Stricken für Weißrussland

KELL AM SEE. "Ich bin doch nicht die Einzige, die hier Gutes tut, das sind doch die rund 25 Strickfrauen." Das war die Reaktion von Ordensschwester Anna Gertraud des Schwesternhauses in Kell am See, der in Form einer Ordensverleihung eine besondere Überraschung widerfuhr.

Grund für diese Äußerung war der Besuch von Geschäftsführer Michael Witzel und des Kreisbeauftragten Egon Lichtmeß des Malteser Hilfsdienstes, die ihr ein unerwartetes Geschenk überbrachten. Die Leiterin der Strickrunde der rund 30 Keller Frauen, die sich einmal wöchentlich treffen, um für einen guten Zweck zu stricken, erhielt die Jubiläumsmedaille des souveränen Malteser Ritterordens, die dieser aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Malteser Hilfsdienstes im vergangenen Jahr gestiftet hat.Gestrickt wird von November bis Ostern

Witzel gratulierte Anna Gertraut im Namen der Malteser und hielt eine kleine Laudatio. "Seit 1971 stricken die Frauen im Alter von 63 bis 85 Jahren von Kell am See, die so genannte ‚Missions-Strickrunde', unter Ihrer Leitung für einen guten Zweck. Diese Hingabe hat so viel Lob erfahren, dass diese Auszeichnung mehr als gerechtfertigt ist." Gestrickt werde in den Wintermonaten von November bis Ostern, einmal in der Woche, jeweils donnerstags von 13 bis 17 Uhr. Dann treffen sich die Frauen zur gemütlichen Runde bei Kaffee und Kuchen, immer das Stricken im Vordergrund. "Allein im vergangenen Jahr haben wir 177 Decken, 150 Pullover, 77 Paar Strümpfe, 70 Mützen und einige Schals gefertigt, das ist eine phantastische Leitung der Strickrunde", antwortet Schwester Anna Gertraut auf Witzels interessierte Frage. "Bis vor fünf Jahren haben wir die fertigen Stricksachen in unsere Missionsstationen nach Afrika und Südamerika geschickt, "doch durch unterschiedliche Umstände kamen die Sachen nicht mehr an die Zielorte. Deshalb geben wir die fertigen Produkte seit dieser Zeit dem Malteser Hilfsdienst in Waldrach". Von dort werde der Transport mit eigenen Fahrzeugen in die Ukraine, Weißrussland oder Rumänien abgewickelt. Dort kämen die Sachen in Kinderheime und Krankenhäuser, würden also an arme Menschen verteilt. "Wir sind uns sicher, dass die Sachen auch da ankommen, wo sie hingehören." Das bestätigten Witzel und Lichtmeß der Ordensschwester zu deren Freude. "Die Medaille sollte am Verleihungstag und bei wichtigen Anlässen getragen werden", empfahl Witzel der Ordensschwester. "Ich werde das gerne tun", versprach die Geehrte. "Doch ich werde sie in Vertretung für alle Strickfrauen tragen."