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Streit um Neubau: Tawern fehlt ein Konzept

Streit um Neubau: Tawern fehlt ein Konzept

Ein Neubau in der Onsdorfer Straße in Tawern erregt die Gemüter. Der Bauausschuss der Ortsgemeinde nimmt die Diskussionen um das Mehrfamilienhaus zum Anlass, sich grundsätzliche Gedanken über die Dorfentwicklung zu machen.

Tawern. Ortstermin in der Onsdorfer Straße in Tawern. Die Straße ist zurzeit durch einen Bauzaun verengt. Direkt am Bürgersteig, der nur wenig mehr als einen Meter breit ist, ragt der Rohbau eines Hauses zweieinhalbgeschossig in die Höhe. Die Mitglieder des Bauausschusses der Ortsgemeinde Tawern sind alles andere als glücklich mit dem Neubau, für den ein altes, leerstehendes Haus abgerissen wurde.
Situation habe sich verbessert



Doch das Mehrfamilienhaus sei rechtlich korrekt hochgezogen worden, bestätigt Monika Häberle von der Bauverwaltung der VG Konz, die den Bauantrag genehmigt hat.
Da es für den über Jahrzehnte gewachsenen Teil von Tawern keinen Bebauungsplan gibt, musste Häberle den Paragrafen 34 des Baugesetzbuches anwenden. Dieser besagt, dass ein Bau zu genehmigen ist, wenn er sich nach Art und Maß der baulichen Nutzung in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt.
Das sei der Fall, und in Bezug auf den schmalen Bürgersteig hätte sich die Situation sogar verbessert, denn beim Altbau stand die Treppe zur Haustür mitten auf dem Gehweg. "Geschmack ist nun mal kein Kriterium für eine Baugenehmigung", konstatiert Ortsbürgermeister Thomas Müller. Er und die Mitglieder des Bauausschusses suchen jetzt nach Wegen, um künftig bei Baumaßnahmen im Ortskern von Tawern gestalterisch mehr Einfluss nehmen zu können. Ein bereits vollzogener Schritt ist, dass pro Wohneinheit zwei PKW-Stellplätze nachgewiesen werden müssen.
Den größten Nutzen sieht der Ortsbürgermeister in einer sogenannten Gestaltungssatzung, nach der Vorschriften zum optischen Erscheinungsbild in einer Gemeinde gemacht werden können. Beispielsweise könnte man die Dachform festlegen, die Farbe der Dachziegel, die Ausrichtung von Gebäudekörpern, die Anordnung von Fenstern, die Gliederung von Fassaden und vieles mehr.
Da sich Tawern um den Status einer Schwerpunktgemeinde bewirbt, was eine professionelle Beratung in Bezug auf die Dorferneuerung ermöglichen würde, sieht Müller Chancen, eine solche Satzung im Bauausschuss und im Gemeinderat zu erarbeiten.
"Wir sollten versuchen, eine Planung zu entwickeln, die unabhängig von konkreten Bauanträgen ist", meint Müller. Die Bauherren hätten ein Anrecht darauf, dass über ihren Antrag innerhalb von zwei Monaten entschieden wird. Man müsste daher weitreichende Maßnahmen immer unter Zeitdruck beschließen.
Monika Häberle von der Bauverwaltung schließt sich Müllers Argumentation an: "Das Baurecht eignet sich nicht, um stadtplanerische Konzepte umzusetzen." Im Zusammenhang mit einer Gesamtplanung für Tawern stehen auch Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds. So soll der Mannebach renaturiert werden. Das sorge nicht nur für einen attraktiven Ortskern, sondern verbessert auch den Hochwasserschutz, sind sich die Bauausschussmitglieder einig. Außerdem sollen an neuralgischen Stellen Parkverbotszonen eingerichtet werden.
Speziell für die Römerstraße wurde Handlungsbedarf festgestellt. Eine Ortsbesichtigung mit dem LBM und der Polizei soll Klarheit über die Möglichkeiten der Parkbeschränkung bringen.