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Kommunalpolitik: Streit um Jugendraum: Lösung in Arbeit

Kommunalpolitik : Streit um Jugendraum: Lösung in Arbeit

Der Förderverein Abtei hat im Hermeskeiler Stadtrat erklärt, warum die Jugend den von der Stadt bezuschussten Raum im Pfarrheim nicht permanent nutzen kann – wie von der Politik erhofft. Die Schriftführerin verteidigte den Einsatz der Ehrenamtler. Gemeinsam mit Jugendlichen und Jugendpfleger soll nun ein Kompromiss gefunden werden.

In einer Stadtratssitzung Anfang Juli hatte die SPD-Fraktion Aufklärungsbedarf in Sachen Jugendraum in Abtei angemeldet. Ratsmitglieder hätten gehört, dass die Jugend aus dem Hermeskeiler Stadtteil ein neues Domizil suche. Denn sie könne den vom Förderverein Abtei eingerichteten Jugendraum, einen abgetrennten Bereich im Pfarrheim, kaum nutzen, weil er für Veranstaltungen geräumt werden müsse. Weil die Stadt den Raum mit 15 000 Euro gefördert hat, bat die SPD um eine Erklärung. Stadtbürgermeister Mathias Queck (CDU) schlug vor, den Vereinsvorstand und den Jugendpfleger der Verbandsgemeinde (VG) Hermeskeil nach der Sommerpause in den Rat einzuladen.

Das sagt der Verein Beide stellten sich nun in der zurückliegenden Sitzung den Fragen der Politiker. Zuvor hatten sie sich bereits in einem TV-Bericht (Ausgabe vom 17. August) geäußert. Der Verein hatte schon damals die Kritik an seiner ehrenamtlichen Initiative zurückgewiesen – und tat dies im Rat erneut. „Wir waren erstaunt, dass der Jugendraum hier überhaupt ein Thema war“, sagte Doris Vellmann, Schriftführerin des Fördervereins. Erschrocken sei man gewesen über einen Bericht in der Zeitung Rund um Hermeskeil, der die ehrenamtliche Leistung der vielen Helfer, die bei der Renovierung der Räumlichkeiten mitgewirkt hätten, „regelrecht verleugnet“ habe. „Fakt ist: Es gibt den Jugendraum. Und er wurde genauso hergerichtet wie beschlossen.“

Die zunächst auch vom Verein favorisierte Lösung – ein eigenständiger Anbau – sei damals von Kirchengemeinde und Stadt abgelehnt worden, sagte Vellmann. Bei der Lösung mit dem abgetrennten Raum sei von Anfang an klar gewesen, dass nur eine „Mitbenutzung“ durch die Jugendlichen möglich sei. Denn die Vermietung des Pfarrheims sei die einzige Einnahmequelle für den Verein. Und nur einen Teil des Gebäudes für Veranstaltungen anzubieten, sei nicht machbar. „Das muss damals auch im Stadtrat jedem klar gewesen sein.“

Das Pfarrheim in Abtei soll laut der Schriftführerin Anlaufstelle für alle Altersgruppen sein. Dort gebe es Filmabende, Konzerte der Bläsergruppe, Trauercafés, Nikolausfeiern und einmal monatlich den Treffpunkt Kleine Dorfwirtschaft. „Das Haus ist dann immer voll. Das bereichert unser Dorfleben.“ In den 18 Jahren, die sie in Abtei lebe, sagte Vellmann, sei in Sachen Jugendarbeit nicht viel passiert. Da sei der vom Verein ermöglichte und im November 2017 eröffnete Raum „ein guter Anfang“. Die Jugendlichen hätten auch schon begonnen, ihn einzurichten. „Wenn keine Veranstaltung ist, können sie auch jederzeit rein“, betonte Vellmann. Um die Nutzung noch besser abzustimmen, habe der Verein einige Vorstöße gewagt. Darauf hätten die Jugendlichen aber bislang nicht reagiert. Die Jugendarbeit vor Ort müsse erst wieder vernünftig aufgebaut werden. Der Verein jedenfalls habe für Abtei vieles geleistet, sagte dessen Vertreterin und appellierte an den Rat: „Unterstützen Sie dieses Engagement und erkennen sie es an.“ Dafür erhielt sie Applaus von etwa einem Dutzend Zuhörern, von denen die meisten aus Abtei kamen.

