Surfen statt paddeln

NEUHÜTTEN/KELL/BESCHEID. Das beharrliche Schulterzucken der Telekom trifft in der Region auf immer weniger Verständnis. Etliche Dörfer haben sich entschieden, dem DSL-Notstand ein Ende zu setzen – einige sogar bereits mit Erfolg.

Derzeit sind es die Gemeinden Damflos, Neuhütten mit Muhl und Züsch, die genug davon haben, im weltweiten Netz nur gemächlich paddeln zu können statt wie der Rest der Welt rasant zu surfen. Dass sie bisher keinen regulären DSL-Anschluss haben, liegt wie in den meisten Dörfern in Telekom-Deutschland an der Leitungslänge zum nächsten Netzknoten. Für die vier Dörfer ist es der Hermeskeiler Netzknoten des Vorwahlbereichs 06503, der einfach ein wenig mehr als fünf Kilometer von ihnen entfernt ist."Das ist ein ärgerlicher Zustand"

Doch das Verständnis dafür, dass derlei Hemmnisse im 21. Jahrhundert unüberwindbar zu sein scheinen, ist längst auf Null gesunken. Ebenso wie blumig angebotene Alternativen via Satellit oder per Funk, die teils zu teuer, teils asynchron (A-DSL) sind, also kein gleichschnelles Empfangen und Senden ermöglichen. "Für mich ist das ein ärgerlicher Zustand, wenn ein Bild zu versenden ist, und das dauert ewig", kritisiert zum Beispiel Züschs Ortsbürgermeister Hermann Bernardy. Um endlich auch in den Genuss eines schnellen Internetzugangs zu kommen, haben die Dörfer daher eine gemeinsame Initiative gestartet. Mit einer Unterschriftenaktion, an der sich die Neuhüttener auch über die Internetseite der Gemeinde beteiligen konnten, wollen sie bei der Telekom bewirken, dass ein zusätzliches Breitbandkabel gelegt wird. "Das rechnet sich nur, wenn eine entsprechende Zahl von Anschlussnehmern da ist", sagt Bürgermeister Michael Hülpes, bei dem die Listen zusammenlaufen. Erster Adressat sei die Telekom. Doch: "Wenn wir da nicht zurecht kommen, werden wir uns nach anderen Möglichkeiten erkundigen." Denn das Problem gebe es auch andernorts, etwa in Teilen von Reinsfeld. Bewegung gibt es auch bei den Nachbarn in Kell. Der Hauptort der Verbandsgemeinde mit dem Knoten 06589 verfügt zwar schon seit einigen Jahren über DSL, und auch Waldweiler, Zerf, Hentern und Baldringen sind angeschlossen. Doch in Mandern und Lampaden geht nach wie vor nichts, und in Schillingen und Heddert gibt es den schnellen Internetzugang nur teilweise. Nachdem das Interesse in den Gemeinden eruiert worden war, habe man Kontakt mit einem Funkanbieter aufgenommen, sagt Norbert Willems von der Verbandsgemeinde-Verwaltung Kell. Da dieser auf Grund steigender Nachfrage bis Oktober ausgelastet sei, müssen sich die Interessenten vorerst weiter in Geduld üben. Nach Ansicht von Willems duldet der schnelle Anschluss keinen Aufschub: "Das ist ja inzwischen ein Standortfaktor", sagt er und berichtet von einem Hauseigentümer, bei dem ein gewerblicher Mieter aus diesem Grund einen Rückzieher machte. In den Gemeinden, die dem Knoten 06509 angeschlossen sind, hat sich das Problem erledigt. Doch haperte es dort nicht an der "langen Leitung", sondern daran, dass die Vermittlungsstelle bisher nicht für DSL umgebaut war. Dank der Privatinitiative eines Bescheiders kamen daher auf einen Schlag auch die nahen Orte Breit, Büdlich, Heidenburg und Naurath in den Genuss eines schnellen Internetzugangs.

Mehr von Volksfreund