Stufenfrei dem Himmel ein Stück näher

Saarburger Sesselbahn : Stufenfrei dem Himmel ein Stück näher

Die Stadt Saarburg kann den 480 000 Euro teuren Aufzug an der Bergstation der Sesselbahn und einen barrierefreien Wanderweg auf dem Warsberg nun angehen. Die Förderbescheide im Rahmen des Programms „Tourismus für alle“ sind da. Weitere Projekte zur Barrierefreiheit sind geplant.

Langsam geht es im Zweiersitz der Saarburger Sesselbahn dem Himmel entgegen. Häuser und Straßen werden kleiner. Weinberge und Grün rücken ins Sichtfeld. Frischer Wind weht um die Nase. Die Sorgen bleiben anscheinend am Boden zurück. Am höchsten Punkt beglückt der weite Blick über das Saartal samt Stadt und sanfter, dunkelgrüner Hügellandschaft.

Wer mit der Sesselbahn auf den Warsberg schwebt, erlebt einen solchen zehnminütigen Kurzurlaub. Theoretisch steht diese Reise auf Saarburgs Anhöhe allen offen. Doch praktisch stößt manch einer zumindest an der Bergstation an seine Grenzen. Denn dort muss, wer zum Ferienpark auf dem Hochplateau oder zum Pfannenkuchenhaus gelangen oder auch nur die schöne Aussicht genießen will, bis zu 32 Treppenstufen überwinden.

Betriebsleiter Alois Marx erinnert sich: „Kürzlich kam ein älterer Mann aus den USA hier hoch. Er ging am Stock. Als er die Treppen gesehen hat, meinte er erst mal: ,Das schaffe ich nicht.’“ Nach einer Verschnaufpause auf einem Stuhl habe er es dann aber doch geschafft. Doch es sind nicht nur ältere, gehbehinderte Menschen, die mit den Treppen Probleme haben. Auch Eltern mit Kinderwagen oder Radler mit E-Bike tun sich damit schwer.

Die Saarburger Sesselbahn wird barrierefrei

Aufzug an der Sesselbahn Das soll sich ändern. Deshalb will die Stadt bereits seit Jahren einen Aufzug an dieser Stelle bauen und hat dafür Geld aus dem Programm „Tourismus für alle“ beantragt (siehe Info). Stadtbürgermeister Jürgen Dixius sagt: „Der Förderbescheid ist nun da.“ Es folge die Ausschreibung, und im Oktober, also wenn sich die Sesselbahn, deren Talstation in diesem Jahr erneuert wurde, in der Winterpause befindet, soll der Aufzugbau beginnen. Kosten: rund 480 000 Euro, Fördermittel: 407 000 Euro.

Drei Jahre hat die Stadt auf die Förderzusage gewartet. Zur Frage, warum das so lange gedauert hat, sagt Dixius: „Das ist eine neue Förderkulisse, und es gab viele Rückfragen.“ Ein Problem sei beispielsweise gewesen, dass die Transportgehänge für Elektrorollstühle, Kinderwagen und Ähnliches noch hätten entwickelt und zertifiziert werden müssen. Doch wie fördert man etwas, was es noch nicht gibt?

Barrierefreier Wanderweg Zusammen mit dem Aufzug auf dem Warsberg ist dort ein barrierefreier, nicht ganz ein Kilometer langer Wanderweg geplant. Auch für ihn kam nun die Förderzusage. Kosten: 231 900 Euro, Fördersumme: 177 350 Euro. Aufzug und Wanderweg sind Bausteine einer barrierefreien Achse in der Stadt, die sich vom Kammerforst über das Kasernengelände und den Bahnhof bis hin zum Warsberg ziehen soll. Dixius ergänzt: „Beim Umbau der Kaserne und bei der Rathaussanierung achten wir ebenfalls auf Barrierefreiheit.“

Barrierefreie Burg Zumindest in Teilen soll die Ruine der Saarburg auch für behinderte und in der Bewegung eingeschränkte Menschen erreichbar gemacht werden. Der Bauausschuss der Stadt hat deshalb im Mai einen Prüfungs- und Planungsauftrag über rund 108 000 Euro an ein Saarburger Ingenieurbüro vergeben. Jürgen Dixius sagt: „Vergangene Woche hatten wir ein Abstimmungsgespräch mit der Denkmalpflege. Im Oktober soll der Förderantrag stehen.“ Die Planung sieht bislang einen Aufzug oberhalb des Parkplatzes an der Burg vor, der die Menschen auf das Niveau des Burgturmfußes bringt. Mit Rampen und einem Treppenlift sollen weitere Barrieren überwunden werden.

Sesselbahn Saarburg. Foto: TV/Marion Maier

Umbau des Bahnhofs Was die Bahn nicht hinbekommt, will die Stadt Saarburg selbst angehen. So soll eine barrierefreie Unterführung zwischen Bahnhof und Innenstadt entstehen. Laut Dixius stehen Planung und Förderung (75 Prozent im Rahmen des Programms Stadtumbau Beurig). Dixius: „Für die Rampen werden mehr als eine Million Euro investiert.“ Die Stadt warte auf die Zustimmung der Bahn zur Bauausführung. Für Anfang August sei ein Treffen mit den Verantwortlichen vereinbart worden. „Ziel ist es, dieses Jahr mit dem Bau der Rampen zu beginnen“, sagt Dixius.

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