Das sagt der Jugendpfleger VG-Jugendpfleger Dominic Krämer bestätigte, dass die Jugendarbeit dort auf einem guten Weg sei. Die von ihm im August noch monierten fehlenden Strukturen gebe es inzwischen, die Jugend habe feste Ansprechpartner und einen Vorstand gewählt. Sie hätten längere Zeit wenig Engagement gezeigt, wollten jetzt aber anpacken. Der Raum im Pfarrheim sei zwar nicht ideal, weil dort klassische Elemente der Jugendarbeit wie Selbstverwaltung nicht möglich seien: „Aber es ist die derzeit realistischste Chance auf einen Jugendraum.“ Ziel müsse nun sein, eine „jugendfreundliche Nutzung“ abzustimmen. „Vielleicht kann man ihnen einen festen Tag in der Woche garantieren.“ Bei einer Dorfwirtschafts-Veranstaltung habe die Gruppe bereits mitgeholfen und Einnahmen für die Einrichtung des Raums erwirtschaftet. Für den Verein sei der Kontakt auch eine Chance, die Jugend stärker ins Dorfleben zu integrieren, sagte Krämer.

Diskussion im Rat Bei der anschließenden Diskussion im Rat zweifelten SPD-Mitglieder daran, dass die Lösung mit einer mobilen Trennwand zum Jugendraum auch so besprochen worden sei. Paul Gemmel fragte nach den Plänen, die den städtischen Gremien damals zur Entscheidung über den Zuschuss vorgelegt worden seien. Doris Vellmann zitierte daraufhin aus dem Protokoll einer Ausschuss-Sitzung SPD-Ratsmitglied René Treitz, der damals gegen einen Anbau und für die Lösung mit der Trennwand plädierte. Lena Weber (SPD) kritisierte, es sei nicht klar gesagt worden, dass dies keine feste, sondern eine wieder entfernbare Wand werde: „Niemand will die tollen Leistungen des Vereins infragestellen. Aber das ist nicht der Jugendraum, den wir haben wollten.“ Vellmann widersprach. Alles sei damals genauso vorgestellt worden. Etwas anderes als die mobile Trennwand, die knapp 8000 Euro gekostet habe, sei gar nicht möglich gewesen.

 Im Pfarrheim in Abtei sollen auch die Jugendlichen aus dem Stadtteil einen regelmäßigen Treffpunkt und Rückzugsort vorfinden. Verein und Jugend wollen daran arbeiten, eine vernünftige Nutzung des Jugendraums zu regeln.
Im Pfarrheim in Abtei sollen auch die Jugendlichen aus dem Stadtteil einen regelmäßigen Treffpunkt und Rückzugsort vorfinden. Verein und Jugend wollen daran arbeiten, eine vernünftige Nutzung des Jugendraums zu regeln. Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

„Ich verstehe die Diskussion nicht“, erklärte Ottmar Muno (Piraten). „Wir sollten froh sein, dass der Raum und das Engagement in Abtei da sind. Das verdient Achtung.“ Ähnlich äußerte sich Markus Forster (CDU): „Bürgerliches Engagement sollte man loben, nicht tadeln.“ Es gehe nun darum, das Beste für beide Seiten zu erreichen. René Treitz gab zu, dass auch er nachvollziehbare Gründe erkenne, warum eine andere bauliche Lösung nicht funktioniere. Den „Fehler in der Kommunikation über ein entscheidendes Detail“ – die mobile Trennwand – müsse man nun zu heilen versuchen. Stadtchef Queck resümierte: „Es müssen jetzt klare Absprachen her. Aber beide Seiten sind engagiert, eine Lösung zu finden.“