinitiative (BI) gegen sein Bauprojekt mitverantwortlich für das aktuelle Umweltproblem gemacht. Diesen Vorwurf wies eine BI-Sprecherin strikt zurück.

Reinsfeld. Am zurzeit heißesten Gesprächsstoff im Hochwaldort kam am Mittwoch auch der Rat nicht vorbei. Ausgelöst durch den TV-Bericht "Dreckige Brühe von der Biogasanlage" vom 24. Januar ging es am Ende einer bis dato unspektakulären Sitzung um die wiederholten Fälle, in denen vom Birkenhof aus belastetes Wasser in den Osterbach geraten ist und dort zu Fischsterben geführt hat.
Immerhin ist Landwirt Jürgen Schirra, der der Offenen Wählerliste (OWL) angehört, selbst Ratsmitglied.
Ortsbürgermeister Rainer Spies (SPD) hatte zunächst nur bemerkt, dass die nun publik gewordenen Probleme "keine Reklame für unseren Ort sind". An Schirra stellte er die Frage, "wie es denn jetzt weitergehen soll"?
Zum Hintergrund: Die Verschmutzungen des Osterbachs - erstmals war das schon im Januar 2011 der Fall - rühren von den sogenannten Feldmieten auf dem Gelände des Birkenhofs her. Dabei handelt es sich um Halden, die Schirra frühzeitig auf den Wiesenflächen platziert hat, um schon bei der Inbetriebnahme der Biogasanlage genug Mais- und Grassilage vorrätig zu haben. Mit den dort gelagerten nachwachsenden Rohstoffen wird in der Anlage Energie erzeugt. Bei stärkerem Regen wird jedoch Wasser durch die Silage gedrückt. Es entstehen Sickersäfte, die vom Birkenhof hangabwärts laufen und den Osterbach verschmutzen. Den Sachverhalt räumte Schirra offen ein: "Was passiert, ist eine Überdüngung des Baches." Er betonte, dass er daran arbeite, die Feldmieten abzutragen. "Bis spätestens Sommer ist alles wieder grün."
Doch dann machte der Landwirt eine brisante Bemerkung. Er sagte, "dass alles schon weg wäre", wenn seine Biogasanlage - sie ist seit September 2011 am Netz - früher in Betrieb gegangen wäre. Ihm sei erst später als vorgesehen die Baugenehmigung erteilt worden. "Diese Verzögerung ist durch die Bürgerinitiative eingetreten", sagte Schirra. Als der Landwirt 2009 erstmals seine Pläne für den Bau einer Biogasanlage vorgestellt hatte, formierte sich eine BI gegen das Projekt. Eine ihrer Sprecherinnen - das CDU-Ratsmitglied Esther Mergens-Looschelders - hatte aber bereits im Februar 2011 erklärt, "dass die Bedenken durch Gutachten widerlegt wurden" (der TV berichtete).
"Schwere Umweltvergehen"


Mergens-Looschelders war es auch, die sich am Mittwochabend strikt gegen den Vorwurf Schirras wehrte: "Ich kann das nicht so stehen lassen, dass die BI schuld an den Verzögerungen und den daraus resultierenden Umwelteinbußen sein soll." Auch Ortschef Spies betonte, "dass es absurd ist, diese Sache der Initiative anzuhängen". Aus seiner Sicht habe der Bau von Schirras Anlage länger gedauert, als es bei vergleichbaren Anlagen der Fall ist. Er sprach mit Blick auf Schirra von einem "schweren Umweltvergehen" und einer "unerträglichen Situation, die sofort abgestellt werden muss".
Die zuständige Wasserschutzbehörde ist der Kreis Trier-Saarburg. Sprecher Thomas Müller betonte gestern auf TV-Anfrage, dass Schirra aufgefordert wurde, die Auflagen "unverzüglich" zu erfüllen. Neben dem Abtragen der Feldmieten (Müller: "Da ist klar, dass man nicht einfach auf einen Knopf drücken kann") gehört dazu die Vergrößerung des Auffangbeckens auf dem Hof. So kann nach Starkregen mehr durch Silagesäfte belastetes Oberflächenwasser aufgefangen und anschließend abgepumpt werden. In diesem Punkt hat sich am Donnerstag etwas auf dem Birkenhof getan. Dort ist ein Bagger im Einsatz, der eine größere Grube aushebt. "Für uns ist jetzt zunächst einmal wichtig, dass wir sehen, dass auf dem Hof Aktion da ist und die von uns geforderten Dinge in der Umsetzung sind. Mehr können wir vorerst nicht verlangen", so Müller.
Meinung

Schlechter Stil
Landwirt Jürgen Schirra hat in Reinsfeld einen Umweltschaden verursacht. Die dreckige Brühe kommt von seinem Hof - und das passiert nun schon im zweiten Winter. Punkt. Dieser Verantwortung muss sich Schirra stellen. Es liegt allein bei ihm, das Problem so schnell wie möglich an der Wurzel zu packen. Mit der jetzt begonnenen Vergrößerung des Auffangbeckens ist zumindest ein Anfang gemacht. Die zuständigen Behörden müssen aber sorgfältiger, als bisher dran bleiben und überprüfen, dass Schirra die an ihn gestellten Auflagen auch hundertprozentig erfüllt. Eins bleibt aber auch festzuhalten: Schirras Versuch, die Schuld an dem Umweltschaden auf jemand anderen zu schieben und die Bürgerinitiative als Sündenbock hinzustellen, zeugt von schlechtem Stil. Gerade in diesem Fall trifft doch das Sprichwort zu, dass man immer zuerst vor der eigenen Haustür kehren sollte. a.munsteiner@volksfreund.de