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Streit um Baustellen in Konz brodelt weiter

Streit um Baustellen in Konz brodelt weiter

Die Verkehrslage in Konz ist zurzeit sehr angespannt. Das führt vor allem im Internet zu wüsten Beschimpfungen. Die Verwaltung reagiert nun mit einer ausführlichen Stellungnahme.

Das Auto rollt. Es ist Dienstag 16.35 Uhr. Langsam aber stetig geht es über die Luxemburger Straße in Trier, die Konrad-Adenauer-Brücke, das Pacelli-Ufer und die B 51 von Trier-Euren nach Konz. 25 Minuten später steht der Wagen auf dem Parkplatz hinter dem Konzer Rathaus. Die Fahrt ist länger als gewöhnlich, aber erträglich. Dabei hat jemand kurz vor der Abfahrt ein Foto auf Facebook gepostet, das einen sehr langen Stau zeigt. Darauf sind Autos zu sehen, die Stoßstange an Stoßstange von der Albanstraße aus bis zur Bahnbrücke von der K 134 in Richtung des Karthäuser Bahnhofs stehen. Die Befürchtung, dass die Fahrt von Euren nach Konz deshalb noch länger dauert, bewahrheitet sich trotzdem nicht. Der Fahrer kommt pünktlich um 17 Uhr zur Sitzung des Bauausschusses im Konzer Rathaus an. Andere Menschen berichten von 30 bis 45 Minuten, die sie in der Hauptverkehrszeit wegen der Baustellen für die etwa zwölf Kilometer zwischen Konz und Trier brauchen.

Baustellensituation Der Grund für die teils chaotischen Verhältnisse in der Saar-Mosel-Stadt: Mit der K 134 und der Karthäuser Hauptstraße sind zwei der wichtigsten Wege in die Innenstadt voll gesperrt. Weil es auf der K 134 gar keine Umleitungsmöglichkeit gibt und die Umfahrung in Karthaus am Kloster vorbei durch die Albanastraße führt, gibt es Stau. Und Stau wird es auch künftig weiter geben, weil an der K 134 voraussichtlich noch bis Frühjahr 2018 und in Karthaus bis Sommer 2018 gebaut wird.

Diskussionen Im Internet und im echten Leben diskutieren die Konzer zurzeit heiß über die baustellenbedingte angespannte Verkehrssituation in Konz. Einige werfen den Planungsbehörden Inkompetenz vor, bemängeln mutmaßlich schlechte Absprachen und fordern Bauarbeiten im Mehrschichtbetrieb. Andere beklagen sich über Autos, die auf der Umleitung parken. Anwohner beschweren sich, dass sie die Parkplätze vor ihrer Haustür nicht mehr nutzen können. Die einen wollen mehr, die anderen weniger Parkkontrollen. Lokalpolitiker versuchen zu beschwichtigen und ernten dafür Wut.

Facebook Ventil für die Kritik ist hauptsächlich die Facebook-Gruppe "Du bist Konzer wenn …". Die Diskussion pendelt dort zwischen ungezügelter Aggression, bissigem Sarkasmus und Resignation. Beleidigungen wechseln sich ab mit teils begründeter, teils harscher Kritik an der ausführenden Baufirma, der Kommunalpolitik oder der Rathausführung. Dem Trierischen Volksfreund wirft ein Nutzer vor, die Verwaltung nicht scharf genug zu kritisieren. Einige wenige nehmen die Planer in Schutz. Vereinzelt gibt es Plädoyers für mehr Gelassenheit. Immer wieder taucht die Forderung auf, die Verwaltung möge sich ausführlich äußern.

Stellungnahme des Rathauses Wegen einer TV-Anfrage und den Forderungen der Bürger hat das Rathaus am Donnerstagnachmittag eine vierseitige Pressemitteilung zu der Thematik veröffentlicht. Auf Facebook gab es dafür Lob. Rathaus-Sprecher Michael Naunheim erläutert darin unter anderem, dass auf beiden Baustellen nicht nur Arbeiten an der Oberfläche, sondern auch aufwendige Tiefbauarbeiten zu erledigen seien. Nicht nur die Straße auch das Leitungsnetz (Wasser und Kanal) werde ausgetauscht oder erneuert.

