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Streuobstwiesen in Fisch von Misteln befreit

Streuobstwiesen in Fisch von Misteln befreit

Fisch ist die Saargau-Gemeinde, die von Tausenden Obstbäumen umringt ist. 1800 davon stehen auf dem Gebiet des Naturparks-Saar-Hunsrück. 678 wurden im letzten Jahr von Misteln befreit und fachgerecht geschnitten. Das Modellprojekt, das fachlich begleitet wird, läuft bis 2015. Ziel ist die langfristige Sicherung einer Natur- und Kulturlandschaft.

Fisch. Die Misteln sind bereits grün. Die Obstbäume nicht. Die Schmarotzerpflanzen können den Bäumen auf der Streuobstwiese den Garaus machen, besonders wenn sich um Apfel, Birne, Kirsche und Co lange nicht mehr gekümmert wurde. Seit einem Jahr ist das in der Saargau-Gemeinde Fisch anders.
Der Naturpark Saar-Hunsrück wählte den Ort mit seinen einzigartigen Baumbeständen und der langen Tradition der Gewinnung von Viez und Bränden zum Modellprojekt zur Pflege von Streuobstwiesen. 30 760 Euro flossen bereits in den Schnitt und die Befreiung von 678 der 1800 Bäume von Misteln durch eine Fachfirma. Informationsveranstaltungen und Schnittkurse unter fachkundiger Leitung werden folgen.
Bis 2015 läuft das Projekt, das auf einen Betrag von bis zu 200 000 Euro angelegt ist. Die Geldgeber vom Umweltministerium in Mainz erwarten jedoch eine 20-prozentige Eigenleistung des Dorfes, wie etwa die Entsorgung des Abfallholzes und der Misteln. Fisch soll als Ort eines "genussvollen Naturschutzes" zum Vorbild werden.
"Es muss in die Köpfe, welche Bedeutung die Streuobstwiesen für die Natur, die Kultur und den Tourismus hat", findet Ortsbürgermeister Dieter Schmitt. "Nur wenn wir dieses Wissen an die nächste Generation weitergeben haben die landschaftsprägenden Streuobstwiesen der Region auch eine Zukunft", nennt die Geschäftsführerin des Naturparks Saar-Hunsrück, Gudrun Rau, den Grund der doch hohen Investition in das Modellprojekt. Für Käfer über Vögel bis zur Fledermaus kann die Streuobstwiese Heimat und Lebensgrundlage sein.
"Im Jahre 1900 ergab eine deutschlandweite Obstbaumzählung 168,4 Millionen Pflanzen im ertragsfähigen Alter", weiß Annette Schäfer von der Landschaftsökologischen Arbeitsgemeinschaft Trier (LAT), die das praxisorientierte mehrjährige Konzept zur Pflege von Streuobstwiesen im Naturpark Saar- Hunsrück erarbeitet hat. Zwei Drittel dieser Bestände seien inzwischen verschwunden. In den 50er Jahren gab es sogar Prämien für das Abholzen von Hochstammobst.
"Um seine Bäume braucht man sich nur einmal im Jahr zu kümmern, dann aber richtig", erklärt Obstbaumbesitzer Günter Hunsicker. Für Ortsbürgermeister Schmitt haben die Bäume nicht zuletzt auch eine Bedeutung für den Tourismus: "Wenn die Bäume grün sind oder blühen, sieht man die Misere nicht." Wer die Bäume im Winter anschaut, habe früher keinen guten Eindruck bekommen. doth
Projektleiterin ist Carmen Fischer. Sie ist im Informationszentrum des Naturparks Saar- Hunsrück unter Telefon 06503/ 9214-0 zu erreichen.
Extra

Die Mistel wächst in Kugelform auf verschiedenen Baumarten und saugt den Bäumen Wasser und Nährstoffe aus, was sie zu einem Halbschmarotzer macht. In früheren Zeiten war die Mistel eine wichtige magische Pflanze, die von den Druiden mit goldenen Sicheln geerntet wurde. Aufgrund der magischen Wichtigkeit galt die Mistel früher auch als Allheilmittel. Zur Zeit der Wintersonnenwende und als Weihnachtsschmuck wird sie auch gerne an die Haustüren gehängt, um das Haus vor Schaden zu bewahren. In der modernen Pflanzenheilkunde wird die Mistel gegen Bluthochdruck und Krebs eingesetzt. doth Quelle: www.heilkraeuter.de