Die Vollsperrung der K 134 sei notwendig wegen der schmalen Fahrbahnen. Eine halbseitige Sperrung würde die Bauarbeiten laut Verwaltung bis 2019 dauern lassen. Die parallele Ausführung der Arbeiten sei nicht zu verhindern gewesen. Die Sanierung der Karthäuser Hauptstraße sei an das Förderprogramm Soziale Stadt und somit ans Land gebunden, die der K 134 an den Kreis. Die parallele Ausführung sei besser, als die Verschiebung eines der beiden Projekte, heißt es. Solch ein Vorgehen sei meist mit höheren Kosten für den kommunalen Haushalt verbunden. Zudem seien die VG und die Stadt für 233 Kilometer Kanäle, 250 Kilometer Wasserleitungen und 160 Kilometer Straßen zuständig. Angesichts dieser Netzgröße seien parallele Arbeiten nicht zu vermeiden. Gegen einen Mehrschichtbetrieb sprechen aus Sicht des Rathauses der Fachkräftemangel in der Baubranche und die zu erwartenden massiven Mehrkosten. Diese entstünden nicht nur vor Ort, sondern auch bei Zulieferfirmen.

Empfehlung In Bezug auf die parallelen Bauarbeiten auf beiden Seiten der Gleise in Karthaus sagt Naunheim: "Die vorhandenen Verkehrsprobleme wären durch eine zeitversetzte Ausführung auch nicht gelöst." Als Beleg zitiert er die kürzlich im Bauausschuss vorgestellte Verkehrsuntersuchung ("Nur ein Tunnel hilft der Stadt", TV vom 8. April). Eine Lösung, die alle Verkehrsprobleme in Konz auf einen Schlag behebt, gibt es laut dieser Untersuchung nicht. Ein Lösungsansatz darin ist der mögliche Bau einer neuen Bahnüberquerung zwischen der K 134 und der B 51. Dieser könne sich auf alle Knotenpunkte positiv auswirken, heißt es.

Neben der vom Landesbetrieb Mobilität in Trier empfohlenen Umleitungsstrecke über die B 51 hat die Stadt zusätzlich die Konrad-Adenauer-Straße zur Durchfahrt geöffnet. "Damit können aus Roscheid kommende Fahrzeuge am Saar-Mosel-Bad vorbei über Niedermennig nach Trier fahren", sagt Naunheim. So werde der Kreisel am Paul-Magar-Platz entlastet.

"Eine weitere Verbesserung der Situation erhoffen wir uns, wenn Ende August die Ortsumgehung Könen freigegeben wird", sagt er. Davon verspricht sich die Verwaltung 20 Prozent weniger Verkehr im Kreisel an der Saarbrücke. Naunheim: "Jeder Straßennutzer kann durch eine Verkehrsmittelwahl und umsichtiges Verhalten zu einem entspannteren Verkehrsklima beitragen."Kommentar

Kritik ja, wüste Beschimpfungen nein!

Kritik an der momentanen Baustellensituation in der Stadt Konz ist vollkommen ok und auch verständlich. Schließlich sind zwei wichtige Zufahrten gleichzeitig zu. Das ist ein ätzender Zustand. Trotzdem sind Beleidigungen inakzeptabel und sogar eine Straftat. Wer unbedingt Dampf ablassen will, sollte sich einfach mal aufs Fahrrad setzen, statt wütende Kommentare in die Tastatur zu hämmern. Der Stau wäre kein Thema mehr, der Verdruss würde beim Treten der Pedale in Bewegungsenergie umgewandelt. Und wenn irgendwann alle Bauarbeiten abgeschlossen sind, können sich alle gemeinsam freuen, dass die Straßen nicht nur frei, sondern auch noch in gutem Zustand sind. Bis dahin muss wohl oder übel das Motto gelten, das ein Facebook-Nutzer den anderen in der Gruppe "Du bist Konzer wenn …" mit auf den Weg gibt: "Kann mir grade keine schönere Baustelle zum Leben aussuchen."
c.kremer@volksfreund.deExtra